Außenseiter : «Good Home» - T. C. Boyles neue Erzählungen

T.C.Boyle 2015 in Berlin.
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T.C.Boyle 2015 in Berlin.

T. Coraghessan Boyle ist ein gefeierter Romanautor, kann aber auch die literarische Kurzstrecke. Seine Erzählungen sind so gut wie immer spannend und gleichzeitig desillusionierend - so wie in «Good Home».

shz.de von
30. Januar 2018, 14:03 Uhr

Typen, die Kampfhunde auf Kaninchen hetzen, Frauen, die im Garten einem Tiger begegnen, Kinder, die keinen Schmerz empfinden, T. Coraghessan Boyle ist der Spezialist für ungewöhnliche Einfälle und außergewöhnliche Figuren. «Good Home», das neue Buch des US-amerikanischen Schriftstellers, zeigt das ein weiteres Mal auf eindrucksvolle Weise.

Auf Boyle (69) ist Verlass. Mit schöner Regelmäßigkeit und in überschaubaren Abständen erscheint ein Roman nach dem anderen, zuletzt «Hart auf hart» (2015) und «Die Terranauten» (2017). Für die Wartezeit dazwischen gibt es seine Erzählungen, die der Autor in den USA zunächst oft in Zeitschriften veröffentlicht und anschließend gesammelt in Buchform. «Good Home» mit Geschichten aus den zurückliegenden 15 Jahren, übersetzt von Anette Grube und Dirk van Gunsteren, ist gerade beim Hanser Verlag erschienen.

T.C. Boyle hat ein Talent für Geschichten mit geradezu unwahrscheinlichem Plot. Aber sie sind eben doch so gut erzählt, dass die Leser das gar nicht merken - so wie bei «Frage 62»: Es geht um zwei Schwestern, eine in Kalifornien, eine in Wisconsin. Während die eine eines Tages in ihrem Garten einen Tiger entdeckt, bekommt die andere Besuch von ihrem Nachbarn, der sie überreden will, bei einer Petition für das Töten von streunenden Katzen zu stimmen. Klingt verrückt? Boyle macht daraus großartige Literatur.

Zu den eindruckvollsten Geschichten gehört «Sin Dolor» über das Schicksal eines Jungen, der keinen Schmerz empfindet. Er spürt rein gar nichts, wenn er sich das Bein bricht oder sich ein Messer durch die Wange sticht - und ist dennoch nicht unverwundbar.

Wie so häufig konzentriert sich Boyle auch in seinen neuen Erzählungen auf die hässlichen, dunklen Seiten des Lebens und auf Menschen, die weder zum Helden taugen noch viel Sympathie verdienen. «Good Home», die Geschichte, von der der neue Band seinen Titel hat, ist ganz finster, ein Blick in den Abgrund: Im Mittelpunkt steht Royce, ein narzisstischer Loser, der Kampfhunde züchtet, Pit Bulls.

Er trainiert diese lebenden Kampfmaschinen darauf, andere Hunde zu töten und nimmt in Kauf, wenn seine eigenen Tiere dabei verstümmelt werden oder draufgehen. Aber als wäre das nicht zynisch genug, meldet er sich auch noch, wenn irgendwo jemand ein Kanichen oder eine Katze abzugeben hat. Royce nimmt die Haustiere dann verlogen lächelnd in Empfang und benutzt sie anschließend als «Köder» für seine Kampfhunde. Eine schreckliche Geschichte, aber hervorragend erzählt, wie die meisten in «Good Home».

T. Coraghessan Boyle: Good Home. Stories. Carl Hanser Verlag München, 428 Seiten, 23,00 Euro, ISBN 978-3-446-25808-2

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