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Kultur

24. August 2017 | 09:06 Uhr

Ein Mann unter Tieren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim Naturfilmfestival Green Screen in Eckernförde feiert die Heinz Sielmann Stiftung ihr 20-jähriges Bestehen

Heinz Sielmann und Green Screen – da denkt man unweigerlich an Naturfilme. Und die Namen des legendären Tierfilmers und des Filmfestivals in Eckernförde passen zusammen, sie sind mittlerweile unzertrennlich. Der 2006 verstorbene Heinz Sielmann hat zwar nicht mehr erlebt, was in der Ostseestadt seit 2007 Jahr für Jahr stattfindet, doch es hätte ihm mit Sicherheit gefallen.

In diesem Jahr wird beim heute beginnenden Internationalen Naturfilmfestival das 20-jährige Bestehen der von Sielmann und seiner Frau Inge gegründeten Heinz Sielmann Stiftung gefeiert. Am 1. Juni 1994 hatte sie der damals 77-jährige Tierfilmer mit seiner Gattin ins Leben gerufen. Seitdem setzt sich die Stiftung als eine der bundesweit größten Naturschutz-Organisationen erfolgreich für den Biotop- und Artenschutz in Deutschland sowie im europäischen Ausland ein.

Sielmann entwickelte sich zum Naturschützer, nachdem er über Jahrzehnte hinweg erfolgreich Naturfilme gedreht hatte. Früh war er mit Natur und dem Filmemachen in Kontakt gekommen. Sein Vater, ein Chemiker, brachte dem 1917 geborenen Sielmann die Tierwelt auf Ausflügen nahe. Zu seinem Abitur bekam er von seinen Eltern seine erste Filmkamera geschenkt, so dass er mit 21 Jahren seinen ersten Tierfilm „Vögel über Haff und Wiesen“ drehen konnte. Ein Filmauftrag bewahrte Sielmann 1943 vor einem Fronteinsatz im Zweiten Weltkrieg: Horst Siewert, sein großes Vorbild, war bei Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm über die Tierwelt Kretas gestorben, und Heinz Sielmann erhielt den Auftrag, die Arbeit zu Ende zu führen.

Der Einstieg ins Filmgeschäft war damit geschafft. Nach dem Krieg legte Sielmann eine beeindruckende Karriere hin. Er drehte auf der ganzen Welt und seine Fernsehreihe „Expeditionen ins Tierreich“ wurde zu einer festen Institution. Das Lebenswerk Sielmanns umfasst etwa 30 Unterrichtsfilme und 100 Dokumentationen, er schrieb mehr als 30 Bücher und seine großen Kinofilme wurden in 25 Sprachen übersetzt. In England erhielt er aufgrund des Films „Zimmerleute des Waldes“ von 1954 über Spechte den liebevollen Spitznamen „Mr. Woodpecker“.

Die intensive Arbeit für seine Dokumentation war zugleich eine Zeit, in der Sielmann die zunehmende Naturzerstörung durch den Menschen beobachtete. Daraus folgte sein Engagement für den Naturschutz, dessen Konsequenz die Gründung der Stiftung war. Vor allem große unzerschnittene Gebiete wie das sogenannte Grüne Band Eichsfeld-Werratal an der ehemaligen innerdeutschen Grenze kauft die Stiftung auf, um sie zu renaturieren. „Mein Mann sah sich als Mahner und Gestalter für die Belange der Natur gefordert, diese für zukünftige Generationen zu erhalten“, sagt Inge Sielmann.

Die Witwe wird dieses Jahr zum ersten Mal das Naturfilmfestival Green Screen aus gesundheitlichen Gründen verpassen. Zu den sieben vorherigen Filmfesten war sie stets angereist, so dass sich in der Folge eine enge Zusammenarbeit zwischen Green Screen und der Sielmann Stiftung entwickelte. „Frau Sielmann hält aber telefonisch Kontakt zu uns“, sagt Green-Screen-Geschäftsführer Markus Behrens.

Erneut vergibt die Stiftung beim Naturfilmfestival den Heinz Sielmann Filmpreis an einen hervorragenden Naturfilm. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert und gehört damit zu einem der höchst dotierten in Deutschland. Green Screen und Sielmann – das passt einfach gut zusammen.

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erstellt am 04.Sep.2014 | 08:40 Uhr

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