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Programmtipps zum Festjahr : Europas Kulturhauptstadt 2017: Unsere 13 Gründe für einen Besuch in Aarhus

vom
Aus der Onlineredaktion

45 Tage noch bis zum ersten Event in Aarhus. Wir zeigen, welche Chancen man sich 2017 nicht entgehen lassen sollte.

Aarhus | „Let's rethink“ lautet das Motto: Das heimliche intellektuelle Zentrum Dänemarks über seine Rolle als Europäische Kulturhauptstadt 2017 im wahrsten Sinne einen „denkwürdigen“ Eindruck hinterlassen. Man will signalisieren: Hier geht es modern und international zu. Mit 400 zur Hälfte kostenlosen Programmpunkten, 64 Millionen Euro und vielen Programm-Ideen aus einem Netzwerk von mehr als 10.000 beteiligen Menschen hat man großen Aufwand betrieben, um den eigenen Erwartungen – und die sind in Dänemark immer hoch – gerecht zu werden.

Durchgesetzt hatte die Universitätsstadt sich vor vier Jahren im innerdänischen Wettbewerb gegen einen ganz anders gestrickten Kandidaten. Die Bewerbung des ländlichen Grenzlandes um Sonderburg mit den Nachbarn aus dem Raum Flensburg und Nordfriesland konnte bei der Jury seinerzeit nicht punkten. Fast alle Planer der Kulturhauptstadt-Aktionen in Aarhus haben internationale Erfahrung. So bleibt manchem Schleswig-Holsteiner vielleicht ein leichter Beigeschmack oder ein mangelndes „Wir-Gefühl“. Ohne Grund.

Denn die prämierte Stadt an der Ostsee liegt kaum weiter entfernt von Flensburg als beispielsweise Hamburg. Und ohne Unterkunft buchen zu müssen, lässt sich Aarhus' Kulturspektakel auch spontan über eine Tagestour entdecken. Eine Zugfahrt dauert ab Flensburg weniger als 2,5 Stunden, eine Fahrt über die Autobahn E 45 dauert etwa zwei Stunden und selbst die Fernbusse ab Flensburg bringen die Menschen in weniger als drei Stunden ins Zentrum. Am besten lässt sich Aarhus dann zu Fuß bei einem Stadtrundgang erkunden. Das hübsche Zentrum der mit 315.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt des Landes ist ziemlich klein, und alle Sehenswürdigkeiten sind in 30 Minuten Fußweg erreichbar.

Die Inhalte der Events wurzeln in Gaben und Kompetenzen, die speziell Aarhus und Umgebung bieten – und versuchen dann einen Brückenschlag ins Internationale. Von „faszinierenden Kreuzbestäubungen zwischen dem Lokalen und Globalen“ spricht die künstlerische Direktorin Juliana Engberg.


Die Kinderwünsche zuerst

Aarhus gibt sich betont kinderfreundlich. Das erste Wort im besonderen Jahreskalender der Kulturhauptstadt 2017 haben dann auch diejenigen, die das Motto „Let's rethink“ wohl auf natürlichste Weise verkörpern. Am 20. Januar, noch einen Tag vor der offiziellen Eröffnungsgala, artikulieren viele tausend Kinder in Aarhus und anderen Städten Mitteljütlands in Kunstprojekten ihre „Flaschenpost an die Zukunft“, in Wünschen, Hoffnungen und Träumen. Kindergärten, Schulen und andere Institutionen arbeiten mit ihnen schon seit Monaten darauf hin. Den hohen Stellenwert des Nachwuchses im Programm dokumentiert auch ein internationales Kinder-Literatur-Festival im Oktober. Autoren aus ganz Europa sind dazu eingeladen. Im Vorfeld schreiben sie speziell für diesen Anlass.


Einen ersten Rundblick vom ARoS

Foto: Visit Aarhus/Ole Hein Pedersen

Zuerst geht es beim Rundgang zum Kunstmuseum ARoS, auf dessen Dach 2011 der Besucher über die beeindruckende Regenbogen-Installation „Your rainbow panorama“ gleich einmal eindruckvoll vorgeführt bekommt, was ihn oder sie hier erwartet. Von dem dänisch-isländischen Künstler Olafur Eliasson geschaffen, eröffnet der 150 Meter lange, kreisrunde Laufsteg ungewöhnliche Weitblicke über das Häusermeer, den Hafen und die Ostseebucht. Schillernd wie ein Regenbogen sind die intensiven Farben des begehbaren Kunstwerkes. Mit „The Garden – End of Times, Beginning of Times“ wird eine vier Kilometer lange Kunstmeile zwischen der Innenstadt und der Küste erstellt. Darin soll sich spiegeln, wie der Mensch von den ersten Zeiten an die Natur geschildert und verändert hat. Künstler aus zahlreichen Ländern wirken mit. Auch der dänische Star-Architekt Bjarke Ingels ist dabei.


