Eurovision Song Contest 2015 : ESC: Warum hat Ann Sophie nur null Punkte bekommen?

Es war eine bombastische Show - und eine Niederlage für Deutschland: Beim Eurovision Song Contest 2015 hat Deutschland null Punkte bekommen. Das Wichtigste zum Abend im Überblick.

shz.de von
24. Mai 2015, 13:15 Uhr

Wien | Deutschland ist beim Eurovision Song Contest 2015 auf dem letzten Platz gelandet. Woran hat es gelegen? Und hat sich die Show, die fast vier Stunden dauerte, insgesamt gelohnt? Einige Fragen und Antworten im Überblick.

Null Punkte für Deutschland - was ist passiert?

Deutschland bekam das erste Mal seit 50 Jahren keinen einzigen Punkt - und landete gemeinsam mit Österreich auf dem letzten Platz. Sängerin Ann Sophie steckte die Niederlage mit einem Lächeln weg. „Es hat trotzdem super viel Spaß gemacht“, sagte die 24-Jährige. Bewundernswert, ihr Optimismus. Für Deutschland eher ein Debakel.

Woran hat es gelegen?

Schwer zu sagen. Trotz der Null Punkte sieht das ESC-Urgestein Peter Urban keine Schuld bei Ann Sophie: „Die Favoriten haben alle Stimmen abgesahnt und deswegen war für sie leider nichts mehr übrig.“

Eigentlich meisterte Ann Sophie ihren Auftritt trotz Erkältung gut. Im hautengen, schwarzen Anzug sang sie ihren Song „Black Smoke“. Hinter ihr stiegen auf der gewaltigen Videoleinwand Bilder von Rauch auf.

Als Favorit galt Deutschland auch bei den Buchmachern nicht. Vielleicht lag es am Lied? Oder an der starken Konkurrenz? Sicher sagen lässt sich das nicht.

Wie gut ist der Gewinner Schweden?

„Heroes“ (Helden) von Sänger Måns Zelmerlöw ist eine Ohrwurm-Pophymne. Eindrucksvoller als das Lied war aber wohl die Bühnenshow: Der 28-jährige Sänger in glänzender Lederhose ließ auf der schwarzen Videoleinwand weiße Strichmännchen, Lichter und andere visuelle Effekte aufsteigen. Ziemlich einzigartig. Schweden trägt damit 2016 zum sechsten Mal den Musikwettbewerb aus.

Wie ist die Stimmung in Schweden nach dem ESC-Erfolg?

Musikfans in Schweden feiern Måns Zelmerlöw für seinen Sieg beim Eurovision Song Contest (ESC) wie einen Helden. In Stockholm strömten in der Nacht zum Sonntag hunderte Fans auf die Straße, tanzen und sangen den Siegertitel „Heroes“. Andere fuhren in Autokorsos durch die Stadt und schwenkten die schwedische Flagge.

„Phänomenal, talentiert, wunderschön - ein verdienter Sieg“, schrieb ein Fan auf Twitter. Die schwedische EU-Ministerin Cecilia Malmström postete: „Herzlichen Glückwunsch, Måns! Was für ein Held.“ Ex-Außenminister Carl Bildt meinte: „Nun müssen wir anerkennen, dass Schweden eine Supermacht in Sachen Musik ist.“ Zelmerlöw zeigte sich überwältigt von der Menge an Glückwünschen.„Ich habe bis zu 500 SMS bekommen“, sagte er nach vier Stunden Schlaf am Sonntagmorgen dem schwedischen Sender TV4. „Ich bin unglaublich stolz auf unsere ganze Gang hier.“   

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven versprach dem 28-jährigen Grand-Prix-Gewinner auf Facebook, er werde ihn am Montag anrufen und gratulieren. Dann wird für Zelmerlöw in seiner Heimatstadt Lund der rote Teppich ausgerollt. Um 18 Uhr will die Stadt dem Musiker einen großen Empfang auf dem Marktplatz bereiten.

Es ist das sechste Mal, dass Schweden den ESC gewonnen hat, zuletzt vor drei Jahren mit der Sängerin Laureen. Die Chefin des schwedischen Rundfunks SVT, Hanna Stjärne, freut sich, die Show 2016 wieder auszurichten. In welcher Stadt der ESC stattfinden soll, ließ sie offen.„Es ist unglaublich. Mein Leben lang habe ich vom ESC geträumt“, hatte der überglückliche Schwede nach seinem Sieg Samstagnacht gesagt. Zweimal hatte er zuvor an Vorentscheiden zum ESC teilgenommen, beim dritten Anlauf durfte er sein Land beim Song Contest vertreten. Sein Song „Heroes“ beschreibt seine eigene Kindheit: Demnach wurde er zum gemobbten Außenseiter und mit Hilfe eines neuen Jungen in der Klasse wieder in die Gemeinschaft aufgenommen.

Måns Zelmerlöw war als einer der Favoriten in den Wettbewerb gestartet. Wegen einer Bemerkung über Homosexuelle war der Schwede kurzzeitig in die Kritik geraten. In einer TV-Kochshow, in der Zelmerlöw zu Gast war, hatte er zu viel Alkohol getrunken und gesagt, Homosexualität sei eine Abweichung. Später hatte sich der Musiker für seine Bemerkung entschuldigt.

Wie war die Show in Wien insgesamt?

Unterhaltsam, aber nicht spektakulärer als andere ESC-Shows. Pop, Trommler, Folklore, Swing, Klassik oder Electro-Nummern - musikalisch war in fast vier Stunden so gut wie alles dabei. Ein irrer Mix. Die bärtige Dragqueen Conchita Wurst schwebte zu Beginn durch die Halle.

Der Percussionist Martin Grubinger ließ es in der Abstimmungsphase krachen. Wenn man auf Lichteffekte und Popmusik steht, funktioniert das Konzept. Für Fans von Tiefgang war es nichts.

Wer legte den peinlichsten Auftritt hin?

Man muss ehrlich sagen: Absolute Totalausfälle blieben diesmal aus. Merkwürdig wirkten vielleicht die Kopfhörer der slowenischen Kandidatin Maraaya, neben der auch eine Frau wild auf einer Luftgeige herumfuchtelte. Georgien trat mit einer Art Gothic-Krieger-Prinzessin auf. Und beim Auftritt von Aserbaidschan erinnerte ein Tanzpaar an Eiskunstlauf auf dem Trockenen. Eindrucksvoll war die schwergewichtige Sängerin aus Serbien: „Beauty Never Lies“.

Wie haben die deutschen Zuschauer abgestimmt?

Twelve Points go to - Russia! Deutschland gab der Sängerin Polina Gagarina die höchste Punktzahl 12. Barbara Schöneberger präsentierte das Ergebnis von Hamburg aus: 10 Punkte gingen an den späteren Sieger Schweden, 8 Punkte an Belgien. Der deutsche Favorit Russland lag auch in der Gesamtwertung lange vorne, landete aber auf Platz zwei.

Wie hat sich Österreich als Gastgeber geschlagen?

Bei der Generalprobe gab es technische Probleme, am Ende lief es aber weitgehend glatt. Nur bei der Punktevergabe klappte ab und zu eine Schalte nicht. Die Moderatorinnen Arabella Kiesbauer, Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler passten zwar optisch zusammen, wirkten aber nicht total harmonisch. Die Österreicher ließen aber eine Bühne mit Brückensymbolik bauen und hatten ein computergesteuertes Kugelballett über den Köpfen der Zuschauer installiert - mit einer spektakulären Lichtshow sorgten sie für gute Fernsehbilder.

 
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