Eutiner Festspiele 2021 : Ein „Wagnis“: Liebesgeschichte im kalten Pariser Winter

Eine Probe – und gestern ohne angekündigtes Gewitter: Am Freitag feiern die Künstler bei den Eutiner Festspielen mit der Puccini-Oper „La Bohème“ Premiere.
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Eine Probe – und gestern ohne angekündigtes Gewitter: Am Freitag feiern die Künstler bei den Eutiner Festspielen mit der Puccini-Oper „La Bohème“ Premiere.

Eutiner Festspiele Themenwechsel im Pandemie-Sommer, weniger Musiker, nur die Hälfte des Publikums erlaubt – doch die Puccini-Oper „La Bohème“ läuft

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26. Juli 2021, 21:42 Uhr

Mit der Puccini-Oper „La Bohème“ locken die Eutiner Festpiele am kommenden Freitag zur zweiten großen Premiere dieser Saison. Zwar sprechen der Musikalische Leiter Hilary Griffith und Regisseur Igor Folwill von einem „Wagnis“, denn immerhin ist die tragische Liebesgeschichte im kalten Pariser Winter angesiedelt. Zugleich aber wissen beide ebenso gut wie Festspiel-Geschäftsführer Falk Herzog, dass der Sommer 2021 trotz der pandemiebedingten Einschränkungen ein bemerkenswerter ist. Für die acht „La Bohéme“-Aufführungen sind schon jetzt knapp 80 Prozent der Plätze gebucht. Und für das Musical „Cabaret“, mit dem die Eutiner in die Saison gestartet sind, gibt es nur noch mit Glück Karten.

Was genau sie in dieser schwierigen Saison richtig machen? Das Programm sei gut, sagt Festspiel-Geschäftsführer Falk Herzog, das Personal hervorragend. Und bisher hat selbst das Wetter, die unberechenbarste aller Freiluft-Größen mitgespielt. Es liegt aber wohl auch an der spürbar guten Klima im Ensemble. Alyona Rostovskaya, die in „La Bohème“ den Part der Mimi singt, und Miljenko Turk (Marcello), bestätigen, was Regisseur und Musikalischer Leiter nicht müde werden zu betonen: „Mag die Geschichte auch traurig enden, wir haben Spaß miteinander.“

Es ist ein junges Team, das zum kreativen aber kargen Leben der Pariser Bohème zusammengekommen ist – gerade so, wie es das Libretto vorsieht. „Es geht um junge Künstler in Paris. Wir erzählen diese Geschichte mit jungen Künstlern“, sagt Hilary Griffith. Gleichwohl hat jeder seiner Solisten bereits Erfahrung mit seiner Rolle, Alyona Rostovskaya spricht von der „Mimi“ sogar als ihrem Lieblingspart. Schon jetzt hat Regisseur Folwill sein Urteil über die zu erwartende musikalische Qualität gefällt: „Selbst, wenn meine Inszenierung durchfallen sollte, auf eines können Sie sich schon jetzt mit Sicherheit freuen: auf die Sänger.“

Die wiederum zeigen sich nicht nur von der Eutiner Zusammenarbeit begeistert, sondern auch vom Hygienekonzept, dass in Eutin eine deutlich größere Nähe möglich macht als auf den Heimatbühnen. Für Sicherheit sorgen unter anderem regelmäßige, von einer Fachkraft überwachte Tests auch für Geimpfte.

Corona ist begleitendes Thema auf dem grünen Hügel. „La Bohème“ wird aufgeführt, weil der ursprünglich geplante „Der Freischütz“ zu personalintensiv war. Statt 62 Musikerinnen und Musikern dürfen nur 26 in den Orchestergraben; für die hat Griffith neue Fassungen geschrieben, „aber es fehlt kein Ton“. Und der Chor muss mit 20 statt 60 Sängerinnen und Sänger Klasse und Masse zeigen. Die Zahl der möglichen Zuschauer wurde je nach geltender Regelung angepasst, derzeit finden 940 Zuschauer pro Aufführung Platz, was 50 Prozent der möglichen Auslastung entspricht.

Die halbierte Zuschauerzahl allerdings ist kein Grund zur Sorge. Falk Herzog geht mit seinem „abgerechnet wird am Schluss“ und den Hinweisen auf wachsende Infektionszahlen und das Wochenendwetter zwar noch in Deckung, aber er prognostiziert auch: „Wir werden das Jahr mit einem Gewinn abschließen.“

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