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„Der Freischütz“, „Carmen“ und „Der Vogelhändler“ : Eutiner Festspiele 2016: Neue Hoffnung am grünen Hügel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Freitag starten die Eutiner Festspiele in ihre 66. Saison. Die Veranstalter wollen nach turbulenten Zeiten den Fokus wieder auf die Kunst legen.

Eutin | Picknickkörbe gepackt und, sicher ist sicher, Regencapes und Gummistiefel parat: Es geht wieder los am grünen Hügel in Eutin. Am 24. Juni starten die Festspiele in ihre 66. Saison. Die soll nach wirtschaftlich ruhelosen Jahren das Unternehmen Opernbühne endlich in ruhiges Fahrwasser lenken – und mit einem zuverlässig publikumswirksamen Programm möglichst die 64-prozentige Auslastung des vergangenen Jahres übertreffen. Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“, Keimzelle der Festspiele, und Georges Bizets „Carmen“ hat Intendantin Dominique Caron ins Programm gesetzt, dazu wurde „Der Vogelhändler“ des vergangenen Jahres wieder aufgenommen. Abgerundet wird mit Carl Orffs „Carmina Burana“ und einer „Movie Night“. Mögen die Spiele beginnen.

Insolvenz, Abschied von den Hamburger Symphonikern, Neustart als „Neue Eutiner Festspiele gemeinnützige GmbH“ mit der Wirtschaftsvereinigung Eutin als alleiniger Gesellschafterin, Geschäftsführerwechsel, Intendanzwechsel, die Absage von Generalmusikdirektor Urs-Michael Theus an ein weiteres Engagement. Und dazwischen verregnete Sommer. Leicht hatten es die Eutiner Festspiele wahrhaftig nicht in den vergangenen sechs Jahren; schon davor hatte sich wirtschaftliches Ungemach deutlich mit sinkenden Besucherzahlen angekündigt. Immerhin ist in die künstlerische Leitung 2012 mit Dominique Caron Ruhe eingekehrt, und eine im vergangenen November festgezurrte neue Gesellschafterkonstellation soll unternehmerische Sicherheit schaffen: Mehrheitlich hält die Anteile nun die Cautus Vermögensverwaltergesellschaft, die seit 2012 schon Eigentümerin der Opernscheune ist. Anteilsinhaber sind außerdem zwei Eutiner Geschäftsleute, die die Festspiele schon als Beiratsmitglieder begleitet hatten.

Nun also soll es um das Eigentliche gehen, die Kunst nämlich. Besonders gespannt darf man sein, wie die Intendantin die beiden Neuinszenierungen anpackt. Zuletzt war „Der Freischütz“ 2010 in der lebhaft diskutierten Inszenierung von Kay Kuntze zu sehen, und „Carmen“ hatte Caron selbst erst vor drei Jahren auf die Freilichtbühne geholt.

Überrascht werden die Festspielbesucher zunächst mit ungewohnter Orchesterfülle. Nicht wie sonst nur ein Klangkörper stellt sich in dieser Saison, sondern gleich zwei – und unter bemerkenswerter Leitung. Romely Pfund, die als Dirigentin zu einer weniger als zehnprozentigen weiblichen Minderheit an den Pulten der Musikwelt zählt, führt das Festspielorchester durch den „Freischütz“; Leo Siberski wird an der Spitze des von ihm neu mitgegründeten Kammerphilharmonischen Orchesters „KaPhil!“ sowohl „Carmen“ als auch den „Vogelhändler“ begleiten. Der Name „KaPhil!“ verspricht einiges, Mut zu ungewöhnlichen Aufführungsorten beispielsweise, zu musikalischem Crossover – und zu demokratischen Orchesterstrukturen.

Und apropos „Carmen“: Die komme 2016 neu daher, kündigt Dominique Caron an, mit neuem Team, neuem Bühnenbild und neuem Orchester. Geblieben ist Milana Butaeva in der Titelrolle. Mit gänzlich anderem Personal als 2010, unter anderem nämlich mit Susanne Braunsteffer als Agathe, Daniel Pataky als Max, wartet „Der Freischütz“ auf.

Dass sich die Festspiel-Macher ein zweites Orchester überhaupt leisten können, ist dem Engagement der Sparkasse Holstein zu verdanken, die nach fünf Jahren Abstinenz wieder zu den Eutiner Festspielen zurückgekehrt ist. Deren Vertreter wiederum bekunden den Glauben an die Zukunft der Festspiele. Und die kann man sich wirklich nicht aus der Rosenstadt wegdenken. Nicht mal bei Schietwetter.

Die Termine: Premiere für „Der Freischütz“ ist Fr., 24. Juni, 20 Uhr; fünf weitere Aufführungen folgen. Premiere für „Carmen“ ist am Fr., 8. Juli, 20 Uhr; sechs weitere Aufführungen folgen (öffentliche Generalprobe: 6. Juli, 19 Uhr). „Der Vogelhändler“ ist ab 20. Juli siebenmal zu sehen. www.eutiner-festspiele.de
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erstellt am 22.Jun.2016 | 07:20 Uhr

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