Von Netflix bis Selfie-Verbot : Filmfestival von Cannes startet – schon jetzt gibt es Kontroversen

<p>Jury-Präsidentin Cate Blanchett posiert in Cannes für die Fotografen. Das 71. Filmfestival sorgte schon vor Beginn für Debatten.</p>

Jury-Präsidentin Cate Blanchett posiert in Cannes für die Fotografen. Das 71. Filmfestival sorgte schon vor Beginn für Debatten.

Das Festival in Cannes sorgt in diesem Jahr schon vorab mit umstrittenen Entscheidungen für Gesprächsstoff.

shz.de von
08. Mai 2018, 18:06 Uhr

Hamburg | Normalerweise macht ein Filmfest mit seinen glamourösen Premieren, kontroversen Beiträgen und Stars auf dem roten Teppich Schlagzeilen. Diesmal sorgten unter anderem organisatorische Entscheidungen des Festivalleiters Thierry Frémaux für Unruhe und teilweise massive Kritik:

Netflix enthält sich

Wegen eines Streits mit Netflix um die Auswertung von Filmen in französischen Kinos zog der Streamingdienst seine möglichen Cannes-Kandidaten zurück. Dazu sollen ein Werk von Oscargewinner Alfonso Cuarón („Gravity“) sowie eine fertig gestellte Satire von Legende Orson Welles gehören – ein herber Verlust für Cannes.

„Enfant terrible“ wieder dabei

Das Filmfestival Cannes freut sich über die Rückkehr des Regisseurs Lars von Trier. Vor sieben Jahren hatte von Trier bei einer Pressekonferenz über seine Herkunft und die deutschen Wurzeln seiner Familie geredet und gesagt „Ich bin ein Nazi“ – einer der größten Skandale in Cannes. Danach war der Däne zur Persona non grata erklärt worden. Nun aber hat das Filmfest das Enfant terrible aus der Verbannung geholt und mit „The house that Jack built“ über einen Serienmörder außer Konkurrenz eingeladen.

Weniger renommierte Gäste

Trotz der langen Gästeliste unterscheidet sich die diesjährige Auswahl allerdings von früheren Jahrgängen: Viele große Arthouse-Regisseure, die bislang Cannes-Stammgäste waren, fehlen. Auch Hollywood-Produktionen sind im Wettbewerb auffallend wenig vertreten – die Jury mit Cate Blanchett und Kristen Stewart wird dort neben „BlacKkKlansman“ nur noch „Under the silver lake“ mit Andrew Garfield („The Amazing Spider-Man“) als US-Beitrag sehen.

 

Telefon-Hotline im Zeichen von #MeToo

Auch die Folgen des Skandals um Hollywood-Mogul Harvey Weinstein werden bei den 71. Filmfestspielen spürbar sein. So wird es eine Telefon-Hotline für Frauen geben, die belästigt oder missbraucht werden, teilte die Festivalleitung über Twitter mit.

Selfies und Vorabvorführungen untersagt

Frémaux will nicht nur ein Selfie-Verbot auf dem roten Teppich durchsetzen, sondern strich auch die bei Festivals sonst üblichen Presse-Vorführungen. Journalisten können Filme so nicht mehr vorab, sondern erst am Abend parallel zu den Premieren sehen. Der 57-Jährige will so verhindern, dass vor den Galas erste Meinungen bei sozialen Medien wie Twitter kursieren.

Diese Maßnahmen sind heftig umstritten: Gegen Streamingdienste, Twitter und Handyfotos anzugehen, wirkt wie das Herbeisehnen längst vergangener Zeiten. Das Filmfest wird in den nächsten Tagen daher auch zeigen müssen, dass es die Zeichen der Zeit erkennt und offen für Neues ist.

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