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Green Screen in Eckernförde : Filmfestivalstadt ohne Kino

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Internationale Naturfilmfestival Green Screen in Eckernförde (5. bis 9. September) soll auch im „verflixten siebten Jahr“ ein Erfolg werden. Festivalleiter Gerald Grote erzählt im Interview, wie die Voraussetzungen dafür stehen.

Eckernförde | Herr Grote, das Naturfilmfestival Green Screen findet in diesem Jahr zum siebten Mal statt. Ist irgendetwas verflixt?
Nein, es fühlt sich eher an wie auf Wolke sieben.

Es ist das größte Naturfilmfestival Deutschlands. Haben Sie vor sieben Jahren gedacht, dass es sich so gut entwickeln würde?
Vor dem ersten Festival hatten wir einen Zettel an die Wand geklebt, auf dem stand: „Wir sind die Nummer eins.“ Das war unser Ziel. Ich hatte mir alle Festivals im Land angeschaut und gedacht, dass wir das besser können. Konnten wir dann ja auch: Wir waren schon beim ersten Festival das größte.

Es war aber sicherlich kein leichter Weg bis zu diesem Erfolg?
Das stimmt. Aber durch die vielen Ehrenamtler, die das Festival unterstützen, und die Sponsoren wurde er leichter. Man darf nicht vergessen, dass das Festival von Anfang an gut durch die Medien begleitet wurde. Und durch die Festivaltournee, die durch Schleswig-Holstein gezogen ist, können die Leute landesweit etwas mit dem Begriff Green Screen anfangen.

Green Screen ist in Schleswig-Holstein also bekannt. Und obwohl das Filmfest nicht in einer Metropole wie Hamburg, sondern in der Kleinstadt Eckernförde stattfindet, kommen dennoch Filmemacher aus aller Welt vorbei.
Für die Mitglieder der Naturfilmbranche ist es wichtig, dorthin zu gehen, wo die meisten Kollegen anzutreffen sind – das ist in Deutschland Eckernförde.

Es mangelt also nicht an der Wahrnehmung, aber an einem Kino, das es nach dem Abriss des alten Spielortes derzeit in Eckernförde nicht gibt?
Ja, es gibt keinen adäquaten Abspielort. Wir weichen auf andere Räumlichkeiten aus. Eckernförde ist weltweit – und die Gemeinden wollen ja alle ein Alleinstellungsmerkmal haben – die einzige Filmfestivalstadt ohne Kino. Trotzdem kommen die Leute zu uns. Daran merken wir, wie zugewandt uns die Besucher sind. Ich glaube, es ist völlig egal, wo wir die Filme zeigen. Wir können sie auch in einer Scheune abspielen – diese wäre voll. Aber die Filme barrierefrei gucken zu können, wäre in einem Kino leichter zu bewerkstelligen. Die Gäste verzeihen es uns, dass diese Stadt kein Kino hat, weil wir tolle Filme zeigen. Aber auf Dauer sollten wir darauf wert legen, dass wir wieder ein Kino bekommen.

Die Kino-Situation ist das eine Problem. Das andere ist die Finanzierung des Festivals. Green Screen hatte es von Anfang an schwer, diese auf die Beine zu stellen. Wie sieht es in diesem Jahr aus?
Die Finanzierung ist bei einem Produkt wie einem Festival immer schwer, weil man auf Subventionen angewiesen ist. Durch die Kinoeintrittspreise können wir nicht das Geld verdienen, das wir für Festivalvorbereitung und -durchführung ausgeben. Das ist klar. Wir hatten natürlich, nachdem uns im vorigen Jahr Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) besucht hat, die Hoffnung, dass wir Landesmittel bekommen, aber das ist bis heute leider nicht passiert. Zum Glück haben wir ein paar mehr Sponsoren dazugewonnen. Auf dieser Seite ist das Interesse, uns zu unterstützen, groß. Aber es wäre ganz gut – wenn wir schon so ein Aushängeschild für dieses Bundesland sind –, dass sich die Landesregierung erkenntlich zeigte. Dagegen reißt sich die Stadt Eckernförde ein Bein aus, um uns großzügig zu unterstützen.

Morgen Abend finden vor dem offiziellen Festivalstart die „Eckernförder Gespräche“ statt. Mit Umweltminister Robert Habeck (Grüne) wird dabei über Überdüngung der Ostsee gesprochen. Welche Rolle spielt das Festival bei der Vermittlung von umweltpolitischen Themen?
Ein Naturfilm ist immer Ausgangspunkt für die „Eckernförder Gespräche“, um über umweltpolitische Dinge nachzudenken. Grundlage ist dieses Mal der schwedische Film „Dirty Water“. Wasserqualität ist ein Thema, das uns alle angeht. Erst wird der Film angeschaut, dann wird diskutiert. Ich denke, dass es immer mehr solcher kritischen Filme geben wird. Gerade diese Filme bieten Gesprächsstoff, was wir daran merken, dass auf dem Festival nach diesen Filmen immer Debatten zwischen Zuschauern und anwesenden Naturfilmern stattfinden, die oft länger sind als der Film selbst.

Es gibt also ein großes Interesse der Zuschauer an Naturfilmen?
Ja, das ist ungebrochen. Es ist so, dass zum ersten Mal ältere Leute zu unseren Veranstaltungen kommen, die sonst nicht ins Kino gehen. Manche der Festivalbesucher gucken an einem Tag sechs Filme. Und viele schätzen die Begegnung mit den Filmemachern. Naturfilme sind unglaublich spannend. Auch weil sie eine Wahrheit beinhalten. Die Filme haben mit uns, unserem Leben und unseren Lebensgrundlagen zu tun. Es sind keine Fantasiegeschichten. Dabei kommt jeder ins Nachdenken.

>> Info:Das 7. Internationale Naturfilmfestival Green Screen findet vom 5. bis 9. September in Eckernförde statt. Das Filmfest wird morgen um 20 Uhr mit dem Film „Das Mittelmeer“ eröffnet (Eintritt: 20 Euro). Zuvor wird heute bei den „Eckernförder Gesprächen“ um 19 Uhr in der Galerie 66 über das Thema „Überdüngung der Ostsee“ gesprochen (Eintritt frei). Weitere Infos sind unter www.greenscreen-festival.de zu finden.

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erstellt am 04.Sep.2013 | 08:40 Uhr

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