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Eurovision Song Contest 2017 : ESC-Wissen kompakt: Die Nominierten, Verlierer und Levinas Chancen

vom

Am 13. Mai wird wird beim ESC gewetteifert: Deutschland steht garantiert im Finale.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2017 | 10:15 Uhr

Kiew | Wenn sich die Fans des Eurovision Song Contests (ESC) vor dem Fernseher oder beim Public Viewing treffen, wird gewiss viel über die Teilnehmer hergezogen: Haarfarbe, tänzerisches Können, Stimme, Punktegeschiebe. shz.de stimmt auf das Event ein:

 

Wann ist der Eurovision Song Contest?

Das erste ESC-Halbfinale in Kiew findet am Dienstag, 9. Mai, um 21 Uhr (MEZ) statt, das zweite ist am Donnerstag, 11. Mai, um 21 Uhr. Beide werden live im Fernsehen bei ONE und im Internet bei eurovision.de im Livestream übertragen. 18 Länder stehen im Halbfinale, zehn haben die Chance sich für das Finale am 13. Mai zu qualifizieren. Moderiert wird die Sendung von Timur Miroshnychenko, Volodymyr Ostapchuk und Oleksandr Skichko.

Wo findet der Wettbewerb statt?

 Die Fans des Wettbewerbs müssen 2017 nach Kiew reisen. Der ESC findet dort in diesem Jahr statt, da die urkrainische Sängerin Jamala 2016 Jury und Zuschauer überzeugte. Bereits 2005 war der Grand Prix zu Gast in der Ukraine, nachdem Ruslana im Vorjahr in Istanbul den Contest gewann.

Die Vorbereitung für das Ereignis laufen auf Hochtouren: Umgerechnet 30 Millionen Euro soll das Spektakel das finanziell angeschlagene Land insgesamt kosten. Aus der Stadtkasse steuert Bürgermeister Vitali Klitschko knapp 5,8 Millionen Euro bei, 16 Millionen kommen vom Staat. Der Rest soll von Sponsoren und über die Kartenverkäufe beglichen werden. Die Stadt will besonders das Zentrum um den Maidan genannten Platz der Unabhängigkeit verschönern, der Teil der Fanzone sein soll.

Die während der gewaltsamen Proteste im Winter 2013/2014 in Mitleidenschaft gezogenen und wieder hergerichteten Springbrunnenanlagen sollen mit Wasserfontänen, Lichteffekten und Musik begeistern. Der Bogen der Völkerfreundschaft am Flussufer soll in den Farben des Regenbogens präsentiert werden. Nationalisten versuchten, die Vorbereitungen jedoch zu verhindern, steht die bunte Fahne doch für die Freiheit von Schwulen und Lesben. Neuer Asphalt wurde verlegt, frische Grünflächen wurden angepflanzt und eine Bauruine verschleiert.

Wer ist die deutsche Kanditatin Levina?

Geboren wurde Levina im rheinischen Bonn, aufgewachsen ist sie im sächsischen Chemnitz. Der Umzug hing mit der Arbeit der Eltern zusammen, die selbst zwar keine professionellen Musiker sind, allerdings Instrumente spielen und mit der Szene keinesfalls fremdeln. Ihr Vater- in der IT-Branche tätig - kenne sich bestens aus, sagte Levina kürzlich in einem Interview der „Berliner Zeitung“. „Der weiß immer genau, wer jetzt gerade wo welchen Plattenvertrag gekriegt hat.“ Ihre Eltern waren es auch, die ihr zum Bühnen-Namen Levina verhalfen. Er steht schon von Geburt an in ihrem Pass - inspiriert von einem Kindermädchen, das mit Nachnamen Levin hieß. Zuletzt pendelte die Sängerin oft zwischen zwei Wohnorten: Berlin und London, wo sie Musikmanagement studiert. Nach England war sie über einen Auslandsaufenthalt während der Schule gekommen, später studierte sie dort Gesang und Komposition. „Eigentlich wollte ich da auch gar nicht so lange bleiben“, sagt Levina. „Aber dann war ich dort und habe Bands gegründet. Wir sind viel aufgetreten und ich bin einfach dort geblieben.“ Ihr Publikum bestand daher bis vor einigen Monaten vor allem aus den Gästen der Bars, in denen sie auftrat. Als sie beim deutschen ESC-Casting auftauchte, strahlte sie dennoch eine große Selbstverständlichkeit aus. Ihr ESC-Ziel: das obere Drittel. Sie tritt mit dem Titel Perfect Life an.

