Nach der Apartheid : Düsternis am Kap - Thriller aus Südafrika

«Die Stunde der Dunkelheit» von Michèle Rowe: Eine Detektivin, die mit ihren ganz persönlichen Dämonen kämpft, Korruption im Polizeiapparat und Grundstücksspekulationen in einer Gegend, in der sich nach dem Ende der Apartheid kaum etwas geändert hat. Droemer Knaur
«Die Stunde der Dunkelheit» von Michèle Rowe: Eine Detektivin, die mit ihren ganz persönlichen Dämonen kämpft, Korruption im Polizeiapparat und Grundstücksspekulationen in einer Gegend, in der sich nach dem Ende der Apartheid kaum etwas geändert hat. Droemer Knaur

Eine Detektivin, die mit ihren ganz persönlichen Dämonen kämpft, Korruption im Polizeiapparat und Grundstücksspekulationen in einer Gegend, in der sich nach dem Ende der Apartheid kaum etwas geändert hat: «Stunde der Dunkelheit» ist ein Thriller aus Kapstadt.

shz.de von
03. Juli 2018, 14:24 Uhr

Die Menschen in Constantia, einem Vorort Kapstadts, wollen zur «Earth Hour» Energiebewusstsein zeigen. Kriminellen kommt die «Stunde der Dunkelheit» zugute, wenn in der streng gesicherten Festung der reichen Weißen die Elektronik der Sicherheitsanlagen eine Stunde lang pausiert.

Eine junge Mutter wird entführt, die farbige Detektivin Persy Jones ermittelt. Der Fall wird für die Polizistin zur Konfrontation mit ihren eigenen Dämonen.

Mit ihrem Kapstadt-Thriller «Stunde der Dunkelheit» hat die südafrikanische Autorin Michéle Rowe auch ein Porträt der Gesellschaft ihres Heimatlandes gezeichnet, die auch Jahre nach dem Ende des Apartheid-Regimes von Ungleichheit und Denken in Rassen-Schablonen geprägt ist.

Menschen wie Jones sind für einige zu schwarz und für andere nicht schwarz genug. Als sie im Rahmen ihrer Ermittlungen zu einer Abendgesellschaft dazu stößt, wird sie erst einmal für eine Kellnerin gehalten - im noblen Constantia, zwischen Weinbergen und Sicherheitszäunen, leben die Weißen schließlich weiterhin unter sich. Wer dort eine dunkle Haut hat, ist Wachmann, Gärtner oder Hausangestellte.

Dass sie, als einzige gerade zur Verfügung stehende Beamtin, sich um die beiden kleinen Söhne der entführten Frau kümmern muss, passt Jones gar nicht. Sie könne mit Kindern nichts anfangen, versichert sie ihrem Partner und Liebhaber, der nicht nur weiß ist, sondern obendrein mit ihrer Chefin verheiratet. Doch dann packt sie das Schicksal dieser Familie. Sie versteht die Jungen nur zu gut: Ihre Mutter verschwand spurlos, als Persy sieben Jahre alt war. Der Verlust prägt sie immer noch. Dann wird obendrein bekannt, dass ein 17-jähriges Mädchen in der Nacht der Entführung verschwunden ist - ein weiteres Verbrechen?

Bei ihren Ermittlungen stößt die Detektivin nicht nur auf rassistische Borniertheit bei Familien, denen sie zu helfen versucht, auch unter den Kollegen hat sie einen schweren Stand. Korruption und Machtmissbrauch, ein gewalttätiges Machotum treten immer wieder zutage. Als die Polizistin dann auch noch die Rolle eines schwarzen Politikers in einem Streit um Grundstücke in Constantia untersucht, stößt sie in ein politisches Wespennest und weiß bald nicht mehr, wem sie überhaupt noch trauen kann. Alkohol und Sex werden zur Flucht aus der quälenden Vergangenheit und einer Gegenwart, in der Persy immer öfter gegen Windmühlen zu kämpfen scheint.

«Stunde der Dunkelheit» ist düster, mit einer Anti-Heldin, die sowohl rau als auch verletzlich ist. Es ist auch eine Abrechnung mit einem Südafrika, das den Traum der «Regenbogennation» noch lange nicht verwirklicht hat. «Wenn das hier ein neues Land ist, wieso ist es dann genauso voller Scheiße wie das alte?», fragt eine desillusionierte Persy am Ende.

- Michele Rowe: Stunde der Dunkelheit,Knaur-Verlag, München, 440 Seiten, 10,99 Euro, ISBN 978-3-426-52029-1.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert