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Kunst : Gemeinsam stark: Zweite Berliner Art Week

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Berlin hat ein Problem: Zwar arbeiten hier so viele internationale Künstler wie wohl in keiner anderen europäischen Metropole. Aber es gibt zu wenig Reiche, um deren Werke auch zu kaufen. Viele Kreative leben am Existenzminimum.

shz.de von
erstellt am 15.Sep.2013 | 12:27 Uhr

Seit Jahren versucht die Bundeshauptstadt deshalb, zu den großen Umschlagplätzen für zeitgenössische Kunst wie Basel, London oder New York aufzuholen. Die Berlin Art Week, die am Dienstag beginnt, soll mit dem besonderen Flair der quirligen, aber auch etwas chaotischen Kreativszene punkten.

Nach einem etwas überstürzten Anlauf im vergangenen Jahr haben die Initiatoren diesmal ein beachtliches Programm auf die Beine gestellt. Aushängeschild ist das Projekt «Painting Forever», das die Bandbreite und Lebendigkeit der schon so oft totgesagten zeitgenössischen Malerei dokumentieren soll.

Dafür haben sich - kein leichtes Unterfangen im selbstverliebten Kunstbetrieb - vier führende Institutionen zusammengeschlossen: Neben der neuen Kunsthalle der Deutschen Bank und dem KW Institute for Contemporary Art sind die Berlinische Galerie und die Neue Nationalgalerie mit von der Partie.

Letztere hat es sich nicht nehmen lassen, als Platzhirsch schon einmal vorzupreschen: In dem spektakulären Mies-van-der-Rohe-Bau am Potsdamer Platz ist bereits seit dem 6. September die Ausstellung «BubeDameKönigAss» zu sehen, die die vier in Berlin lebenden, recht unterschiedlichen Künstler Martin Eder, Michael Kunze, Anselm Reyle und Thomas Scheibitz in einen Dialog bringt.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der das Gemeinschaftsprojekt initiiert hat, wird es am Dienstag bei einem gemeinsamen Open-Air-Fest im Galerieviertel an der Auguststraße eröffnen. Insgesamt beteiligen sich 21 Partner an dem sechstägigen Kunstmarathon. Es gibt ein einheitliches Marketing, ein witziges Logo mit grünem Punkt und ein Gemeinschaftsticket für alle Veranstaltungen.

«Die Berlin Art Week ist bereits im zweiten Jahr ihres Bestehens eine Erfolgsgeschichte», sagt Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD). Und Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU), die die Kunstwoche gemeinsam mit der Kulturverwaltung unterstützt, verweist auf zusätzliche Standortvorteile: «Mit der Berlin Art Week fördern wir nicht nur den Kunstmarkt direkt, sondern auch das Image der deutschen Hauptstadt als dynamische Metropole mit internationaler Strahlkraft und Kreativität.»

Mit dabei sind erneut die beiden renommierten Kunstverkaufsmessen abc und Preview. Die abc (art berlin contemporary) stellt in den ehemaligen Bahnhofshallen der Station Kreuzberg 120 Einzelpositionen internationaler zeitgenössischer Künstler vor. «Wir haben ein sehr offenes und lebendiges Format, jede halbe Stunde passiert etwas Neues», sagt die neue künstlerische Leiterin Maike Cruse.

Bei der Preview, erstmals in den Opernwerkstätten Berlin, gibt es mit 77 Ausstellern aus 18 Nationen einen noch größeren internationalen Überblick als im vergangenen Jahr. Daneben setzen auch Veranstalter, die nicht unmittelbar an der Art Week beteiligt sind, auf die Neugier des Publikums, beispielsweise die Berliner Liste mit ihrer Messe im Kraftwerk Berlin oder die unabhängige Kunstmesse B.agl Art Explosion, bei der sich Filmemacher Rosa von Praunheim als Künstler vorstellt.

Auch die rund 400 kommerziellen Galerien, die Berlin zum größten Galerie-Standort Europas machen, beteiligen sich mit einem besonderen Programm. Unter dem Motto «Artinsight galleries» führen professionelle Kunstvermittler Interessierte in kleiner Runde durch die verschiedenen Berliner Galeriequartiere - vom traditionsreichen Standort Wilmersdorf bis zur Off-Szene in Friedrichshain-Kreuzberg.

«Die Finanzkrise in Europa hat viele Galerien geschwächt», sagt die Geschäftsführerin des Landesverbands Berliner Galerien, Anemone Vostell. «Ein gemeinsames Engagement wie die Art Week ist wichtig, um Berlin im internationalen Wettbewerb in den Blickpunkt zu rücken.»

Art Week, Programm und Termine

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