Terrakotta-Krieger : Hamburger Ausstellung wird geschlossen

Gefälscht: Die chinesischen Terrakotta-Krieger im Hamburger Museum. Foto: dpa
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Gefälscht: Die chinesischen Terrakotta-Krieger im Hamburger Museum. Foto: dpa

Die Ausstellung mit chinesischen Terrakotta-Kriegern in Hamburg wird geschlossen. Der Lieferant hat gestanden, dass es sich um Fälschungen handelt.

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12. Dezember 2007, 07:40 Uhr

Hamburg - Das Hamburger Völkerkundemuseum steht vor einem Scherbenhaufen. Nach tagelangem Rätselraten um die chinesischen Terrakotta-Krieger hat sich jetzt bewahrheitet, was viele längst befürchtet hatten: In dem renommierten Haus an der Rothenbaumchaussee stehen keine Original-Krieger der weltberühmten Terrakotta-Armee des ersten chinesischen Kaisers (259 bis 210 v. Chr.), sondern lediglich billige Kopien, die es in China an jeder Ecke für ein paar Euro gibt. "Wir haben gegenwärtig keine Ausstellung mit Terrakotta-Soldaten in Deutschland", hatte bereits am Montag ein Sprecher des Kulturamtes in Peking erklärt. Einen Tag später musste die Ausstellungsfirma Center of Chinese Arts and Culture (CCAC) aus Leipzig zugeben, dass es sich um Kopien handelt. Am Mittwochabend zog das Museum die Konsequenzen und schloss die Ausstellung.
CCAC: "Authentisch muss nicht original bedeuten"
"Wir haben niemals den Begriff Originale benutzt", sagte der Sprecher der CCAC, Yolna Grimm, der dpa und bekräftigte damit seine Angaben in den ARD-"Tagesthemen" vom Vorabend. In dem Vertrag, den seine Firma mit dem Völkerkundemuseum abgeschlossen habe, stehe, dass es sich um "authentische Scherbenfiguren aus Originalmaterial" handele. Mit Originalmaterial sei Ton gemeint. "Das sind keine Originale." Die Kopien seien in Xian von chinesischen Partnern hergestellt worden und vom Hamburger Zoll abgefertigt worden. "Authentisch heißt für uns Scherbenfiguren, lebensgroß, vergleichbar mit den Originalen", sagte Grimm. Zur Eröffnung der Ausstellung hatte die Firma sogar den ehemaligen Ausgrabungsleiter aus Xian, Prof. Yangmin Han, nach Hamburg geholt.
"Wir haben einen Anwalt eingeschaltet und prüfen jetzt, was für Schritte möglich sind", sagte Museumsdirektor Prof. Wulf Köpke. In dem Vertrag, den das Museum mit der CCAC abgeschlossen habe, stehe eindeutig, dass es sich um Originale handelt. "Ich habe im Wörterbuch nachgeschlagen: echt, authentisch und original sind identische Wörter." Auf die Frage, warum das Museum sich nicht selbst mit den Chinesen in Verbindung gesetzt habe, sagte Köpke: "Das ist nicht so einfach. Deshalb macht man ja so ein Paket, damit man nicht so viel Arbeit hat." Er hoffe jedoch, dass die Besucher "dieses Versehen verzeihen können". "Wir sind selber Opfer geworden. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Museum auf Fälschungen hereinfällt."
Schon bei der ersten Ausstellung der CCAC gab es Zweifel
Bleibt jedoch die Frage, warum sich das Museum überhaupt auf die Ausstellungsmacher aus Leipzig eingelassen hat. Das CCAC hatte bereits 2005 in Markkleeberg bei Leipzig eine Ausstellung mit Terrakotta-Kriegern organisiert. Auch damals gab es Vorwürfe wegen des Verdachts der Fälschung, die nie geklärt wurden. Spätestens jedoch, als die Ausstellung zu diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen Deutschland und China führten, weil die Figuren nicht rechtzeitig in Hamburg eintrafen, hätte sich das Museum mit dem chinesischen Denkmalschutzamt in Verbindung setzen müssen, meinen viele. Stattdessen machte man den Besuch des Dalai Lama in Hamburg und seinen Empfang durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die Verzögerung verantwortlich.
Den Besuchern im Völkerkundemuseum, die am Mittwoch mit einem Hinweisschild darauf aufmerksam gemacht werden, dass es sich um Kopien handelt, scheint der Skandal relativ egal zu sein. "Ich finde die Ausstellung phänomenal", sagte Renate Mentz aus Hamburg. "Als Laie kann ich sowieso nicht erkennen, ob es sich um Kopien oder Originale handelt", meinte die 79-Jährige. Auch die beiden Lehrer Wolfgang Münchow und Bert-Ulrich Clausen, die mit zwei Schulklassen aus Bardowick bei Lüneburg nach Hamburg gereist sind, stören die Kopien nicht. "Das Wichtigste ist doch, dass die Schüler einen Eindruck davon bekommen, was die Chinesen geschaffen haben." Das sieht auch Thomas José so. "Die Ausstellung ist beeindruckend. Und es ist ja auch eine Kunst, etwas zu fälschen."
Besucher können Eintrittsgeld zurück fordern
Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) bedauerte den Vorfall sehr. Eine solche Ausstellung ohne direkten Kontakt zu den chinesischen Leihgebern organisiert zu haben, sei problematisch. "Wir haben aber den Eindruck, dass Prof. Köpke nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe sofort die richtigen Maßnahmen ergriffen hat." Allen Besuchern, die die Ausstellung bis zum 9. Dezember gesehen haben, bietet das Museum an, die Eintrittsgelder zurückzugeben.

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