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Kultur

14. Dezember 2017 | 06:11 Uhr

Eine Insel mit zwei Meeren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Von allen Fleckchen Erde auf dieser Welt, sind es wohl die Inseln, die den Menschen am meisten faszinieren. Inseln versprechen Entspannung und Abgeschiedenheit; außerdem sind sie durch so viel Wasser vom Festland getrennt, dass all der Mist, der einem im Hier und Jetzt des Alltags das Leben erschwert, meist nicht folgen kann. Sorgen und schwere Gedanken sind offensichtlich Nichtschwimmer.

Seit jeher gilt dabei das Prinzip: Je weiter das Eiland weg ist, desto besser. Die Schriftstellerin Judith Schalansky hat vor drei Jahren ihren „Atlas der abgelegenen Inseln“ veröffentlicht, mit 50 Orten, an denen sie nie war und nie sein wird. Trotzdem hat sie zu jedem dieser Plätze, von der Weihnachtsinsel bis zum Clipperton-Atoll, eine kleine Geschichte erzählt. Nicht viel an diesen Geschichten ist wahr, aber wer ihr nicht glaubt, muss eben selbst hinfahren – was wegen der erwähnten Abgelegenheit nicht ganz einfach sein wird.

Auch das ist typisch für das Inselleben der Deutschen, vieles muss sich am Ende in der Fantasie abspielen. Der eine wäre dabei gern ein echter Abenteurer wie Robinson Crusoe, der andere hätte schon seine Freude daran, wenn er sich die oft bemühten drei Dinge, die man auf eine einsame Insel mitnehmen würde, einfach von Amazon nach Hause liefern lassen könnte. Aber wie sagt man zu Wasser und zu Land? Hätte, hätte, Inselkette.

Denn wie so oft im Leben ist es die Wissenschaft, die den Träumen und Mythen der Menschen ein Ende bereitet. Dachte man bislang, dass es mehr 100 000 Inseln weltweit geben müsste, hat ein Göttinger Forscherteam jetzt Kriterien erstellt, die nicht nur verbindlich festlegen, ab welcher Größe eine Insel eine Insel ist (ab einem Quadratkilometer), sondern auch wie viele Inseln es wirklich gibt: 17 833 – für sieben Milliarden Menschen. Es könnte eng werden am Strand und in den Träumen.

Der nördliche Teil Schleswig-Holsteins übrigens wurde, obwohl derzeit weder per Bahn, Auto oder Kanalschiff erreichbar, noch nicht als Insel gezählt. Die Göttinger Forscher wollen vor einer endgültigen Festlegung die weitere Entwicklung zwischen Nord- und Ostsee abwarten.

Als gesichert darf hingegen angenommen werden, dass sich auf Inseln wegen der isolierten Lage die Evolution besonders gut nachvollziehen lässt, weil viele Arten sich auf ihren kleinen, einzigartigen Lebensraum spezialisiert haben: Galapagos-Schildkröten etwa – oder Schleswig-Holsteiner. Während im Leben der Schildkröten noch vieles rätselhaft ist, weiß man vom Schleswig-Holsteiner zumindest, welche drei Dinge er auf eine einsame Insel mitnehmen würde: Bahn, Hochbrücke und einen Kanal mit richtigen Schleusen.







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