Vorbei an der „Let's rethink“-Architektur

Foto: Imago

Nur ein paar Straßen weiter an der Hafenpromenade wird der Kontrast zwischen Vergangenheit und Zukunft besonders sichtbar. Wo bis um die Jahrtausendwende noch Containerschiffe anlegten, wächst heute in rasantem Tempo das junge Stadtviertel Aarhus Ø (Insel) heran. Altes wird hier neu gedacht – auch das passt zum „Let's rethink“-Motto. Noch beherrschen Baukräne und Bagger die Szenerie, doch in Zukunft soll Ø die Heimat von 7000 Bewohnern sein. In den Wohnkomplex Isbjerget (Eisberg) sind die ersten Familien bereits eingezogen.


Schippern in Beton

Foto: Henning Bagger, dpa
 

Auf dem Wasser der Bucht schippern drei mystische Skulpturboote aus Beton in der Gestalt schöner Frauen. Das Publikum kann an Bord der „Life Boats“ gehen, die von der norwegischen Künstlerin Marit Bente Norheim entworfen wurden und die innen liegenden Installationen der Skulpturen zur Musik des norwegischen Komponisten Geir Johnson erleben.


Wikinger-Epos „Der Rote Wurm“

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Foto: Visit Aarhus

Bereits um das Jahr 770 wurde Aarhus von Wikingern an der Ostsee-Mündung des namensgebenden Flüsschens Å (Au) egründet. Dieses Erbe schlägt sich auch deutlich im Programm wieder. Eine aufwändig inszenierte Open-Air-Inszenierung des Wikinger-Epos „Der Rote Wurm“ soll neben Eröffnungs- und Schluss-Gala eines der „Mega-Events“ werden. Das wohl zu den bekanntesten Wikingergeschichten gehörenden Epos zeigt einen Helden, der dem ersten christlichen dänischen König „Harald Blauzahn“ half, die Macht zu sichern. Von Assoziationen an „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ ist die Rede; und echte Pferde werden traben. Aufgeführt wird das Freilufttheater vom 25. Mai 2017 bis zum 1. Juli 2017 auf dem weitläufigen grünen Dach des in den Berg gebauten naturhistorischen Moesgaard Museums. Tickets für „Røde Orm“ gibt es hier.

Sollten Sie an einem Tag ohne Vorstellung nach Aarhus kommen, lohnt sich das Eintauchen unter die Wikinger-Bühne. Das international gepriesene Moesgaard Museum („MoMu“) im Vorort Højbjerg mit seiner einzigartigen Architektur und seinen spektakulären Ausstellungen zum Erbe der Erde ist schon für sich genommen die Anreise wert. Hier gibt es lebendige Einblicke in die tiefe Vergangenheit: Von der Steinzeit bis zur Wikingerzeit.

Foto: Joachim Dreykluft


Musik auf der Hafen-Leinwand

Das Spektakel macht nicht Halt vor den Grenzen von Aarhus, man will eine Kulturhauptstadt von der Ostsee bis zur Nordsee sein. Auch im Hafen der jütischen Stadt Randers spielt sich am 2. und 3. September unter dem Label „Water Music“ Spektakuläres ab. Der alte Industriehafen und das Wasser an sich werden bei Mondlicht in eine riesige 3D-Projektionsfläche verwandelt, ein neues, visuelles Universum entsteht. 600 Menschen werden bei diesem Musik-Theater auf der riesigen Bühne aktiv sein.


Kulinarisch am Nabel der Zeit

Die kleineren Events des „komplexen Gedankens“ Aarhus2017 sind kaum zu überschauen: Da findet sich etwa ein Event mit Menüs, die auf fatalistischen oder aber optimistischen Umwelt-Prognosen beruhen. Als Teil der Europäischen Gastronomieregion 2017 hat Aarhus eben auch das Thema Ernährung auf dem Teller. Was darf man in Zukunft also noch essen?

Kultur macht unabhängig von dieser Frage hungrig. Bevor der Hunger kommt, geht es daher zur „Street Food Karawane“, die an verschiedenen Plätzen in der Stadt auftauchen wird. Die Karawane ist eine mobile Gemeinschaft von Leuten, die eine ausgeprägte Leidenschaft für Bewirtung, Nachhaltigkeit und gutes Essen voller Geschmack haben. Dort können lokale Lebensmittel aus ganz Dänemark probiert werden und man bekommt auch die dahinterliegende Geschichte erzählt, mitsamt der verbundenen Traditionen. Das „Food Festival“ im September ist ein weiteres Event, bei dem die angesagte nordische Gastronomie im Mittelpunkt steht. „Entdecken Sie im 'Kingdom of Plants' neue Küchenpflanzen, fangen Sie bei 'The Ocean' ihre eigenen Fische oder probieren Sie bei 'Nordic Sips' (Ein Schluck des Nordens) kaltes, nordisches Bier. Nachhaltigkeit, Kochen, Bioanbau und das gute, alte Handwerk gehören zu den Themen des Festivals“, heißt es.


