Ballett-Premiere : Furiose Rache der antiken Kindsmörderin

2008-09-14-medea.jpg

Es geht um Liebe und Zurückweisung, um Tod und Rache - die griechische Kindsmörderin Medea steht beim Landestheater-Ballett im Mittelpunkt.

Avatar_shz von
14. September 2008, 07:17 Uhr

Rendsburg | Medea, das ist die Figur aus der griechischen Sage, die aus Rache an ihrem Geliebten ihre Kinder tötet. Aber nicht diesen Aspekt wollten die Choreographin des Landes Theater Schlewig-Holstein, Stela Korljan, und Komponist Richard Wester beleuchten, sondern was eine Frau dazu treibt.

Bei der Premiere am Sonnabend im Rendsburger Theater erwartet das Publikum zunächst ein transparenter Vorhang, auf dem dunkle Wellen projiziert ist. Meeresrauschen ertönt. Medea, angespannt auf dem Boden liegend im langen roten Kleid, schimmert durch. Richard Westers Komposition mit Elementen aus Folklore, U-Musik und Jazz besticht. Das ist keine "Begleitmusik", sondern dramaturgisches Mittel. Das hervorragende Ensemble erhält noch mehr "Unterstützung": die Sänger Helene Blum und George Nussbaumer als Psyche Medeas und blinder Seher - Nussbaumer ist tatsächlich blind.
Kraftvolle Stimmen

Die satten und betörenden Stimmen - insbesondere der Dänin Helene Blum - wirken für sich, kraftvoll ergänzen sie das Gesamterlebnis. Die Bühne ist nach hinten hin durch schmale weiße, halbtransparente Stoffbahnen begrenzt, durch die die zehn Musiker inklusive Saxophonist Richard Wester sichtbar sind.

Medeas Tanz um und mit Jason, ihrem "Traum"-Mann, der sie verlassen wird, um Glauke zu heiraten, scheint nie fließend, jede Bewegung ist angespannt und bewusst eingesetzt. Ein Leitmotiv ist das manische Raffen der Röcke - Medea als Geliebte, als Mutter. Und als Mörderin. Einer der Höhepunkte ist die Ermordung Absyrtos, ihres Bruders. Jason zuliebe.
Zehn Minuten Applaus

Als der die Frau verstößt, die für ihn ihre Heimat verraten hat und nun in seinem Land als Fremde behandelt wird, werden Medeas Bewegungen weicher, sie wankt und windet sich. Überhaupt: es wird aneinander geklammert, sich gestützt, umarmt, sich auf dem Boden liegend zueinander hingezogen. Man versteht, worum es geht.

Als die Bühne nach 80 kurzweiligen Minuten in gleißendes Weiß getaucht wird bricht ein verdienter zehnminütiger Schlussapplaus los - für die Tänzer gleichermaßen wie für die Musik.

Weitere Termine:


  • 17.September; 2. und 24. Oktober, Flensburg
  • 18., 24.September und 5., 8.Oktober, Schleswig
  • 22. September., Itzehoe
  • 27.September., Rendsburg
  • 17. Oktober Neumünster

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen