„Frau mit Geranie“ : Gottorf darf mutmaßliches NS-Raubkunst-Gemälde behalten

Die Provenienz-Forscherin Melanie Jacobi vor Karl Hofers „Mädchen mit Geranie“.
Die Provenienz-Forscherin Melanie Jacobi vor Karl Hofers „Mädchen mit Geranie“.

Das „Mädchen mit Geranie“ des expressionistischen Malers Karl Hofer darf weiter im Landesmuseum Gottorf bleiben, auch wenn seine Besitzverhältnisse nicht eindeutig geklärt werden konnten.

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09. November 2018, 19:54 Uhr

Schleswig | Es war der erste bekannte Fall von NS-Raubkunst im Bestand der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen auf Schloss Gottorf. Erst an diesem Dienstag hatte Museumsdirektorin Kirsten Baumann bekanntgegeben, dass sich das Gemälde „Frau mit Geranie“ von Karl Hofer unrechtmäßig im Besitz ihres Hauses befindet. Landesmuseums-Mitarbeiterin Melanie Jacobi hatte im Rahmen ihrer Recherchen zur Provenienzforschung herausgefunden, dass das Bild möglicherweise in der Reichspogromnacht 1938 dem Düsseldorfer jüdischen Kaufmann Max Selig gestohlen worden war.

Auf Gottorf nahm man Kontakt zu Seligs Erben auf – vier Enkelkinder, die heute unter anderem in Kopenhagen und Australien leben. Am Freitag konnte Baumann das Ergebnis dieser Gespräche vermelden: Die „Frau mit Geranie“ darf auf Gottorf bleiben. Damit haben sich die Erben einverstanden erklärt – und zwar ohne Gegenleistung, wie Museumssprecher Frank Zarp betont. „Das ist sicherlich auch eine Anerkennung unserer Seriosität und unserer jahrelangen Forschung.“ Das Gemälde verbleibe nun im treuhänderischen Besitz der Landesmuseen.

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