Ausstellung in Weimar : Fanpost für den Dichterfürsten

Die Locke von Jane Carlyle, 1829 einem Brief an Johann Wolfgang von Goethe beigelegt.
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Die Locke von Jane Carlyle, 1829 einem Brief an Johann Wolfgang von Goethe beigelegt.

Goethe stand mit vielen seiner Zeitgenossen in brieflichem Kontakt. Auch Verehrerinnen überschütteten ihn mit Briefen und Souvenirs, wie eine Ausstellung in Weimar dokumentiert.

shz.de von
18. Januar 2018, 15:21 Uhr

Die Haarlocke einer Verehrerin, Kosakenbrot, Faschingsorden - Fanpost war schon für Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) ein Thema. Den Briefbeigaben an den Dichterfürsten widmet die Klassik Stiftung Weimar eine neue Ausstellung.

Im Goethe- und Schiller-Archiv wird von diesem Freitag an eine Auswahl von mit Souvenirs, literarischen Versuchen und Urkunden bestückten Briefen an den Schöpfer des «Faust» gezeigt. Die Ausstellung zeichne ein in Aspekten bislang unbekanntes Bild Goethes und seiner Zeit, teilte die Stiftung am Donnerstag mit.

Zu sehen sind unter anderem Münzen, Gesteine und Handschriften. Als unermüdlicher Sammler hatte der Universalgelehrte Goethe Münzen aus dem 15. und 16. Jahrhundert erworben oder sich Gesteinsproben schicken lassen. Den preußischen Gelehrten und Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt bat er um Handschriften historischer Persönlichkeiten und berühmter Zeitgenossen. Ausgestellt ist auch ein Privileg Preußens für Goethe gegen den Nachdruck seiner «Ausgabe letzter Hand», dem ein Schreiben von König Friedrich Wilhelm III. folgte. Auch ein Gutachten über den Gesundheitszustand des Dichters im Alter von 56 Jahren ging bei ihm per Brief ein.

Nach Angaben der Stiftung sind insgesamt rund 20 000 Sendungen von 3500 Absendern an Goethe überliefert. Ein großer Teil der Absender habe sich unaufgefordert mit Briefe und Beigaben an den Dichter gewandt und ihm zum Beispiel eigene dichterische Werke und Handzeichnungen geschickt. Eine Goethe-Verehrerin aus Schottland ließ ihm per Post eine Haarlocke zukommen. Aus Dülken im Rheinland erhielt er zwei Faschingsorden. Auch ein Stück Kosakenbrot, das 1818 im russischen Kasan gebacken wurde, gehört zu den in Weimar bis zum 22. Juli gezeigten Kuriositäten.

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