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Intensives Theater mit den „Gerechten“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

von
erstellt am 06.Apr.2014 | 14:51 Uhr

„Wir töten, um eine Welt zu errichten, in der niemand mehr töten wird.“ Das Credo der fünf Revolutionäre könnte ganz aktuell sein. Tatsächlich basiert die Geschichte auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahre 1905. Und das Stück „Die Gerechten“ von Albert Camus stammt aus dem Jahre 1949. In den Kammerspielen des Landestheaters wird das wortgewaltige Werk um aktuelle Bezüge ergänzt, werden andere Aspekte ignoriert und ist die Ausstattung modern. Das Ergebnis sind unglaublich intensive 90 Minuten mit Nachbrenn-Effekt.

Vor mehr als hundert Jahren sollte der Großfürst sterben. Jetzt ist er ein Präsident, den die Revolutionäre töten wollen, die Kutsche ist ein Auto. Kapuzenshirts und Handybomben verlagern den Stoff optisch in unsere Zeit (Bühnenbild und Kostüme: Xenia Hufschmidt). Auch kurze Anspielungen wie auf das Attentat vom 11. September 2001 stellen den Bezug zur Neuzeit her.

„Man kann Unrecht nicht nur anprangern, man muss es bekämpfen unter Einsatz seines Lebens“, sagt Alexej (Michael Kientzle). Sätze und Gedanken wie diese gibt es viele in dem Stück, das sich auch um die Frage dreht, ob Kinder für „die Idee“ getötet werden dürfen. Das ist schwerer Stoff.

Den „erleichtert“ Regisseur Reinhard Göber ein wenig im ersten Teil, wenn er die „Gerechten“ ihre Beweggründe vortragen lässt. Der sanfte Poet Janek (Tobias Bode), der von Dora (Nina Mohr) geliebt wird, ist gegen Bio und Mülltrennung. Da wird im Publikum gelacht. Wenn Hardliner Stepan (Johannes Fast) Gift und Galle gegen 13 Ratsherren in Schlewig spukt, gibt es Szenenapplaus vom Landestheater-Publikum.

Die (An)-Spannung ist durchweg groß und durch das intensive Spiel geschaffen. Gesteigert wird sie durch Musik in den Szenenwechseln wie durch das Rammstein-Lied „Waidmanns Heil“. Am Ende der ausverkauften Premiere gab’s lang anhaltenden Beifall für diese erste Camus-Inszenierung am Landestheater – und sicher noch einige Diskussionen.


Nächste Termine: 11.4, Flensburg / 12.4. Schleswig / 17.4. Kammerspiele Rendsburg, jew. 19.30 Uhr. Infos: www.sh-landestheater.de

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