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Sonntagskrimi : Heute im „Tatort“: Spuk und Trug im Mörderhaus Brix

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Grusel-„Tatort“ mit Halloween-Charakter – sowas kann schnell in Richtung Trash abgleiten. Doch beim aktuellen Fall für Brix gelingt der Krimi mit Mut und Witz.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2017 | 16:18 Uhr

Egal: Halloween hin, „Tatort“-Experiment her. Offenbar sollen wir Sonntagabend das Gruseln kriegen. Mit Geistern und blutigen Gesichtern. Mit selbst wandernden Stühlen und flackernden Lichtern. Vom Keller bis zum Dachboden – im Haus des Frankfurter Kommissars Paul Brix (Wolfram Koch) und seiner Vermieterin Fanny (Zazie de Paris).

Damit es so weit kommt, stolpert ein alter Mann bei strömendem Regen durch die Nacht (Axel Werner), hinein in ihr Haus, übergießt alles und sich selbst mit Benzin, nur, um dann vor Schwäche aus den Latschen zu kippen. Sein letzter Seufzer, bevor er ins Koma fällt: „Sie will sie holen. Sie will meiner Merle weh tun“. Brix und Kollegin Anna Janneke (Margarita Broich) werden nicht schlau aus dem Ganzen. Bis jene Merle (Luise Befort), die schöne Enkelin des Alten, auftaucht. Dann spielen alle verrückt.

Brix findet auf dem Dachboden das Skelett eines kleinen Mädchens. Wie sich herausstellt, war das Haus bis Ende der 50er ein Kinderheim, wo schreckliche Dinge geschahen. Fanny dagegen fängt plötzlich an, überall weiße Kreise zu malen. Und ständig spukt es. Selbst im Krankenhaus, wo der alte Mann schließlich zu Tode kommt. Was ist noch Realität, was schon Hokuspokus?

Mal richtig die Sau rauslassen! Mal alles aus den Trickkisten und Schminkkästen rausholen, was das Zuschauerherz zum Rasen bringt! Das dachte sich wohl Regisseur Andy Fetscher, als er sich daran machte, sein mit Christian Mackrodt entwickeltes Drehbuch in Szene zu setzen. Ganz in dem Bewusstsein: Mit Koch und Broich kann man solch Kokolores veranstalten. Am Ende wird daraus allemal ein edler, ja, ein glaubwürdiger Krimi.

Und in der Tat: Wo die Schnapsidee von geisternden Omis im Marilyn-Manson-Schocker-Look, von verhexten Maiden und allerlei Zisch und Zosch anderswo im TV meist in die Hose geht, erleben wir diesmal ein denkwürdiges Spektakel. Einen echten „Horror-Tatort“. Voller Mut und Witz. Soll heißen: „Tatort“-Experiment gelungen, Halloween kann kommen.
 

„Tatort – Fürchte dich“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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