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Fraktus: Und es gibt sie doch

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Hochspannung bei voller Lautstärke von Strunk, Schamoni, Palminger

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Flensburg/Kiel | Ein Interview ist so irre wie ihre Texte, Titel und Figuren verrückt sind... "Affe sucht Liebe" dürfte den Techno mitbegründet haben - sagen jedenfalls Kultmusiker von gestern und heute wie Blixa Bargeld oder Dieter Meier über "Fraktus". "Kleidersammlung" und "Jag den Fuchs", heißen weitere Knüller-Songs der Band, die es nie gab oder nur ein bisschen. Brunsbüttel war ihre Basis, und Freakazzé der erste Name 1978. Jetzt ist das Trio auf Tour, und ein Film feiert sein Comeback: "Fraktus - Das letzte Kapitel der Musikgeschichte". Leinwände lügen nicht: Jacques Palminger, Heinz Strunk und Rocko Schamoni gibt es doch - als Studio Braun, und als Fraktus kommen die drei nun nach Flensburg und Kiel.

"Die 80-er Jahre waren eine gute Zeit für musikalische Experimente. Jede Band hat versucht, die Musik neu zu erfinden. Aus dieser Energie haben wir Techno entwickelt", resümiert Jacques Palminger. Das Genre im Lauf der Geschichte betrachtet er als "so unglaublich vielschichtig, dass es immer spannend bleibt: Ständig kommen neue Spielarten um die Ecke!"

Bescheiden zitiert der Drummer aus Borken die öffentliche Meinung, die weiß, dass Fraktus derzeit als beste Live-Band Deutschlands gelte. Norddeutschen Fans verspricht er deshalb "anderthalb Stunden Hochspannung bei voller Lautstärke". Palminger behauptet, die Band sei in Bestform und das Publikum begeistert - "eine Premium-Win-Win Situation". Auch die Streitigkeiten stellen die Künstler auf der Bühne insofern möglich ab und "lassen das Publikum weitestgehend in Ruhe".

Über die Struktur des Trios dürfte jedes Drittel seine eigene Auffassung pflegen. Jacques Palminger meint: "Ich bin der Chef von Fraktus. Die beiden anderen machen, was ich will." Er wird konkret: Dickie, also Dirk Eberhard Schubert, also Rocko Schamoni, sei aufgrund seines kräftigen Körperbaus verantwortlich für die schweren Teile. Thorsten Bage besorge die frischen Beläge für die Schnittchen. Palminger pickt die Rosinen: "Ich organisiere die Aftershow-Party, buntes Licht und witzige Musik zum Schwofen." Falsch oder wahr? Sicher ist die Vorkehr zur Sicherheit: "Kein Bier auf die Instrumente stellen. Kein Konfetti direkt ins Gesicht schmeißen", mahnt Palminger.

In jüngster Zeit beteiligt sich Palmin ger auch an Jazz-Projekten. Die Anziehung zum Genre habe sich Wand an Wand zu einem Nachbarn entwickelt, der Saxophon spielte. "Deshalb habe ich ihn verklagt. In dieser Zeit habe ich zu Jazz ein Art Hassliebe aufgebaut." Die Rolle als Musiker scheint seine liebste: "Wenn ich nach der Show nass geschwitzt mit blutigen Stimmbändern in der Garderobe sitze, fühle ich mich sehr wohl." Abseits der Bühne hat er auch Spaß, auch an Irreführung. "Am liebsten gehe ich in den Zoo. Alle um mich herum sind eingesperrt. Nur ich darf frei herum laufen und Eis essen. Sehr privilegiert!", freut er sich und freut sich auch auf die Zeit nach der Tour. "Wir wollen mal zusammen in den Zoo, aber Dickie hat Angst vor den Lamas", petzt Palmin ger. Das Trio trennt einfach nichts mehr so leicht, auch kein Ende einer Tournee. Der Künstler erklärt: "Wir streiten uns oft, aber wir können damit umgehen. Es ist schön, wenn man seine Aggressionen an Menschen auslassen kann, die einem egal sind." Studio Braun präsentiert Fraktus Live: Das Trio kommt am 5. Juni nach Flensburg und am 6. Juni in Kiel. Einlass jeweils ins Max ist jeweils um 19 Uhr, Beginn 20 Uhr. Tickets kosten ab 18 Euro unter (0461) 588120 oder www.mittendrin-gmbh.de

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