Großes Kino als Musical

<p>Connie Nielsen in einer Szene aus „Unter Brüdern“.</p>

Connie Nielsen in einer Szene aus „Unter Brüdern“.

Foto: Imago United Archives

Als ein weiterer Zuschauer-Magnet gehandelt werden eine Oper, eine Tanzvorstellung und ein Musical in Anlehnung an eine Film-Trilogie der dänischen Oscar-Preisträgerin Susanne Bier („Brothers – zwischen Brüdern“, „Open Hearts“ und „Nach der Hochzeit“). Die Bühnenfassung von „Brothers – zwischen Brüdern“ wird unter der Leitung des Konzerthauses Aarhus gemeinsam mit der Jütländischen Oper und dem Symphonieorchester Aarhus produziert. Ein weiteres Ballett ist nach dem Roman „Three of codes“ des US-Autors Jonathan Safran Foer geplant. Tänzer der Pariser Oper wirken daran mit. Das Bühnenbild steuert der dänisch-isländische Erfolgskünstler Olafur Eliasson bei.


Hauskünstlerin Anohni

Foto: Pressemappe Aarhus 2017

Als Artist-in-Residence hat „Aarhus2017“ aus den USA die Pop-Sängerin Anohni eingeladen. Sie wird sich und ihr Schaffen über das ganze Jahr in verschiedenen künstlerischen Perspektiven präsentieren. Die Transgender-Künstlerin, bekannt geworden als Stimme der Band „Anthony and the Johnsons“, wird am 18. November mit dem Sinfonieorchester im Musikhuset Aarhus auftreten. Eines der großen Highlights im Schlusspurt.


Cate Blanchett spielt sie alle


Foto: imago/ZUMA Press

Noch ein illustrer Name ist Cate Blanchett. Die Australierin wird in dem Film-Projekt „Manifesto“ am 1. März sämtliche 13 Rollen verkörpern, darunter einen Choreographen, einen Puppenspieler, einen Nachrichtensprecher, einen Fabrikarbeiter und einen Obdachlosen. In dem Werk zitiert der deutsche Filmschaffende Julian Rosefeldt Künstler-Manifeste verschiedener Genres. Die auseinandergerissenen Textcollagen werden von Blanchet aufs Neue beseelt.
 

Neue Klangwelten

Angepriesen als Innovation im Bereich der Klangwelten wird das in Aarhus umgesetzte Projekt „Radar“. Es ist eine aus Modulen aufgebaute Bühne,die sich an die jeweiligen Konzerte und Orte anpassen lässt. Das innovative Audiosystem „Audio Canvas“ („Klang-Leinwand“) wurde gemeinsam mit dem Zentrum für fortschrittliche Visualisierung und Interaktion an der Universität Aarhus entwickelt und erstellt eine neuartige Begegnung von Musik, Architektur, Film, Design, Poesie und Technologie.

 

Aarhus in 80 Jahren

Das interaktive Theaterstück der britischen Theatergruppe „Blast Theory“, das auf den Mechanismen sozialer Medien basiert und das Publikum in einen Ort im Jahr 2097 katapultiert, wird für die Zuschauer durch seine Intensität sicher unvergesslich bleiben. Die Spannung eskaliert, sobald das Publikum aufgefordert wird, seine Smartphones zu benutzen, dann gekidnappt wird und sich in unbekannten Welten wiederfinden muss. Dieses internationale Highlight wartet erst ab 30. Oktober 2017 auf die Besucher. Wie der Facebook-Eintrag der Theatergruppe zeigt, hat man die Zeitmaschine minutiös vorbereitet.


Dauerhaft sehenswert

Foto: imago/robertharding

Nun fehlt noch ein Abstecher ins Museum Den Gamle By („die alte Stadt“). Dutzende wiedererrichtete Bauwerke aus ganz Dänemark - Wohnhäuser, Werkstätten, Geschäfte vom 16. bis zum 19. Jahrhundert - bilden eine kleine Stadt inmitten der Stadt. Auch noch, wenn 2017 vorüber ist.

Die meisten Veranstaltungen finden zwischen Mai und Oktober statt. Das gesamte Programm finden Sie in deutscher Sprache auf der offiziellen Aarhus2017-Website.

(mit dpa)

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erstellt am 05.Dez.2016 | 15:57 Uhr

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