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Hamburg : Drei Musketiere: Viel Theater um das perfekte Gefecht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Hamburg laufen die Proben für das Stück „Die drei Musketiere“, das im Thalia Theater im Zelt aufgeführt wird.

shz.de von
erstellt am 03.Apr.2014 | 07:14 Uhr

Hamburg | „Ausfallschritt! Spitze oben lassen! Nicht drehen!“ In der Garage des Thalia in der Gaußstraße konzentriert sich Marie Löcker gerade ganz und gar darauf, mit ihrem Degen das umzusetzen, was ihr vom Seitenrand zugerufen wird. „Und zack! zack! Drehung! 1 – 2 – 3 – und zack!“ Klaus Figge, weißes Haar, blitzblaue Augen, verfolgt von einem Stuhl aus jede einzelne Bewegung der Schauspielerin. Über siebzig ist er, ein bisschen rundlich und die Knie bereiten Probleme.

So schnell wie früher kann er nicht mehr aufspringen und hinrennen, um einzugreifen. Aber kaum hat er sich einen Degen geschnappt, scheinen Knie und Alter vergessen. Figge macht jeden einzelnen Schritt, jede Drehung, jede Haltung des Kampfes vor. Löcker probt noch einmal. Figge coacht, jetzt wieder vom Stuhl aus. Gleich darauf übernimmt er den Part des Gegners, das Tempo steigert sich, Figge und Löcker kämpfen jetzt mit einer Eleganz und einer Geschwindigkeit, die einem die Luft nimmt. Genau so soll es ja auch wirken, wenn im Juni im Thalia im Zelt „Die drei Musketiere“ (Premiere 5. Juni) gespielt werden.

„Klaus will ein veritables Gefecht, das auch so aussieht“, sagt Peter Jordan, der zusammen mit dem Theater- und Hörspielregisseur Leonhard Koppelmann Jérôme Savarys Spektakel inszeniert. „Er mag es nicht, wenn etwas nur witzig ist. Sobald er einen Degen sieht, wird es für ihn ernst.“ Jordan muss es wissen. Er selbst spielte am Thalia Theater zusammen mit seinem Kollegen Andreas Pietschmann im „Hamlet“ eine 15-minütige und damit wohl die längste Live-Fechtszene in der Theatergeschichte. Choreografiert hatte sie Klaus Figge. Wie wahrscheinlich alle bemerkenswerten Kampfszenen an den großen deutschsprachigen Theatern.

Geplant war das nicht. Eigentlich war er Studienrat für Sport und Geschichte, hatte aber 1971 an der Essener Folkwangschule einen Lehrauftrag für den Fecht- und Kampfunterricht angenommen und dann am Essener Schauspiel eine Kampf-Choreografie übernommen. Ursprünglich zum Ausprobieren, aber schnell war klar, dass Figge szenische Fantasie besaß und wusste, wie etwas auf der Bühne auszusehen hatte. Bald rissen sich von Peter Zadek bis Karin Beier alle wichtigen Regisseure um ihn. Figge ließ das Gymnasium sausen, behielt nur seinen Lehrauftrag an der Folkwangschule und stieg zur Nummer Eins der Kampf-Choreografie auf. Den Platz besetzt er unangefochten bis heute.

Jordan und Koppelmann vertrauen ihm blind. Obwohl die eigentlichen Proben zu den „Drei Musketieren“ erst Mitte April beginnen, kann Figge schon jetzt die Kampfszenen („Ich denke mir jede Choreografie selbst aus.“) trainieren. Marie Löcker macht das seit einer Woche, jeden Tag sechs Stunden lang. „Marie hat mich überrascht“, antwortet Figge auf die Frage, ob Frauen anders kämpfen als Männer.„Sie ist durchtrainiert und hat eine ähnliche Kraft und Dynamik wie ein Mann.“ In den „Drei Musketieren“ wird sie den D’Artagnan spielen. Und dass sie eine Frau ist, darf ruhig jeder mitbekommen. „Die Leute sollen doch sehen, wie Theater geht, dass wir nämlich etwas spielen,“ sagt Jordan. Wie Gefechte zum Beispiel, nur dass die in der Choreografie von Klaus Figge immer ganz echt aussehen. 

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