Wer sind die Nominierten 2017?

Erstes Halbfinale:

Schweden: Robin Bengtsson „I Can't Go On“
Georgien: Tako Gachechiladze „Keep The Faith“
Australien: Isaiah „Don't Come Easy“
Albanien: Lindita Halimi „World“
Belgien: Blanche „City Lights“
Montenegro: Slavko Kalezic „Space“
Finnland: Norma John „Blackbird“
Aserbaidschan: Dihaj „Skeletons“
Portugal: Salvador Sobral „Amor Pelos Dois“
Griechenland: Demy „This Is Love“
Polen: Kasia Moś „Flashlight“
Moldau: SunStroke Project „Hey, Mamma!“
Island: Svala „Paper“
Tschechische Republik: Martina Bárta „My Turn“
Zypern: Hovig Demirjian „Gravity“
Armenien: Artsvik „Fly With Me“
Slowenien: Omar Naber „On My Way“
Lettland: Triana Park „Line“

 

Zweites Halbfinale:

Serbien: Tijana Bogicevic „In Too Deep“
Österreich: Nathan Trent „Running On Air“
Mazedonien: Jana Burčeska „Dance Alone“
Malta: Claudia Faniello „Breathlessly“
Rumänien: Ilinca feat. Alex Florea „Yodel It!“
Niederlande: O'G3NE „Lights And Shadows“
Ungarn: Joci Pápai „Origo“
Dänemark: Anja Nissen „Where I Am“
Irland: Brendan Murray „Dying To Try“
San Marino: Valentina Monetta & Jimmie Wilson „Spirit Of The Night“
Kroatien: Jacques Houdek „My Friend“
Norwegen: Jowst „Grab The Moment“
Schweiz: Timebelle „Apollo“
Weißrussland: Naviband „Story Of My Life“
Bulgarien: Kristian Kostov „Beautiful Mess“
Litauen: Fusedmarc „Rain Of Revolution“
Estland: Koit Toome & Laura „Verona“
Israel: Imri Ziv „I Feel Alive“

 

Fix im Finale:

 

Deutschland: Levina „Perfect Life“


Frankreich: Alma „Requiem“


Großbritannien (UK): Lucie Jones „Never Give Up On You“


Italien: Francesco Gabbani „Occidentali's Karma“


Spanien: Manel Navarro „Do It For Your Lover“


Ukraine: O. Torvald „Time“

 

Wer hatte für Deutschland bisher die beste Platzierung?

Die Gewinner:

1982: holte Nicole den ersten deutschen Sieg beim Grand Prix. Im englischen Harrogate gewann sie mit der Ralph-Siegel-Komposition „Ein bißchen Frieden“.

2010: sammelte Lena beim Finale in Oslo mit „Satellite“ die meisten Punkte ein.

 

Zweite Plätze

1980: Katja Ebstein mit „Theater“ in Den Haag

1981: Lena Valaitis mit „Johnny Blue“ in Dublin

1985: Wind mit „Für alle“ in Göteborg

1987: Wind mit „Laß die Sonne in Dein Herz“ in Brüssel

 

Rang drei:

1970: Katja Ebstein mit „Wunder gibt es immer wieder“ in Amsterdam

1971: Katja Ebstein mit „Diese Welt“ in Dublin

1972: Mary Roos mit „Nur die Liebe läßt uns leben“ in Edinburgh

1994: MeKaDo „Wir geben 'ne Party“ in Dublin

1999: Sürpriz „Reise nach Jerusalem - Küdüs'e seyahat“ in Jerusalem

Was waren die größten deutschen Flops?

2005: Gracia holte mit „Run & Hide“ in Kiew vier Punkte.

1974 Cindy & Bert schafften mit „Die Sommermelodie“ in Brighton drei Punkte.

1995: Stone & Stone bekamen mit „Verliebt in Dich“ in Dublin einen Punkt.

1964: Nora Nova blieb mit „Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne“ in Kopenhagen bei null Punkten.

1965: Ulla Wiesner bekam mit „Paradies, wo bist du?“ in Neapel null Punkte.

2015: Ann Sophie landete mit „Black Smoke“ in Wien mit null Punkten auf dem letzten Platz.

2016: Der zweite letzte Platz in Folge: Jamie-Lee scheitert mit „Ghost“. Immerhin: Das Lied bekommt elf Punkte.

Hat Deutschland das Finale bereits einmal komplett verpasst?

Wie wäre wohl Leons Eurodisco-Stampfer „Blauer Planet“ vor dem internationalen ESC-Publikum angekommen? Man wird es nie erfahren. 1996 wollen 30 Länder ihre Kandidaten nach Oslo schicken, aber 23 Plätze sind nur zu vergeben. Eine Jury entscheidet, dass auch der Sieger des deutschen Vorentscheids zu denen gehört, die nicht ins Finale kommen. Deutschland ist erstmals draußen. Um das künftig zu verhindern, entscheidet die Europäischen Rundfunkunion EBU später: Die größten Geldgeber, darunter Deutschland, sind immer fürs Finale gesetzt.

Bei Lena scheiterte der Heimsieg, ist er einem andern Künstler bereits gelungen?

Oslo-Gewinnerin Lena versucht es mit „Taken By A Stranger“ 2011 in Düsseldorf, kann den Titel aber nicht in Deutschland halten. Sechs anderen ist ein Heimsieg jedoch schon geglückt: So holt zum Beispiel gleich beim ersten Grand Prix 1956 in Lugano die Schweizerin Lys Assia mit „Refrain“ den Sieg. 13 Jahre später singt Salomé mit „Vivo cantando“ ihre Heimat Spanien in Madrid auf Platz eins. 1973 schafft das auch die Luxemburgerin Anne-Marie David mit „Tu te reconnaîtras“. Oder Gali Atari mit der Band Milk and Honey, die sich in Jerusalem 1979 mit „Halleluja“ durchsetzt.

Weil Irland ihren Heimvorteil gleich zweimal nutzen kann, trägt sie den ESC dreimal nacheinander aus: 1993, 1994, 1995. Den Startschuss gibt Linda Martin in Schweden, als sie 1992 mit „Why Me?“ in Malmö den Sieg holt. Danach gewinnen Niamh Kavanagh („In Your Eyes“) in Millstreet und im Jahr darauf Paul Harrington und Charlie McGettigan („Rock'n'Roll Kids“) in Dublin. Erst 1995 bricht das norwegische New-Age-Duo Secret Garden („Nocturne“) in Dublin die Siegesserie - nur um ein Jahr später in Oslo den Titel wieder an Irland abzugeben: an Eimear Quinn mit „The Voice“. Die Insel ist mit sieben Siegen das bislang erfolgreichste ESC-Land - vor Schweden.

Wer hat in den vergangenen Jahren den Sieg errungen?

2016: Ukraine: Jamala („1944“)

2015: Schwerden: Måns Zelmerlöw („Heroes“)

2014: Österreich: Conchita Wurst („Rise Like A Phoenix“)

2013: Dänemark: Emmelie de Forest („Only Teardrops“)

2012: Schwerden: Loreen („Euphoria“)

2011: Aserbaidschan: Ell & Nikki („Running Scared“)

2010: Deutschland: Lena („Satellite“)

2009: Norwegen: Alexander Rybak („Fairytale“)

2008: Russland: Dima Bilan („Believe“)

2007: Serbien: Marija Serifovic („Molitva“)

2006: Finnland: Lordi („Hard Rock Hallelujah“)

2005: Griechenland: Helena Paparizou („My Number One“)

2004: Ukraine: Ruslana („Wild Dances“)

2003: Türkei: Sertab Erener („Everyway That I Can“)

2002: Lettland: Marie N („I Wanna“)

2001: Estland: Tanel Padar & Dave Benton („Everybody“)

2000: Dänemark: Olsen Brothers („Fly On The Wings Of Love“)

Wer hat den Sieg am häufigsten knapp verfehlt?

