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Lesung in Hannover abgesagt : Helge Schneider und die Mandarine gegen den Terror

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Der Komiker muss eine Lesung in Hannover absagen. Er erklärt sich dazu in einem Video. Helge Schneider hält keine staatstragende Rede - und sagt trotzdem eine Menge.

Hannover | Film ab: Helge Schneider läuft in Helge-Schneider-Manier durch einen Raum. Bald wird klar, dass er sich in einem Hotelzimmer aufhält. Mit einem Stuhl mit Rollen am Gestell fährt er auf eine Kamera zu, um ein Video für seine Facebook-Seite aufzunehmen. Der Komiker verkündet mit ruhiger Stimme: „Ich musste grad 'ne Lesung absagen in Hannover.“ Es folgt eine minimale Sprechpause, die das Ganze ein bisschen spannender macht. „Aus Sicherheitsgründen“, fährt er fort.

In Hannover wurde am Dienstagabend das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande wegen der Gefahr eines Anschlags abgesagt. Auch das Konzert des Jazzmusikers Maceo Parker sowie Helge Schneiders Lesung fanden deswegen nicht statt.

Wer nun erwartet, jetzt folge eine mehr oder weniger staatstragende Rede und/oder ein flammender Appell, wir, die Deutschen, die Franzosen und überhaupt alle, dürften sich nicht vom Terror unterkriegen lassen, irrt. Und trotzdem wird das Video eine klare Absage an den Wahnsinn, wie ihn Paris erleben musste, und umgekehrt eine ebenso klare Ansage: Ich mache weiter.

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Posted by Helge Schneider on  Dienstag, 17. November 2015

Schneider, schwarz gekleidet, beugt sich vor und greift links neben sich nach einer Frucht. Er verkündet seelenruhig: „Jetzt bin ich in meinem Hotel und ess 'ne Mandarine.“ Während er das Teil zu schälen beginnt, lässt er das Volk wissen: „Man sacht, Vitamine wärn gesund.“ Er schält und schält: „Tja, damit konnte man ja nicht rechnen.“ Sein Redetempo ist deutlich langsamer als sein Schältempo. „Als ich angefangen habe, Musik zu machen und solche Sachen, hab ich mir nicht direkt ausgedacht, dass es eines Tages so kommen würde, dass ich mal was absage.“

Dann folgt eine für Schneider typische Wendung. Er, der gerade seine Mandarine zu Ende geschält und halbiert hat, sagt, was man an der Stelle nicht unbedingt erwartet: „Obwohl ich äußerst durchtrainiert bin und fit.“ Nun schaut er, ganz kurz leicht grinsend, einmal direkt in die Kamera und wiederholt: „Aus Sicherheitsgründen.“

Nach dem Satz „Das Spiel Holland gegen Deutschland ist eben abgesagt worden“, kaut der Musiker das erst Stück Mandarine. Mit vollem Mund - er ist nicht leicht zu verstehen - erklärt Schneider weiter: „Und jetzt sitze ich hier und gucke im Fernsehen, wie das da so weitergeht. Ich kann nur sagen“ - hier folgt eine Pause zwecks Entfernung eines Kerns aus dem Mund - „wenn das so weitergeht und ich am Ende morgen auch nochmal absagen muss - dann komme ich Donnerstag wieder“.   

Schneider blinzelt kurz, isst weiter seine Frucht und schaut kauend in die Kamera. Nach abermaligem Schweigen steht er auf und macht - naja, was eigentlich? Exakt vier Übungen, die in Richtung Kampfsport gehen (sollen). Jedenfalls so was in der Art, um seine Fitness und Abwehrbereitschaft zu betonen. Dann kehrt Schneider zu seinem Stuhl zurück, schiebt sich das letzte Stück Mandarine in seinen Mund und macht die Kamera aus.

Zwei Minuten und 18 Sekunden Spaß gegen den Terror. Die Botschaft kommt an. Binnen weniger Stunden wurde das Video weit mehr als zwei Millionen Mal angeschaut und bei Facebook, über 40.000 Mal geteilt sowie rund 80.000 Mal mit nach oben gerichtetem Daumen versehen.

Der Post stößt auf große Zustimmung und Begeisterung. Joana Tropicana schreibt etwa: „Auch wenn die Lage erschreckend ist, bringst du mich als Hannoveranerin mit deinem Humor gerade ziemlich zum Lachen.“ Aika Luttermann verfasste den Fan-Kommentar, der mit rund 1500 Likes ganz oben auf der Beliebtheitsskala landete. Er lautete: „Gute Einstellung. Einfach mal ne Mandarine drauf pellen und morgen wiederkommen. Oder halt am Donnerstag. Und dann noch ein schöner Tritt in die fiktive Fresse des Terrors - oder hab ich da jetzt was fehlinterpretiert?“

 

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erstellt am 18.Nov.2015 | 10:17 Uhr

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