Mysterium : Einblicke ins Gehirn im Naturkundemuseum Münster

Glasvitrine mit dem Roboter MM7 Selector in Münster. Scholz-Nauendorff erschuf den Roboter zwischen 1957 und 1958.
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Glasvitrine mit dem Roboter MM7 Selector in Münster. Scholz-Nauendorff erschuf den Roboter zwischen 1957 und 1958.

Kaum ein Organ des Menschen ist so komplex wie das Gehirn. Das Naturkundemuseum in Münster zeigt jetzt eine große Sonderschau zu dem Thema. Publikumsmagnet dürfte eine Leihgabe aus den USA werden: zwei Schnitte vom Gehirn Albert Einsteins.

shz.de von
27. Juni 2018, 11:02 Uhr

Albert Einsteins Gehirn und das schwarze London-Taxi haben auf den ersten Blick keine Gemeinsamkeiten. In der Sonderausstellung «Das Gehirn - Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl» des LWL-Museums für Naturkunde in Münster spielen beide aber eine Hauptrolle.

Und das auf einer 1200 Quadratmeter großen Fläche mit 770 Ausstellungsstücken, darunter 71 präparierte Gehirne. Einstein und das Taxi stehen dabei für das Mysterium Gehirn.

«Es ist das komplexeste Organ überhaupt. Wenn Forscher etwas dazu herausfinden, wirft das noch viel mehr Fragen auf. Und bei Einstein hat die Forschung bislang weder anhand der Größe noch der Struktur klären können, warum er so intelligent war», sagt Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, bei der Vorstellung der Ausstellung am Dienstag in Münster.

Der deutsch-amerikanische Forscher und Begründer der Relativitätstheorie Einstein bekam 1921 den Nobelpreis. Nach seinem Tod stellten die Erben seinen Körper der Wissenschaft zur Verfügung. Von seinem Gehirn gab es über 1000 präparierte Schnitte. Viele davon sind heute verschollen. Zwei sind im «Mütter Museum» für Medizingeschichte in Philadelphia im US-Bundesstaates Pennsylvania zu sehen.

Als Leihgabe sind die winzigen Schnitte jetzt nach Münster gekommen und werden dem Publikum vom Freitag an bis Oktober 2019 wie auf einem Altar in einer pyramidengleichen gläsernen Box gut beleuchtet präsentiert. Der Versicherungswert: 100 000 US-Dollar. Während dieses Genie-Gehirn aber nach dem Ableben keine neue Erkenntnisse brachte, lieferten viele angehende Taxifahrer in London den Hirnforschern wichtige Fakten.

Ihre Gehirne wurden vermessen, bevor sie sich jahrelang quälten und die Straßennamen in Englands Hauptstadt für die Taxi-Prüfung auswendig lernten. Nach der Prüfung kamen sie erneut in die Röhre und das Ergebnis: Das für die Orientierung wichtige Hirn-Areal war messbar angewachsen. Und das bei erwachsenen Menschen - für die Demenzforschung eine wichtige Erkenntnis. All das erfährt der Ausstellungsbesucher über Video, wenn er sich in das Original-Taxi setzt.

Die Ausstellung ist aufbereitet in 13 Themenbereiche. Darunter die Anatomie des Gehirns, Entwicklung und Evolution sowie psychische Erkrankungen. Weitere Bereiche sind unter anderen Hirnforschung, Schlaf und Traum, Gefühle, Ich-Bewusstsein, Verhaltenssteuerung und Drogen. «In jeder Generation in der Weltgeschichte gab es Menschen, die Drogen genommen und sich berauscht haben. Das scheint in unserer DNA zu liegen», sagt Kuratorin Lisa Klepfer.

Auch ein Original-Picasso fehlt nicht in der Ausstellung. Die Leihgabe stammt aus dem Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster. Daneben hängt ein Bild, das ein Schimpanse gemalt hat. «Wie Kreativität im Gehirn entsteht ist eine weitere spannende Frage», sagt Museumschef Jan Ole Kriegs und schiebt hinterher: «Die Frage, warum das eine Kunst ist und das andere nicht, können wir nicht beantworten.»

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