Föhr : Eine Kunstsammlung für die Insel

Dr.  Thorsten Sadowsky möchte Welt-Kunst und Dorfleben vereinen.  Fotos: Nagar
1 von 7
Dr. Thorsten Sadowsky möchte Welt-Kunst und Dorfleben vereinen. Fotos: Nagar

Fast 400 Kunstwerke zum Thema Nordsee hat der Unternehmer Frederik Paulsen zusammengetragen. Jetzt kommt die Sammlung nach Föhr, in das neue Museum "Kunst der Westküste".

von
24. Juni 2009, 06:12 Uhr

Alkersum | Das blütenweiße Hemd schlabbert über der lässigen Bluejeans, das Nadelstreifenjacket hat er nonchalant über die Schulter geworfen. Dr. Thorsten Sadowsky sieht an dem Sommertag aus, wie ein Bronsnanscher Bond im Freizeitlook. Es weht kein Wind über seine neue Wahlheimat Föhr, die Nachmittagssonne zeichnet nur wenig Schatten an seinem Arbeitsplatz - dem werdenden Touristenmagneten der Insel.
Doch Sadowsky lässt sich nicht stören von der Hitze. Ist er doch seit etwa drei Monaten der Mann, der die verträumte Nordseeinsel mithilfe der Ferring Stiftung international machen soll - mit dem geplanten Museum "Kunst der Westküste". Werke von Weltrang werden dann im Dorf Alkersum zu sehen sein, das vor der Eröffnung des Museumscafés "Grethjens Gasthof" nicht einmal einen Dorfkrug hatte. Edvard Munch, Emil Nolde, Max Liebermann und Max Beckmann - die Sammlung des Unternehmers Frederik Paulsen junior, bisher verteilt auf verschiedene Museen, wird auf der Insel ein neues Zuhause finden.
Noch ist alles im Rohbau, lediglich das Café hat schon eröffnet.
"Ich möchte mit den großen Museen in Europa in Kontakt treten", hat Sadowsky sich vorgenommen. Im Austausch sollen dann weitere Werke in Wechselausstellungen hinzukommen. Noch ist alles im Rohbau, lediglich das Café hat schon eröffnet. Doch Sadowsky hat Pläne. "Grethjens Gasthof soll einmal die Dorfgaststätte werden", sagt er. Offen für Feiern von der Taufe bis zur Beerdigung und offen für die Gemeindesitzungen. In einem Nebengebäude soll endlich ein wichtiges Stück Föhr wieder nach Hause kommen: Das Inselarchiv ist aus Platzgründen bisher in Husum untergebracht.
Das Herzstück des Museums wird im Herbst auf die Insel kommen, wenn die Farbe im unterirdischen Magazin getrocknet ist: Die Kunstsammlung des Dr. Frederik Paulsen junior vom Pharma-Unternehmen Ferring. Seit etwa acht Jahren sammelt Paulsen vor allem Gemälde von 1830 bis 1930, die die Nordsee thematisieren. "Von Bergen in Holland bis Bergen in Norwegen", erklärt Sadowsky. Ein Jahrhundert am Meer. Da sind die zwei Reiter am Strand von Max Liebermann, da sind die Badeorte in Holland, die in Zeiten der Industriealisierung bei Städtern immer beliebter werden. Und da sind die traditionell gekleideten Friesinnen, die die Föhrer Inselmaler wie Otto Heinrich Engel inspiriert haben. Fast 400 Werke umfasst die Sammlung. Dementsprechend groß wird der neue Museumskomplex. Neben dem Haupthaus mit dem Gasthof, steht ein großes Reethaus, angelehnt an eine friesische Scheune, daneben zwei blockhafte kleinere Ausstellungshäuser und alte Backsteinhäuser. Das neue Museum schmiegt sich in das Dorf.
Doch was macht Kunst von Weltrang im verschlafenen Alkersum? Es ist ein 100 Jahre alter Kreis, der sich mit der Eröffnung des Museums im kommenden Sommer schließt. Vor dann genau 100 Jahren wurde Paulsens Vater Frederik Paulsen senior geboren. Zwar nicht auf Föhr, aber in Dagebüll, von wo aus die Fähren zur Insel fahren. Seiner Kindheit in Inselnähe, am Umschlagsplatz der Föhrer und Touristen, zollte der Mediziner später Tribut, als er sein Pharma-Unternehmen in Schweden gründete: Ferring nannte er es. So wie die Föhrer sich selbst in ihrem Inselfriesisch bezeichnen. Den Vater hatte die Insel zeitlebens nicht losgelassen. Jetzt führt der Sohn mit der Stiftung die Tradition weiter. Eine friesische Tradition - von Weltrang.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen