Ein Golfclubhaus als Kunstobjekt

Außergewöhnliche Rekonstruktion - allerdings nur auf Zeit: Das Golfclubprojekts 'Mies 1:1' in Krefeld. Foto: dpa
Außergewöhnliche Rekonstruktion - allerdings nur auf Zeit: Das Golfclubprojekts "Mies 1:1" in Krefeld. Foto: dpa

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24. Mai 2013, 03:59 Uhr

Krefeld | Unzählige Architekturentwürfe wurden niemals realisiert. Manchmal aber wünscht man sich, dass ein Haus, von dem es nur einen Plan gab, doch gebaut worden wäre. In Krefeld ist so ein Traum auf spektakuläre Weise erfüllt worden. Mehr als 80 Jahre vergingen, bis der Entwurf des legendären Bauhaus-Architekten Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) für ein elegantes Golfclubhaus doch noch umgesetzt wurde - allerdings nur auf Zeit.

Zwar entstand das eingeschossige Flachdach-Gebäude nur aus Sperrholz und Stahl, und statt großzügiger Panorama-Fenster deuten nur Rahmen die einst geplante aufwendige Verglasung an. Dass der Entwurf aus dem Jahr 1930, von dem Pläne seit Jahrzehnten im Mies-Archiv des New Yorker Museum of Modern Art lagern, aber überhaupt als begehbares Modell entstehen konnte, ist eine Besonderheit. Bisher wurde nur Mies berühmter Barcelona-Pavillon aus dem Jahr 1929 rekonstruiert.

Nun können Besucher in Krefeld das Golfclubhaus-Modell in Originalgröße am ursprünglich vorgesehenen Standort inmitten von Kornfeldern besichtigen. "Pure Freude für einen Architekten" sei die Umsetzung gewesen, sagt der mit der Realisierung beauftragte belgische Architekt Paul Robbrecht. Einfach zu verstehen seien die Pläne von Mies aber nicht. Zwar gab es eine dreiseitige Projektbeschreibung des Bauhaus-Meisters, aber wichtige Informationen fehlten. So weiß man nicht, ob das Clubhaus, das sich über 90 mal 90 Meter auf der Kuppe des Egelsbergs erstrecken sollte, in Backstein geplant war. Auch die vorgesehene Einrichtung und das Material für die Innenwände sind unbekannt.

Der Nachbau Robbrechts sei somit keine 1:1-Rekonstruktion, sondern eine Annäherung, betont die Kuratorin Christiane Lange. Zwei Jahre dauerte die Planungs- und Bauphase für das 840 000 Euro teure Projekt. Ende Oktober wird es komplett abgebaut und zerlegt. Architektur- und Design-Studenten planen derzeit in dem Workshop "Recycling Mies" Pavillons, in denen das Baumaterial verwendet werden soll.

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