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Kunst : Ernst Barlach: Krieg und Tod waren seine Themen

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Dass Ernst Barlach Bildhauer wurde, hat die Kunstwelt dem Zufall zu verdanken. Seine Mutter habe einmal «mit seltener Überzeugung» gegen ihn geäußert: «Du hast keinen Farbensinn!», berichtete Barlach 1916 seinem Güstrower Freund, dem Lehrer, Zeichner und Dichter Friedrich Schult.

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erstellt am 23.Okt.2013 | 07:47 Uhr

Und da an der Gewerbeschule Hamburg, in die Barlach 1888 eintrat, um Zeichenlehrer zu werden, nur wenige Schüler in der Bildhauer-Klasse waren, habe er sich zu dieser Ausbildung überreden lassen.

Als Barlach vor 75 Jahren, am 24. Oktober 1938, in Rostock nach einem Herzinfarkt starb, hinterließ der expressionistische Künstler ein Werk von mehreren hundert Plastiken, 2500 Zeichnungen und 10 000 Skizzen. Die Nazis hatten ihn 1937 mit einem Ausstellungsverbot belegt und mehr als 400 seiner Werke als «entartet» aus den Museen entfernt. Einige seiner Plastiken wurden zerstört, darunter das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges im mecklenburgischen Güstrow. 1952 wurde der «Schwebende» neu gegossen.

Das Gros von Barlachs Nachlass befindet sich in seinem Atelierhaus am Inselsee in Güstrow, wie die wissenschaftliche Mitarbeiterin der dort ansässigen Ernst-Barlach-Stiftung, Helga Thieme, sagt. «Die Sammlung umfasst 450 Plastiken, mehr als 2000 Zeichnungen sowie rund 100 Skizzenbücher und Druckgrafiken.» 1910 zog es den 1870 in Wedel (Schleswig-Holstein) geborenen Künstler nach Stationen in Paris, Berlin, Russland und Florenz endgültig nach Norddeutschland zurück.

Mit seiner Mutter und seinem Sohn ließ er sich in Güstrow nieder, wo seine Hauptwerke entstanden. Später lebte er dort mit seiner Gefährtin Marga Böhmer (1887-1969), die 1924 erstmals mit ihrem damaligen Ehemann Bernhard A. Böhmer, dem Kunsthändler und späteren Sekretär Barlachs, nach Güstrow gekommen war.

Barlachs erste bedeutende Plastik war die «Krautpflückerin» (1894), die Abschlussarbeit seines Studiums der Bildhauerei in Dresden. Auch hatte er dort bereits mit dem Schreiben begonnen. So machte sich Barlach als Dramatiker einen Namen, verfasste Stücke wie «Der tote Tag» oder «Der arme Vetter», die er auch illustrierte, wie Thieme berichtete. Seine Plastiken, darunter mehrere Ehrenmale, stehen in Güstrow, Köln, Kiel, Magdeburg, Lübeck und Hamburg.

Jetzt erscheint ein neues Werkverzeichnis der Zeichnungen und Skizzen Barlachs, das am 10. November in Güstrow vorgestellt werden soll. Noch bis zum 24. November ist dort die Ausstellung «Verfemt - verfolgt - beschlagnahmt» zu sehen. Sie zeigt 50 Arbeiten aus dem Nachlass des Kunsthändlers Böhmer, der während des Nationalsozialismus autorisiert war, «entartete Kunst» gegen Devisen ins Ausland zu verkaufen. Einige der Werke lagerten in Barlachs Atelierhaus, wie der Direktor der Barlach-Stiftung, Volker Probst, sagt. Dieses Konvolut umfasse heute 603 Werke - Gemälde, Plastiken, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken.

«Barlach ist als ernster, tragischer Künstler im Bewusstsein der Öffentlichkeit», sagt Thieme. Nach seinen Erlebnissen im Ersten Weltkrieg habe er sich viel mit den Themen Krieg und Tod beschäftigt. «Dabei hat er in der Tragik auch viel Humorvolles, Heiteres dargestellt», sagt die Germanistin. Sie bereitet eine Ausstellung für das Frühjahr 2014 vor, die sich mit Barlach und der Musik beschäftigt. Es gebe etliche Werke dazu. Angefangen vom Prosatext «Die Fidel» (1897), den Barlach in Paris schrieb, bis hin zu Plastiken wie «Der singende Mann», «Der Flötenspieler», mehrere Darstellungen von Geigern, singenden Frauen oder der Fries der Lauschenden mit acht Figuren.

Zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges 2014 plant die Barlach-Stiftung mit anderen Bildhauermuseen in Deutschland eine Ringausstellung. Probst zufolge soll sie am Beispiel Barlachs zeigen, wie ein führender Künstler der Moderne nach anfänglicher Kriegsbegeisterung zu einem Gegner von Krieg und Gewalt wurde.

Ernst Barlach Stiftung

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