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Kultur

19. Oktober 2017 | 20:27 Uhr

Ein Fall für drei

vom

Die Jury vergibt die Goldene Palme des Filmfestivals von Cannes erstmals an Regie und Darsteller

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Cannes | Der Jubel war groß, als Steven Spielberg die Entscheidung der Jury verkündete. Die Goldene Palme des 66. Filmfestivals von Cannes ging an den französischen Film "La vie dAdèle" und damit an den großen Publikumsliebling der letzten Festivaltage. Gefeiert wurde dabei auch die Ankündigung, dass die Goldene Palme nicht nur an einen, sondern an drei Künstler vergeben werde, nämlich an den Regisseur Abdellatif Kechiche und zugleich an seine beiden jungen Hauptdarstellerinnen Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux. Es ist ein Novum in der Festivalgeschichte.

Die Freude war unter Kritikern und Festivalbesuchern auch deshalb groß, weil "La vie dAdèle" sich vom Muster der Festivalfilme deutlich abhebt. Der knapp dreistündige Film erzählt von einer Schülerin und ihrer ersten großen Liebe, bei der es sich eben nicht um einen jungen Mann handelt, sondern um eine Frau. Mit seinen ausgedehnten und ausführlichen Sexszenen und einer Handkamera, die in unmittelbarer Nähe den Alltagshandlungen der Heldin folgt, fordert und provoziert "La vie dAdèle" seine Zuschauer. Die Intimität, die so zwischen Publikum und Leinwand entsteht, nimmt zugleich für den Film ein. Spät im Programm gezeigt, hatte der Siegerfilm den bisherigen Festivalfavoriten "Inside Llewyn Davis" abgelöst. Das Werk der amerikanischen Regiebrüder Joel und Ethan Coen, der auf skurril-melancholische Art von einem Folkmusiker im New York der frühen 60er Jahre erzählt, musste sich mit der Silbermedaille des Festivals, dem Grand Prix, zufrieden geben.

Gingen die beiden Hauptpreise damit an zwei eher intime Geschichten, die ihren Fokus auf Personen und Beziehungen setzen, zeichnete die Jury in den Nebenpreisen Filme mit einem stärker gesellschaftspolitischen Akzent aus. Die Palme für die beste Regie erhielt der Mexikaner Amat Escalante für seinen Film "Heli", in dem er die aktuelle Situation seines Landes auf recht drastische Weise bloßlegt. "Heli" erzählt von einer Familie, die unversehens zwischen die Fronten des mexikanischen Drogenkrieges gerät. Mord- und Folterszenen bleiben weder den Protagonisten noch dem Zuschauer erspart.

Der Wettbewerb dieser 66. Filmfestspiele von Cannes war hochkarätig und vor allem ein Beleg dafür, wie vielseitig und lebendig das oft totgesagte Autorenkino noch ist.

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