zur Navigation springen

Jubiläums-Ausstellungen 2014 : Friedel Anderson: Der malende Journalist

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der vielleicht bedeutendste Freilichtmaler Norddeutschlands, Friedel Anderson, wird 60 – ein Porträt . In Schleswig und auf Eiderstedt gibt es anlässlich seines Geburtstags Ausstellungen seiner Werke.

Wenn Kunstkritiker Friedel Andersons Werk deuten, dann wird er zum „wichtigsten Freiluftmaler Norddeutschlands“, zum „Meister des Interieurs“, zum „Experten für Licht und Schatten“, ihm wird vorgehalten, auf seinen Bildern die Menschen zu vernachlässigen, dazu „Melancholie“ und Endzeitstimmung zu verbreiten. Manche Urteile sind richtig, andere halb richtig, einige falsch. Der derart unterschiedlich Charakterisierte würde in seiner milden Art sagen, in allen Behauptungen sei vielleicht ein wenig Wahrheit enthalten. Dabei würde er verschmitzt lächeln, die Stirn in schwere Falten legen und verraten, dass ihn sein Sohn einmal „den besten Abmaler der Welt“ genannt hat. Ein Realist also?

Zwar wird Friedel Anderson zur locker vereinigten Gruppe der norddeutschen Realisten gezählt, hat an mehreren Malreisen teilgenommen – etwa 1999 an der schon legendären Fahrt mit der Gorch Fock –, aber so richtig dazugehören mag er nicht. Er zieht es vor, eigene Wege zu gehen, in seiner Kunst ebenso wie in seiner Arbeitsweise. Und beides ist ungewöhnlich. Das zeigt bereits der Entschluss, sich von der Außenwelt weitgehend abzukapseln und sich zwölf Jahre lang in eine aufgelassene und zerfallene Zementfabrik zurückzuziehen.

Erst 33 Jahre war er damals alt, als er, der am 6. November 1954 in Oberhausen geborene, nach Itzehoe zurückkehrte. Dort hatte er 1973 das Abitur gemacht, anschließend in Göttingen und in Kassel beim berühmten Manfred Bluth studiert. Ein freischaffender Maler, der wie ein Beamter tagein, tagaus an einen menschenleeren Arbeitsplatz geht und malt, was dem Verfall preisgegeben ist. Industriegerümpel, Heizungsanlagen, Regale, Räume mit eingetretenen Türen und zersplitterten Fenstern. Eine besondere Art Stillleben mit viel Licht und Schatten.

Es ist ein Vorurteil, wenn Friedel Andersons zurückhaltende Art als menschenscheu gedeutet wird, die dazu geführt haben soll, dass er Menschen aus seinen Bildern nach Möglichkeit ferngehalten hat. Manchmal sind sie bewusst klein wie Ameisen, um einen Kontrast zu bilden. Etwa bei den riesigen Schiffsrümpfen im Trockendock. Wer ihm dort bei der Arbeit zugesehen hat, begreift, was er mit der Aussage meint, für ihn sei die Atmosphäre wichtig, er male nicht nur, was er sehe, sondern auch, was er höre und rieche. Da steht er dann bei strömendem Regen und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt in der Kieler Werft, hat vorschriftsmäßig den blauen Schutzhelm aufgesetzt und die Schuhe mit den Stahlkappen angezogen.

Auch wenn Friedel Anderson behauptet, bevor er den ersten Pinselstrich ansetzt, sei das geplante Bild im Kopf schon fertig, so sind seine Kunstwerke keine reinen „Kopfgeburten“, wie sie ein Dichter erzeugt. Er denkt sich keine Bilder aus, sondern malt nur, was er sieht. Ohne eine wirkliche Welt könne es nichts zustande bringen, sagt er. Somit ist er eine Art Journalist. Er benötigt einen Tatort, der ihm sein Motiv liefert.

Einst fand er diese Anregungen gleich neben seinem Atelier in der Zementfabrik. Später nahm er größere Anstrengungen auf sich, um zu beweisen, dass er nicht nur verlassene Räume, sondern auch Landschaften in Kunstwerke verwandeln kann. Wer für eine Bilanz zum 60. Geburtstag den meterhohen Stapel der Kataloge durchsieht, bekommt eine Vorstellung davon, wie vielseitig und fleißig Friedel Anderson ist. Entsprechend hoch ist die Zahl der Ehrungen und der Ausstellungen. Wenn zu einer Vernissage mit seinen Werken geladen wird, drängen sich Besucher bis vor die Türen, wie jüngst im Itzehoer Hablik-Museum. Dabei werden dort „nur“ Aquarelle gezeigt.

Der Geburtstag ist Anlass für zwei weitere Ausstellungen: am 16. November im kleineren Rahmen in der Galerie Lüth auf Eiderstedt und am 23. November auf Schloss Gottorf der große Rückblick auf Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren. Friedel Anderson hätte Material, um das ganze Gottorfer Schloss zu behängen. Trotzdem malt er noch an Neuem.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen