zur Navigation springen

Ausstellung in Hamburger Kunsthalle : „Italienbilder der Romantik“: Bilder für Adlige und Bankiers von Franz Ludwig Catel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Franz Ludwig Catel war einer der gefragtesten Landschaftsmaler seiner Zeit – die Hamburger Kunsthalle widmet ihm die erste große Retrospektive.

Die Hamburger Kunsthalle ehrt den nahezu in Vergessenheit geratenen Maler Franz Ludwig Catel mit einer Retrospektive unter dem Titel „Italienbilder der Romantik“. Rund 200 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und druckgrafische Werke aus über 50 internationalen Sammlungen sind in der Ausstellung zu sehen.

Kurator Andreas Stolzenburg hat 15 Jahre lang an der Vorbereitung dieses Projekts gearbeitet. Stolzenburg: „Wie kaum ein anderer Künstler in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstand es Franz Ludwig Catel, mit seinen zwischen den Gattungen Landschaft und Genre gekonnt changierenden, in einzigartigen Farben leuchtenden Gemälden den Geschmack der europäischen Italienreisenden zu treffen und ihn in neuartige Kompositionen umzusetzen.“

Charakterisch für Franz Ludwig Catels Mal- und Zeichenstil ist eine poetische, häufig von Lektüreerlebnissen angeregte Auffassung von Landschaft und den darin lebenden Menschen. Sei es fröhlich musizierendes, einfaches Volk auf seinen lebensfrohen Genre-Gemälden oder aber schwermütige, in sich gekehrte Ordensbrüder im kargen Mondlicht seiner düsteren Mönchsbilder. Der Romantiker François-René de Chateaubriand, Lord Byron sowie Johann Wolfgang von Goethe gehörten zu Catels bevorzugten Dichtern.

Die Hamburger Ausstellung ist als umfangreiche Retrospektive angelegt. Sie setzt ein mit dem Frühwerk Catels, darunter eine 1799 entstandene Pinsel- und Bleistift-Zeichnung aus dem ehemaligen Besitz Johann Wolfgang von Goethes. Sie zeigt eine Begebenheit aus der Ilias des Homer. Die ätherisch komponierte Szene ist angefüllt mit gramgebeugten Trauernden in transparenten Gewändern, die die Anatomie ihrer Körper offen zur Schau stellen. Der Weimarer Dichter bemerkte dazu allerdings etwas ungnädig: „Er zeigt in seinen Arbeiten ein schönes Talent, nur sieht man daran, möchte ich sagen, dass er in der Zerstreuung der Welt lebt.“

Catel wurde 1778 in Berlin geboren. Bereits mit sechzehn Jahren schrieb er sich an der Berliner Akademie in die Malereiklasse ein, 1798 ging er dann an die Pariser Akademie, um 1800 zunächst nach Berlin zurückzukehren. Es folgten Aufenthalte in Dresden, Weimar und wiederum Paris. 1811 ließ er sich dann dauerhaft in Rom nieder. „In Italien“, so Andreas Stolzenburg, „erwacht die Faszination des Künstlers für die Natur in all ihren Erscheinungsformen, der er sich ab diesem Zeitpunkt in seinem Werk widmen sollte“.

Catel wurde schon früh zum Alleinerben des Familenvermögens und konnte, anders als die zahlreichen anderen in Rom tätigen deutschen und dänischen Maler, mit denen er enge Kontakte pflegte, ein von ökonomischen Zwängen freies und unabhängiges Leben führen.

Zudem verfügte er bereits kurz nach seiner Ankunft über beste Kontakte zur feinen Gesellschaft Roms und spielte, verheiratet mit einer Römerin, auch selbst bald eine gesellschaftlich wichtige Rolle. Zu seinen Kunden und Auftraggebern gehörten englische Lords, Berliner Bankiers und zahlreiche Mitglieder deutscher und europäischer Adelsfamilien, darunter auch das Haus Hohenzollern, das bayerische Königshaus sowie der Zarenhof in Russland.

Der Maler starb 1856 in Rom. Catel hatte testamentarisch verfügt, dass die Hälfte seines Vermögens in eine wohltätige Stiftung einfließen sollte. Diese, die Fondazione Catel, besteht bis heute. Aus ihren Beständen stammt auch eine große Zahl der jetzt in Hamburg gezeigten Werke.

Ausstellung: Franz Ludwig Catel. Italienbilder der Romantik. Hamburger Kunsthalle. Galerie der Gegenwart. Bis 31. 1.2016. Di-So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr, Heiligabend geschlossen, 1. Weihnachtstag 12-18 Uhr, 2. Weihnachtstag 10-18 Uhr, Silvester 10-15 Uhr, Neujahr 12-18 Uhr.


zur Startseite

von
erstellt am 30.Okt.2015 | 08:13 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen