Ole Lagerpusch : Ein Nordlicht am Theaterhimmel

Seit einem Jahr verzaubert  der Flensburger  Ole Lagerpusch das Publikum des Hamburger Thalia Theaters. Foto: Thalia Theater
Seit einem Jahr verzaubert der Flensburger Ole Lagerpusch das Publikum des Hamburger Thalia Theaters. Foto: Thalia Theater

Bei Ole Lagerpusch läuft es momentan richtig rund. Gerade erst rückte der gebürtige Flensburger sich in Hamburg mit dem Einmannstück "Hikikomori" ins rechte Licht. Jetzt ist er Hauke Haien. Ein Schleswig-Holsteiner mit Ambitionen.

shz.de von
14. Januar 2008, 06:38 Uhr

Hamburg | Trotz seiner jüngsten Erfolge wirkt Ole Lagerpusch im Interview ein bisschen wie ein Schüler, der etwas verbockt hat und dabei erwischt wurde. Der junge Schauspieler strahlt gleichermaßen Rabaukentum und Zurückhaltung aus. Er raucht eine Zigarette nach der nächsten, sitzt nie lange still. Sein Blick ist gesenkt, was einer Haarsträhne die Sache leichter macht, ihm immer wieder vor die etwas übernächtigt aussehenden Augen zu fallen. Wenn der 25-Jährige aber lacht, dann mit einem verschmitzten Grinsen, das sein Selbstbewusstsein erahnen lässt. Nein, von "verbockt" kann nicht die Rede sein.

Im Gegenteil: Ole Lagerpusch zählt zu den Hoffnungsträgern der Hamburger Bühnen. Das Thalia Theater setzt auf ihn, das Gros der Kritiker lobt ihn, die Zuschauer feiern ihn - derzeit als Hauke Haien im Stück "Der Schimmelreiter".

"Bis jetzt waren alle Vorstellungen voll bis unter die Decke. Und ich glaube, dem Publikum hat es gefallen", urteilt Lagerpusch wenige Tage nach der Premiere zurückhaltend. Mit seinem jüngsten Engagement hat der Jungdarsteller auf der Karriereleiter gleich mehrere Stufen übersprungen, was ihn selbst verwundert. "Ich bin doch erst seit anderthalb Jahren in diesem Beruf", sagt Lagerpusch. "Und dann gleich so eine Hauptrolle! Der Erfolg ist aber mit sehr viel Arbeit verbunden", kommentiert der junge Mime mit etwas müde klingender Stimme. "Er kam so überraschend."

Ole Lagerpuschs Großvater war Fischer, der Vater ist Friseur. Der gebürtige Flensburg aber hatte schon früh anderes im Sinn. Seine Schauspielerei ist der Mutter einer Schulfreundin zu verdanken, die den damals Achtjährigen hinter die Theaterkulissen brachte und ihn so für das Metier begeisterte. Fortan spielte der Norddeutsche in verschiedenen Stücken mit, vor allem auf Flensburgs niederdeutscher Bühne. Nach seinem Abitur schrieb sich der ehemalige Waldorfschüler an der Berliner "Ernst Busch" Hochschule für Schauspielkunst ein, wo er 2006 seinen Abschluss machte. Schon während seines Studiums erhielt er größere Gastrollen in verschiedenen Spielstätten, darunter das "bat-Studiotheater", das "Deutsche Theater" und "Maxim Gorki Theater".

Seit dem letzten Jahr gehört er nun zum Ensemble des Thalia Theaters. In der aktuellen Spielsaison steht sein Name in gleich acht Programmheften, darunter "Romeo und Julia", "Herr Puntila und sein Knecht Matti" sowie "Nachtblind".

"Hikikomori" heißt das Werk, das ihm im letzten Sommer Bekanntheit verschaffte. In dem Einmannstück spielte er einen jungen Abiturienten, der sich zunehmend von seiner Umwelt isoliert. "Allein auf der Bühne zu sein, war eine harte Schule", resümiert Lagerpusch. "Für mich als Schauspieler aber auch eine wichtige Erfahrung." Das Werk kam vor allem bei jungen Theatergängern an. Schulbusse reisten an, um es sich anzuschauen.

Weit mehr Schlagzeilen machte Ole Lagerpusch nun aber in der letzten Woche, mit der Premiere der Jorinde-Dröse-Inszenierung. Dort scheitert auf der Bühne der Deichgraf Haien, der Darsteller Lagerpusch aber triumphiert. Dass er als Mann von der Waterkant für die Rolle geradezu prädestiniert sei, verneint der Nachwuchsschauspieler. "Ich hätte sie auch spielen wollen, wenn ich aus dem Ruhrpott kommen würde. Der Stoff ist einfach toll." Trotzdem liege ihm die so typisch karge, kantige norddeutsche Art der Figur.

Auf die Frage, was dem Schimmelreiter-Engagement folgen könnte, weicht Lagerpusch aus. Er sei kein Mensch, der weit im Voraus plant, kommentiert er. Erst einmal müsse er seinen Erfolg verdauen, sich etwas erholen, zur Ruhe kommen. "Das ging alles so wahnsinnig schnell", wiederholt er. Den heutigen Sonntag wolle er möglichst ruhig angehen. "Ich möchte einfach nur richtig ausschlafen. Weiter will ich jetzt noch nicht denken."

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