Objekte und Zeichnungen : «Fix und Foxi» in Oberhausen: Rolf Kauka und seine Comicwelt

Fix und Foxi Figuren stehen in einem Ausstellungsraum im Ludwigmuseum.
Fix und Foxi Figuren stehen in einem Ausstellungsraum im Ludwigmuseum.

Als Rolf Kauka «Fix und Foxi» erfand, bediente er sich bei niemand Geringerem als Goethe. Später gab er «Asterix und Obelix» in eingedeutschter Form heraus. Eine Ausstellung in Oberhausen zeigt jetzt die Comicwelt des gelernten Drogeriehelfers Kauka.

shz.de von
07. Juni 2018, 15:58 Uhr

Ein «Micky Maus»-Heft von Walt Disney für 75 Pfennig oder ein «Fix und Foxi»-Heft von Rolf Kauka für nur sechs Groschen? Mitte der 1950er Jahre standen nicht wenige Kinder vor dem Kiosk und mussten sich entscheiden.

Viele nahmen den deutschen Comic: Seit 1957 erschien «Fix und Foxi» mit den Abenteuern der schlauen Füchse in einer wöchentlichen Auflage von mehr als 100.000.

Von diesem Sonntag an zeigt das Ludwigmuseum Schloss Oberhausen die Comicwelt von Rolf Kauka (1917-2000). Im Mittelpunkt stehen seine bekanntesten Figuren «Fix und Foxi». Bis 1994 erschienen die Hefte regelmäßig und auch danach gingen die Geschichten weiter - bis in die Gegenwart in einem Fernsehsender.

Der gelernte Drogeriegehilfe Kauka war nach dem Krieg zunächst als Verleger und Publizist tätig, jedoch ohne großen Erfolg. «Nachdem sich kein Projekt so richtig durchsetzen wollte, fasste er den Entschluss, mit Comics Geld zu verdienen», sagt Kuratorin Linda Schmitz. Im Wege stand jedoch deren schlechtes Image. So griff Kauka auf Figuren der deutschen Literaturgeschichte und Sagenwelt zurück: «Seine Magazine sollten einen edukativen Ansatz verfolgen, und so machte er Till Eulenspiegel und Münchhausen zu den wichtigsten Protagonisten.»

In der fünften Ausgabe von «Till Eulenspiegel» treten Fuchs und Wolf als Widersacher auf - damit zitiert Kauka Goethes Epos «Reineke Fuchs». Schon bald entwickelten sich aus diesen anfänglichen Nebenfiguren die Füchse «Fix und Foxi». 1955 wurde das Heft nach ihnen benannt. Aus dem dummen Wolf wurde die Figur «Lupo», später ein Publikumsliebling mit eigenem Jugendmagazin.

Kauka hatte Erfolg. Weitere Figuren traten in den Geschichten hinzu: Die konservative Oma Eusebia, der gemütliche Onkel Fax, der erfinderische Professor Knox und das gewitzte Lupinchen. Kauka verkaufte die Comics nun auch in mehreren Ländern Europas sowie in Mexiko und Brasilien. Weitere Titel mit neuen Charakteren für andere Zielgruppen erschienen: Prima/Primo, Pepito, Super Action oder das Vorschulheft Bussi Bär.

«Wie Walt Disney zeichnet Kauka die Figuren nicht selbst, sondern beschäftigt eine ganze Gruppe von Zeichnern», sagt Ludwiggalerie-Direktorin Christine Vogt. «Er sagt von sich selbst, dass er die Figuren entwerfe und deren Charakter konzipiere. Gleichzeitig dürfe der Leser nicht merken, wenn unterschiedliche Zeichner am Werk sind.»

1964 kaufte Kauka frankobelgische Lizenzserien wie Gaston, Asterix, die Schlümpfe oder Lucky Luke. Sie erschienen etwa in den Lupo-Heften und machten die mittlerweile zu Klassikern gewordenen Geschichten damit erstmals dem deutschen Publikum zugänglich. Die Asterix und Obelix-Geschichten werden allerdings eingedeutscht, was damals nicht unüblich war, wie der Kauka-Experte Martin Budde im Ausstellungskatalog schreibt.

In der ersten abgedruckten Geschichte «Die Goldene Sichel» wurden aus «Siggi» und «Babarras» auf diese Weise zwei unbeugsame Germanen. Doch nicht nur das: «Jede Figur erhält eine Umdeutung, die sich oftmals auf Deutschland und die deutsche Geschichte beziehen lassen», heißt es in der Ausstellung. «Dass jedoch der geldgierige Bösewicht der Sichelschieberbande nun mit jiddischem Akzent spricht, führt zu erheblichen Vorwürfen und bleibt bis heute stark diskutiert.» Budde spricht von «plump populistischem Pseudowitz». Die Asterix-Erfinder Goscinny und Uderzo entzogen Kauka daraufhin die Lizenz.

Die Ausstellung «Fix & Foxi» zeigt insgesamt rund 500 Objekte, darunter mehr als 280 Original-Zeichnungen. Sie ist bis zum 9. September zu sehen.

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