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SHMF-Konzerte 2017 : Hélène Grimaud in Lübeck: Festival-Auftakt mit Frankreich im Herzen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

SHMF-Eröffnungskonzert mit Werken von Ravel und Franck

shz.de von
erstellt am 03.Jul.2017 | 07:55 Uhr

Ein Prosit auf französische Musiker: Nach Begrüßungsworten des neuen Ministerpräsidenten Daniel Günther und seines Intendanten Christian Kuhnt hat mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter Leitung seines Chefdirigenten Thomas Hengelbrock in der Lübecker Musik- und Kongresshalle offiziell das 32. Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) begonnen. Wie beim traditionellen Voreröffnungskonzert am Sonnabend waren Werke von Maurice Ravel und César Franck zu hören. Am Klavier spürte sich Starpianistin Hélène Grimaud durch die impressionistischen Klangwelten Ravels, dem 2017 die Retrospektive gewidmet ist. Man darf sich auf weitere Entdeckungsreisen freuen.

Was heißt schon „Ernste Musik“? Seit Beginn seiner Intendanz hat Kuhnt diesen Begriff aufs Korn genommen, der dem Ernsten so wenig gerecht wird wie dem Unterhaltsamen. Und in Hengelbrock hat er einen seiner engen Verbündeten bei der Suche nach treffenderen Kriterien mit an Bord: Nicht um E oder U, sondern um gute oder schlechte Musik geht es; die Expedition führt fast immer ins musikalische Abenteuerland.

In diesem Sommer gilt es Ravel (1875 bis 1937) zu entdecken, einen Komponisten, den alle Welt zu kennen glaubt, doch die Bekanntschaft bleibt für viele an der „Bolero“-Oberfläche. Zum Auftakt des achtwöchigen Festivals ist deshalb zu erleben, welch große musikalische Welt der kleine Franzose tatsächlich zu bieten hat. Zu Beginn war die Suite Nr. 2 nach dem Ballett „Daphnis et Chloé“ zu hören“, das Ravel 1912 für das Russische Ballett in Paris nach drei Jahren heftigen Ringens fertig stellte. Ein spätantikes Epos um zwei Findelkinder, die sich auf dem Weg zu einem glücklichen Ende in den Fallstricken der Liebe verheddern. Von Beginn an gelingt es Hengelbrock, das Kopfkino des Publikums zu befeuern: Daphnis und Chloé tanzen durch das dreiteilige Werk und spätestens beim dritten Teil, dem Danse génerale, haben sie die Zuhörer gepackt.


Coolness für Ravels Klavierkonzert


Dann wird umgebaut, das Piano in der Bühnenmitte platziert für eine Frau, die gemeinsam mit Hengelbrock schon einmal das Festival eröffnete: 2013 berauschte Grimaud den Konzertsaal mit Schumanns einzigem Klavierkonzert. Ganz andere Emotionen deckt sie nun beim Konzert für Klavier und Orchester in G auf. „Cool“ könnte man ihren Umgang mit dieser 1932 uraufgeführten Komposition nennen, die so viel von Ravels Faszination für Jazz und Blues erzählt. Auf seiner Tour durch Nordamerika ist er mit dieser Musik in Berührung gekommen. Gleich im Allegramente ersteht nach einem trockenen Peitschenknall urbanes Getriebe. Doch die Coolness ist – natürlich – Zutat dieses musikalischen Dinners, das genial zurückhaltend mit Leidenschaft gewürzt ist: Hier wird Musik zelebriert, die 20 Jahre jünger ist als „Daphnis et Chloé“, da ist nicht nur die Entwicklung einer Komponistenpersönlichkeit zu hören, sondern auch eine durch Krieg und Wirtschaftskrise gewandelte Welt. Und wie wohltuend ist die Coolness im hochemotionalen zweiten Satz, dem Adagio assai, bei dem der Pianistin der Uraufführung, Marguerite Long, einst die Tränen flossen. Grimaud lässt keine Rührseeligkeit zu, nur Berührtheit.

Nach der Pause ist es die d-Moll-Sinfonie von César Franck (1822 bis 1890), auch dies ein großartiges, viel zu selten gespieltes Werk, das die Brücke von der Klassik zum Werk Ravels schlägt. Nach dem Presto ist das Publikum nun doch berauscht, feiert den Dirigenten und sein Orchester und ist deutlich neugierig auf das, was da bis zum SHMF-Finale zu hören sein wird.


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