Eutiner Festspiele : "Ich bin ein Mensch des Nordens"

Warmherzigkeit - das spricht für Dominique Caron aus der Musik.
Warmherzigkeit - das spricht für Dominique Caron aus der Musik.

Warum sich Dominique Caron den Eutiner Festspielen so eng verbunden fühlt.

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26. Oktober 2011, 11:45 Uhr

eutin | Die Stationen ihres Lebens lesen sich wie ein Katalog für Städtereisen. Paris, San Francisco, Berlin, Bern, Dortmund: "Ich bin oft umgezogen. Bei 50 habe ich aufgehört, meine Ortswechsel zu zählen", sagt Dominique Caron.

Auf die Frage, warum es sie jetzt ausgerechnet nach Eutin verschlägt, findet sie im perfekten Deutsch mit noch leichtem französischen Akzent eine entwaffende Antwort: "Ich bin ein Mensch des Nordens. Hier kann ich richtig ich sein. Und wenn ich hier bin, bin ich es ganz."

Vor 14 Jahren hat die Frau, die jetzt langfristig die künstlerischen Geschicke der Eutiner Festspiele lenken will, im Urlaub Schleswig-Holstein entdeckt. Die Luft, die Farben, die Menschen, die Elemente - all dies passe hier gut zu ihr, tue ihr im tiefsten Inneren als Ausgleich zum hektischen Getriebe der Städte und hinter den Bühnenkulissen gut.

Vor sieben Jahren hat Caron auf einem ausgedehnten Grundstück zwischen Lübeck und Eutin feste Wurzeln geschlagen: "So ein Zuhause wollte ich endlich haben. Da kann ich kochen und Rasen mähen, was ich wirklich liebe. Mit einem Aufsitzmäher."

Flach halten will die Intendantin Dominque Caron derzeit noch alle Aussagen über die künstlerische Besetzung bei den Eutiner Festspielen 2011. Sie stehe mit vielen Sängern in Verhandlungen, habe auch schon die Regisseure für die Neuinszenierungen im Blick - mehr gibt sie nicht preis.

Auch nicht zur Orchesterfrage, die sie mit dem neuen Festspiele-Musikdirektor Urs-Michael Theus lösen will. "Uns rauchen die Köpfe. Wir suchen nach Modellen, wie wir in einer Art Akademie junge Musiker hier herbekommen." Auf jeden Fall sollen wieder Künstler aus Lawrence bei den Festspielen 2012 mitwirken, über das Wie soll in den USA noch mit David Neely geredet werden.

Zwischenfrage: Finden denn 2012 überhaupt in Eutin Festspiele statt? Darauf blickt Dominique Caron ihrem Gegenüber fest in die Augen: "Ich bin ein rational denkender Mensch und sehe, hier ist ein großes Potenzial. Ich bin sicher, dass es die Oper hier weiter geben wird." Dafür werde sie, wo immer sie die Möglichkeit dazu erhalte, offen eintreten.

Ihre Antriebskraft, trotz aller politischen Unwägbarkeiten mit Zuversicht und Energie die neue Aufgabe in Eutin anzupacken, entspringt einer Grundüberzeugung: "Ohne Kultur ist der Mensch ärmer, Musik steht für Freude und Gemeinsamkeit. Und die Festspiele sollen bald wieder etwas von dieser Freude ausstrahlen."

Dass diese positive Wirkung in den vergangenen Jahren in Eutin gedämpft erschien, ist Caron von gelegentlichen Besuchen früher und den aktuellen Diskussionen, seitdem sie den Intendanten-Vertrag unterzeichnete, sehr wohl bewusst. Aber sie ist guten Mutes: "Ich habe immer Herausforderungen geliebt. Es lohnt sich, auf Zusammenarbeit und Eintracht zu setzen."

Mit Geschlossenheit nach außen und einem vielfältigen Programm soll der Publikumszuspruch erhöht werden. 29 Veranstaltungen sind geplant, der Vorverkauf ist angelaufen, "gut angelaufen", wie Caron sagt. Verdis "Nabucco" will sie selbst auf die Bühne bringen, für Donizettis "Liebestrank" werde ein Regisseur gebraucht, der "Warmherzigkeit" in Szene zu setzen verstehe. Und mit Paul Abrahams 1930 erstmals aufgeführter Operette "Blume von Hawai" werde ein "schmissiges, wunderbar für die Freilichtbühne geeignetes" Stück für Aufsehen sorgen. Dessen ist sich Caron sicher: "Alle werden Fans der Blume von Hawai werden."

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