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Hardy Krüger jr. im Interview : „Gute Freundschaften sind zeitlos“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Patrick Abozen und Hardy Krüger jr. treten in der Bühnenfassung von „Ziemlich beste Freunde“ auf, die am 23. März Premiere feiert. Was die beiden verbindet, erzählen sie im Interview.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2014 | 10:57 Uhr

„Ziemlich beste Freunde“ war ein großer Kinoerfolg. Jetzt kommt die Geschichte um einen Querschnittsgelähmten und seinen Pfleger auf die Bühne der Hamburger Kammerspiele. Die Erwartungen sind hoch. Wie gehen Sie mit dem Druck um?
Hardy Krüger jr.: Jedes Stück weckt Erwartungen. Dieses aber ganz besonders. Es muss sehr diffizil auf der Bühne inszeniert werden, damit es dem Film ähnelt.
Patrick Abozen: Ich spüre den Druck sehr extrem, weil der Film noch so präsent ist – und so viele Leute ihn gesehen haben. Also habe ich versucht, in der Vorbereitung – beim Text lernen – den Film zu vergessen.

Wie schwer ist es, den Film auf die Bühne zu holen?
Krüger jr.: Dadurch, dass die Bühne ein kompakter Ort ist, an dem sich das alles abspielt, wird es natürlich umso intimer. Das ist natürlich wichtig, um die Beziehungen der Figuren darzustellen. Die Herausforderung liegt darin, dass Philippe und Driss zwei komplett verschiedene Figuren sind – der eine kann sich bewegen, der andere nicht.

Sie sprechen die Querschnittslähmung Ihrer Figur Philippe an. Im Film hat der Schauspieler nur mit den Augen und seiner Sprache agiert. Wie spielen Sie diese Figur?
Krüger jr.: Die Vorlage ist ganz klar. Ich kann nicht aufstehen und die Hand heben. Das geht natürlich nicht. Ich habe einen Rollstuhl, der mich in den Bewegungen von vornherein einschränkt.

Bedeutet das, dass Sie noch mehr Körperkonzentration als sonst aufbringen müssen?
Krüger jr.: Ja, auf jeden Fall. Man muss den Körper komplett ausschalten. Ich bin eigentlich ein sehr agiler Schauspieler auf der Bühne.

Die Geschichte handelt von zwei sehr unterschiedlichen Personen, die eine Freundschaft zueinander aufbauen. Was bedeutet für Sie wahre Freundschaft?
Abozen: Freundschaft gibt einem Halt im Leben. Das Gefühl von zu Hause zu sein.
Krüger jr.: Zu Hause ist ja immer da, wo man verstanden wird. Das ist eine schöne Aussage des Stücks, dass man sagt, egal, woher du kommst oder was du gemacht hast, jeder hat seinen Rucksack zu tragen. Und egal, ob du aus der Bronx kommst, oder dein Handicap ist, an den Rollstuhl gefesselt zu sein, es gibt Freundschaften, die über diesen Dingen stehen.
Abozen: Ich finde auch, dass beide immer ehrlich zueinander sind. Driss lügt ab und zu mal – Notlügen. Aber an sich sind beide sehr direkt und ehrlich. Sie wissen voneinander, wo der andere steht. Und so baut sich Vertrauen auf.

Wo hört für Sie Freundschaft auf?Krüger jr.: Freundschaften werden immer auf die Probe gestellt. Besonders in Krisensituationen zeigt sich, wer wirklich dein Freund ist und wer nicht. Es gibt zum Beispiel diese Freundschaften, die immer eine Erwartungshaltung haben: „Warum hast Du denn nicht angerufen? Ich habe zweimal angerufen und Du rufst nicht zurück, ey! Was ist denn da los?“ So etwas stresst total. Gute Freundschaften sind zeitlos. Ich habe einen guten Freund, der ist Saxophon-Spieler in New York. Den sehe ich ganz selten, manchmal zwei Jahre lang nicht. Aber wenn wir uns sehen, ist es so, als hätten wir uns gerade erst gestern getroffen. Das ist für mich Freundschaft – eine seelische Verbindung. Aber natürlich gibt es ein paar Regeln, die man einhalten sollte. Gerade wenn es um Kohle geht.

Wie sieht es bei Ihnen beiden aus? Ich weiß nicht, wie lange Sie sich schon kennen. Aber kann man bereits von einer Freundschaft sprechen?
Krüger jr.: Wann haben wir angefangen zu proben?
Abozen: Also die Rollstuhlprobe war am 10. Februar.

Man versteht sich?
Krüger jr.: Man versteht sich.
Abozen: Nein, jetzt mal im Ernst. Ich finde, dass es sehr schnell eine Verbindung zwischen uns gab. Ich habe das schon beim ersten „Hallo“ gemerkt.Krüger jr.: Jaja.
Abozen: Wirklich! Wir haben „Hallo“ gesagt, du hast mich gleich umarmt. Ich dachte, das wird eine gute Sache.
Krüger jr.: Man merkt das wirklich sofort. Man begegnet so vielen Menschen tagtäglich. Aber es gibt so ein paar Momente, in denen entsteht eine Verbindung zwischen Menschen. Und das war so einer.
Abozen: War ein guter Moment.
Krüger jr.: Da wusste ich auch, dass es eine gute Zusammenarbeit wird. Wenn es nicht passt, kann es schnell sehr belastend werden. Aber hier können wir uns komplett frei spielen und Spaß haben. Und dann sind wir auch gut.
Abozen: Das spielt eine Rolle. Dann kommt etwas zum Vorschein, was man nicht bewusst spielen kann.

Das Stück behandelt ein ernstes Thema, stellt dieses aber auf humoristische Art und Weise dar – auch mal ohne politisch korrekt zu sein. Ist dies der richtige Umgang mit einem ernsten Stoff?
Abozen: Hier entsteht eine Freundschaft gerade weil nicht alles politisch korrekt ist, sondern sehr direkt.
Krüger jr.: Ich hatte mal die Ehre, Sir Peter Ustinov kennenzulernen. Und der hat etwas ganz Tolles gesagt: „Um die Leute zum Nachdenken zu bringen, um sie emotional zu berühren, musst du sie erstmal zum Lachen bringen.“ Und er hat recht. Gerade bei ernsten Themen. Menschen mit Behinderung haben unheimlich viel Humor. Viele sagen: „Hej, ich bin gehandicapt, aber trotzdem kann ich lachen.“ Es ist wichtig, so eine Angelegenheit nicht zu dramatisch zu behandeln. Die Menschen mit Handicap, die ich kennengelernt habe, reden ganz offen über ihre Behinderung.
Abozen: ...wünschen sich das offene Wort wahrscheinlich auch.
Krüger jr.: Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass man schnell ausgegrenzt wird, wenn etwas Schlimmes passiert ist. Dann hilft es meist, wenn man ganz offen darüber spricht. In dem Stück gibt es auch solche offenen Momente. Dann vergisst man, dass Philippe im Rollstuhl sitzt.

 

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