Sage und schreibe fünfzehn Mal musste sich Großbritannien bisher mit dem zweiten Platz zufrieden geben - zuletzt 1998 mit Imaanis „Where Are You“ in Birmingham. Zweimal (1968 und 1988) haben die Briten sogar nur mit einem Punkt Abstand das Nachsehen. Kein anderes Land kommt in der ESC-Geschichte annähernd so oft auf diesen undankbaren Rang. Das Königreich steht allerdings als dritterfolgreichste Nation auch fünfmal ganz oben auf dem Treppchen. Seit 2010 verpassen die Briten aber stets die Top Ten - trotz solcher Zugpferde wie Bonnie Tyler, Engelbert oder die Boyband Blue.

Ralph Siegel und der ESC: Wie oft war er schon dabei?

Ja, 2017 ist auch er wieder dabei: Ralph Siegel, der Nicole „Ein bisschen Frieden“ auf den Leib schneiderte und damit 1982 das Siegerlied im britischen Harrogate komponierte, schickt diesmal seinen 25. Beitrag zum ESC. Valentina Monetta und Jimmie Wilson aus San Marino gehen mit dem Song „Spirit Of The Night“ in Kiew an den Start. Erstmals war Mr. Grand Prix mit seinem „Bye Bye, I Love You“ (gesungen von Ireen Sheer für Luxemburg) 1974 dabei, danach folgten 14 Songs für Deutschland wie etwa „Theater“ (Katja Ebstein, 1980) oder „Johnny Blue“ (Lena Valaitis, 1981). Seit 2004 komponiert der heute 71-Jährige für Teilnehmer aus anderen Ländern.

Peter Urban und der ESC: Gab es überhaupt eine Show, die er nicht moderierte?

Seit 20 Jahren kommentiert Peter Urban die Show:  Ob Klamauk mit Guildo Horn und Stefan Raab, der Triumph von Lena oder die letzten Plätze für Ann Sophie und Jamie-Lee - für das deutsche TV-Publikum war er dabei.

Als Peter Urban zum ersten Mal beim Eurovision Song Contest (ESC) für das deutsche Fernsehen hinter dem Mikrofon sitzt, ist Ralph Siegel bereits zum wiederholten Mal am Start. Dessen Schützling Bianca Shomburg landet am Ende auf Platz 18.

Es ist die Zeit, als noch vom Grand Prix Eurovision de la Chanson die Rede ist. Das Jahr nach dem ersten Finale ohne Deutschland, weil Leons „Blauer Planet“ 1996 eine Vorauswahl nicht überstand. Innerhalb der ARD ist seit mehr als einem Jahr der Norddeutsche Rundfunk (NDR) verantwortlich für die Show und dessen Musikexperte Urban gibt in Irland seinen Einstand. „Als ich 1997 nach Dublin flog, war für den Sender nur noch der verantwortliche Redakteur dabei, sonst niemand“, erinnert sich der heute 69-Jährige an jene Zeit, bevor die ESC-Auftritte von Guildo Horn (1998) und Stefan Raab (2000) Schlagzeilen und Einschaltquoten lieferten. „Der ESC-Kosmos ist im Laufe der Jahre so viel größer geworden“, sagt er. „Heute reist ein Team aus Fernsehleuten, Online- und Radioreportern und Filmteams mit - und das ist bei allen Ländern so.“

Welche außereuropäische Staaten waren schon dabei?

Australien oder Aserbaidschan - der ESC macht an den Grenzen Europas nicht halt. Das bisher einzige afrikanische Land ist 1980 dabei: Marokko schickt die Sängerin Samira mit „Bitakat hob“ nach Den Haag. Der Grund: Israel sagte die Austragung des Grand Prix ab, weil am selben Tag der Holocaust-Gedenktag in dem Land begangen wird. Die Niederlande springen ein, und das nordafrikanische Land, das Israel nicht als Staat anerkennt, nutzt die Gelegenheit - jedoch mit mäßigem Erfolg: Platz 18 von 19 für Samira. Weil Israel danach wieder dabei ist, bleiben seither arabische Staaten dem ESC fern.

(mit dpa)

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