Keine Ratschläge, aber Impulse : Goethe-Gesellschaft in Weimar zum «Divan»

«Der Divan findet sich gerade in jüngerer Zeit immer wieder im Diskurs», sagte Jochen Golz, Präsident der Goethe-Gesellschaft.
«Der Divan findet sich gerade in jüngerer Zeit immer wieder im Diskurs», sagte Jochen Golz, Präsident der Goethe-Gesellschaft.

Sie wurde 1885 gegründet und zählt etwa 2600 Mitglieder weltweit: Die Goethe-Gesellschaft in Weimar.

shz.de von
13. Juni 2019, 12:08 Uhr

Goethes Auseinandersetzung mit dem Islam und dem Orient beschäftigt Experten bei der 86. Hauptversammlung der Goethe-Gesellschaft Weimar. Basis ist die Gedichtsammlung «West-östlicher Divan» des Dichterfürsten.

Bis einschließlich Samstag untersuchen die etwa 300 Teilnehmer aus 17 Ländern unter anderem die Rezeptionsgeschichte des Werks.

Der «Divan» erschien vor 200 Jahren. In seinem Spätwerk setzte sich Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) intensiv mit dem Orient und dem Islam auseinander. Inspiriert hatte ihn dazu eine Gedichtsammlung des persischen Nationaldichters Hafis (um 1325-1390).

«Der Divan findet sich gerade in jüngerer Zeit immer wieder im Diskurs», sagte Jochen Golz, Präsident der Goethe-Gesellschaft, im Gespräch mit dpa. «Goethe gibt uns zwar keine direkten Ratschläge für gegenwärtige Vorgänge, etwa zum Umgang mit Migranten.» Wohl aber ließen sich Impulse von ihm aufgreifen: Goethes Eintreten für ein Verständnis des Anderen und für den interkulturellen Dialog etwa. Aber auch ein grundsätzliches humanes Miteinander und die Akzeptanz anderer Religionen zählten dazu.

Als Goethe den «Divan» schrieb, habe er sich auf eine geistige Reise in den Osten, in die Welt des Alten Orients begeben und seinen Mitmenschen kulturgeschichtliche Kenntnisse darüber nahe gebracht - ein wichtiger Schritt für das Verstehen anderer, so Golz.

Die Goethe-Gesellschaft wurde 1885 gegründet und zählt laut Golz etwa 2600 Mitglieder weltweit. Am Freitag wählt die Hauptversammlung in Weimar einen neuen Vorstand.

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