Rolf Hochhuth : "Ich bin der alleinige Besitzer dieses Hauses!"

Höhepunkt eines Streites: Schriftsteller Rolf Hochhuth (r.) dringt am Donnerstagvormittag ins Berliner Ensemble ein. Foto: dpa
Höhepunkt eines Streites: Schriftsteller Rolf Hochhuth (r.) dringt am Donnerstagvormittag ins Berliner Ensemble ein. Foto: dpa

Eigentlich wollte Rolf Hochhuth vor dem Berliner Ensemble eine Pressekonferenz abhalten. Dann stürmte er das Gebäude und spitzte den Konflikt um das Theater und die Bühnenhoheit weiter zu.

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23. August 2009, 02:17 Uhr

Berlin | Die Aktion verlief bühnenreif: Punkt 11 Uhr radelte der Dramatiker und Schriftsteller Rolf Hochhuth in Berlin über den Schiffbauerdamm. Statt ans Brecht-Denkmal, wo er seine aktuelle Sommerinszenierung vorstellen wollte, eilte der 78-Jährige durch die Vorhalle des Berliner Ensembles (BE) und stürmte die Treppen hinauf. Die Aktion gilt als vorläufiger Höhepunkt eines Streits zwischen Hochhuths Ilse-Holzapfel-Stiftung und dem Land Berlin. Dabei ist das Ganze ein Stellvertreterkrieg. Tatsächlich befehden sich Hochhuth und BE-Intendant Claus Peymann.
Wohl aus diesem Grund waren die während der Ferien verbliebenen BE-Mitarbeiter erbost, aber nicht überrascht, als Hochhuth in das Haus eindrang. "Holt die Polizei, wenn man mich hier rausschmeißen will! Ich bin der alleinige Besitzer dieses Hauses!", rief der 78-jährige Dramatiker. Einen Pulk Presseleute im Schlepptau gelangte Hochhuth schließlich in das auch als Spielstätte genutzte Foyer im ersten Stock, wo er neben dem Brecht-Zimmer mit Claus Peymann und der Berliner Kulturpolitik abrechnete. Danach stellte sich Hochhuth demonstrativ den Kameras und Fotografen auf dem Balkon des Berliner Ensembles über dem Bertolt-Brecht-Platz, bevor er wieder zu Theaterproben in die Urania als Ausweichspielstätte fuhr.
Hochhuth ist über die von ihm gegründete Ilse-Holzapfel-Stiftung Eigentümer der Immobilie am Schiffbauerdamm, die er an das Land Berlin vermietet hat (Peymann ist quasi Untermieter). Den Vertrag hat Hochhuth aber inzwischen "fristlos gekündigt", weil Peymann ihm die Aufführung des Stückes "Sommer 14" im August im Berliner Ensemble verweigert hat. Hochhuth habe sein Projekt nicht vertragsgemäß angemeldet, hieß es. Dagegen hatte Hochhuth erfolglos eine Einstweilige Verfügung beantragt.
Die geplante Berufung vor dem Berliner Kammergericht, die heute stattfinden sollte, nahm Hochhuth wieder zurück. Er wolle die Zuschauer nicht noch verwirren, hieß es. Jetzt finden die Premiere und weitere Vorstellungen ab Sonntag in der Berliner Urania statt.
"Es kommt einer Tragödie gleich, dass der Kultursenator Berlins es zulässt, dass zwei in der Republik und darüber hinaus nicht unbekannte Persönlichkeiten aufeinander prallen", betonte Hochhuths Anwalt, CDU-Kulturpolitiker Uwe Lehmann-Brauns. Er sprach von einer "kulturpolitischen und menschlichen Situation" und versuchte auch, seinen sichtlich erregten Mandanten immer wieder zu besänftigen. Kulturpolitik zeichne sich auch dadurch aus, dass sie als Moderator und Vermittler tätig wird, meinte der Anwalt. Es werde keinen wirklichen Sieger in dieser "Theaterschlacht" geben. Hochhuth sei "tief verletzt", nicht jedes seiner Worte müsse man daher auf die Goldwaage legen.
Und bis zu diesen Ausführungen hatte Hochhuth kräftig ausgeteilt. Im Treppenhaus rief er etwa kämpferisch, er werde sich nicht vertreiben lassen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Kulturstaatssekretär André Schmitz seien "Kulturproleten". Sie würden das 90 Jahre alte Haus töten.
Auch Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) bekam etwas ab: Sie würde mit Billigung der beiden sogar dem Abriss der Kudammbühnen zustimmen. "Selbst Hitler hat nie gewagt, sich an diesen zwei Bühnen zu vergreifen", schimpfte der Dramatiker auf dem Balkon.
Hochhuth hatte bereits in der vergangenen Woche "das Ende der Ära Peymann" am Berliner Ensemble verkündet und den Pachtvertrag mit dem Berliner Ensemble "fristlos gekündet". Der Anwalt des Landes Berlin, Peter Raue, sieht die Kündigung allerdings als "gegenstands- und grundlos" an, da das Land Berlin den Vertrag nicht verletzt habe. Der Vertrag laufe bis Ende 2012 mit einer Option auf weitere 15 Jahre. Außerdem wird am 7. September vor dem Landgericht über einen Antrag Hochhuths verhandelt, der Peymann untersagen soll, das BE "nicht mehr an theaterfremde Institutionen und Persönlichkeiten" zu vermieten. "Was dem Schriftsteller und Eigentümer Hochhuth versagt wird, wird Dieter Bohlen gestattet", erklärte Hochhuths Anwalt.

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