Schriftsteller und „Penner“ in Lindenstrasse : Harry Rowohlt stirbt nach schwerer Krankheit

Er war Übersetzer, Schriftsteller und Schauspieler. Das Multitalent Harry Rowohlt wurde 70 Jahre alt.

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16. Juni 2015, 11:38 Uhr

Hamburg | Er gehörte zu den bekanntesten Stimmen der deutschen Literatur: Der Schriftsteller und Übersetzer Harry Rowohlt ist nach langer schwerer Krankheit am Montag im Alter von 70 Jahren in Hamburg gestorben. Das bestätigte sein Agent Ertu Eren. Seit 2007 litt Rowohlt an der unheilbaren Nervenkrankheit Polyneuropathie.

Multitalent Harry Rowohlt: Er war Übersetzer zahlreicher Bücher aus dem Englischen, Vorleser, Autor, Original, Botschafter des irischen Whiskeys und seit 20 Jahren der „Penner“ aus der Dauerserie „Lindenstraße“. Seine Markenzeichen waren die widerspenstige Mähne und der eindrucksvolle Bart.

Geboren wurde Harry Rowohlt am 27. März 1945 in Hamburg als Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt und der Schauspielerin Maria Pierenkämper. Nach dem Abitur war er Lehrling im Suhrkamp Verlag. Danach volontierte er kurz im Rowohlt Verlag und fand es „schrecklich“, wie er wiederholt erzählte. Gegen den Willen des Vaters stieg er danach nicht ins Familienunternehmen ein, sondern ging für eine Weile nach Amerika. Zurückgekehrt nach Deutschland verdiente er sich seinen Lebensunterhalt zunächst mit Werbetexten.

Nach dem Tod Ernst Rowohlts erbte er 49 Prozent des gleichnamigen Verlags, wollte aber nicht dort einsteigen. Sein Bruder und er verkauften den Verlag Anfang der 1980er Jahre an die Holtzbrinck-Gruppe.

Mit der Übersetzung des Kinderbuches „the last man alive“ wurde er schlagartig bekannt. Unter dem Titel die „Grüne Wolke“ schaffte das Werk als erstes Kinderbuch 1971 den Sprung in die „Spiegel“- Bestsellerliste. Rowohlts Übersetzungen von „Winnie-the-Pooh“ (Pu der Bär) wurden ebenfalls hoch gelobt, wie seine Übertragungen amerikanischer Literatur ins Deutsche. Als Kolumnist und Vortragskünstler war Rowohlt viele Jahre fast ebenso gefragt wie als Übersetzer.

Rowohlt, der mit seiner Frau Ulla in Hamburg-Eppendorf lebte, wurde auch als Vorleser und Schauspieler einem großen Publikum bekannt. So wurde er unter anderem für sein sechsteiliges Hörbuch „Pu der Bär“ ausgezeichnet, außerdem erhielt er den Sonderpreis des Deutschen Literaturpreises für sein Gesamtwerk.

Im Fernsehen war Rowohlt seit vielen Jahren in der Dauerserie „Lindenstraße“ zu sehen - als Penner Harry. Die Rolle erhielt er, weil er auf die Frage einer Zeitschrift nach seinem Lieblingsrestaurant vom „Akropolis“ in der „Lindenstraße“ sprach. Der Witz war folgenreich: Rowohlt erhielt die kleine Rolle und wurde festes Ensemblemitglied.

Einen legendären Ruf hatten Rowohlts Lesungen. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ schilderte er unter dem Titel „Pooh's Corner“ die Welt aus der Sicht des Bären. „Mit seinen legendären Kolumnen ,Pooh's Corner - Meinungen eines Bären von sehr geringem Verstand' hat sich Harry Rowohlt seit Ende der 80er-Jahre ins kollektive Gedächtnis der ,Zeit' geschrieben und ganz nebenbei: den Humor in unser Feuilleton getragen“, sagte Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.

Auf Twitter trauern die Menschen um den beliebten Schriftsteller und Vorleser.

Zahlreiche Übersetzungen - teilweise gemeinsam mit Kollegen - haben Harry Rowohlt berühmt gemacht. Eine kleine Auswahl:

Pu der Bär 1926 erschien das erste Buch des in zahlreiche Sprachen übersetzten Kinderbuchklassikers „Winnie The Pooh“ des Briten Alan A. Milne (1882-1956). Rowohlts deutsche Übersetzung ist legendär, 1987 erschienen die Abenteuer des Bären in Hamburg.
Die Maus mit dem grünen Schwanz Auch zu diesem Kinderbuch-Klassiker steuerte Rowohlt die deutsche Version bei. Das Original von dem Italiener Leo Lionni (1910-1999) erschien auf Deutsch 1974 in Köln.
Die Asche meiner Mutter Der irisch-amerikanische Autor Frank McCourt (1930-2009) schrieb diesen autobiografischen, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Bestseller über seine bitterarme Kindheit. 1996 kam die deutsche Übersetzung auf den Markt.
In Schwimmen-zwei-Vögel Der irische Schriftsteller Flann O'Brien (1911-1966) verfasste das Buch über einen Studenten, der einen Roman schreibt. Die Rowohlt-Übersetzung erschien 1989 in Zürich.
Vier Stories aus dem Spanischen Bürgerkrieg Auf Deutsch erschien das Werk des amerikanischen Literaturnobelpreisträgers Ernest Hemingway (1899-1961) im Jahr 1979 in Hamburg - beim Rowohlt Verlag.
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