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Schauspiel : Historische Premiere im Lille Teater

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum zweiten Mal in der Geschichte des dänischen Theaters in Flensburg wird dort auch Deutsch gesprochen – im Schauspiel „Grænsen – Die Grenze“, das ab dem 24. Oktober für einen besonderen kulturellen und literarischen Austausch zweier Sprachen sorgen wird.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 11:33 Uhr

Flensburg | Ein deutscher Soldat und eine dänische Frau verlieben sich ineinander im Krieg, während der Besatzung. „Das geht ja nicht“, sagt Kaj Nissen und setzt die Geschichte fort: Schließlich müsse der Besatzer zurück nach Deutschland gehen, und die Geliebte könne nicht folgen. Die Grenze entzweit die Liebenden. Die Idee zum zweisprachigen Schauspiel „Grænse – Die Grenze“ hat der Autor und Regisseur einem Buch zu verdanken und um eine Liebesgeschichte bereichert. „Als der Krieg nach Kragelund kam“ nennt Nissen als Titel des Buches, das von einem winzigen Dorf in Dänemark handelt und auch von dem deutschen Feldflugplatz dort während der Besatzung. Dieser habe als Alternative zu Schäferhaus in Flensburg gedient, sei jedoch bedeutungslos geblieben, weiß Niels-Ole Lindgaard, einer der neun Darsteller im Stück, das am 24. Oktober in Det lille Teater in der Marienstraße in Flensburg Premiere feiert.

„So schlimm sind wir auch nicht“, verteidigt sich der deutsche Soldat Gustav (Jens Christian Krause) fast schmollend und protestiert: „Ich bin doch kein Bombenzünder!“ Zum Beweis marschiert er über die Bühne, ohne, dass Bomben in der Ferne detonieren, und setzt sich dann neckend neben Hilde (Anna Kindberg) auf die Bank. So sehen seine ersten Annäherungsversuche an die Dänin aus, die ihm in ihrer Sprache antwortet und vorerst auf Abstand hält. „Er lernt Dänisch: nicht um sie zu beeindrucken, sondern ihre Mutter“, erläutert Kaj Nissen, was Gustav für die Liebe tut. Nicht nur Liebende kommen einander näher, sondern sämtliche Dorfbewohner, ob dänisch oder deutsch gesinnt. „Man sollte ja auch später als Nachbarn zusammenleben“, markiert Nissen deren Motiv.

Neben der Geschichte selbst ist die Tatsache historisch, dass erst zum zweiten Mal in der beinahe 50-jährigen Geschichte des Lille Teater auf der Bühne auch Deutsch gesprochen wird. Niels-Ole Lindgaard, der seit 1980 Amateurtheater spielt, erinnert sich, dass als er anfing im Hause in der Marienstraße Deutsch regelrecht verpönt gewesen sei. Für „Blödsinn“ hält das der 66-Jährige, der im März als Lehrer in Rente ging. „Sprache ist für mich ein Kommunikationsmittel“, erklärt Lindgaard und pendelt nahtlos zwischen dem Deutschen und Dänischen – so wie seine Figur des deutschen Soldaten Uwe, der fließend Dänisch beherrscht.

Eben diese Zweisprachigkeit findet der Dramatiker Kaj Nissen „spannend“, lässt die Sprache arbeiten und lobt die erfahrenen Laienschauspieler, die das ermöglichen. Das Ensemble speist sich aus zwei Häusern, und zwar dem Lille Teater in Flensburg und dem gleichnamigen Theater in Gråsten. Die Niederdeutsche Bühne Flensburg sei ein weiterer Partner dieser Produktion, sagt Kaj Nissen. Der Kultur-Dialog unterstützt das Vorhaben mit rund 9400 Euro über einen Zeitraum von fast zwei Jahren. Am Donnerstag in einer Woche ist das Ergebnis auf der Bühne erstmals zu erleben.

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