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Konzert in Kiel : Doro Pesch: „Beim Metal gelten noch die alten Werte“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Doro feierte vor zwei Jahren ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Am Sonntagabend tritt sie in Kiel auf.

Doro, täuscht der Eindruck, dass die Welt der Metal-Musik immer bürgerlicher geworden ist?
Nein, das ist schon so. Auch die Musiker und Fans werden älter, die Haare kürzer. Früher wurden wir noch oft komisch angeschaut, meine langhaarigen Jungs und ich. Wir sind auch häufig aus Restaurants geflogen, weil die Betreiber dachten, die Jungs würden alles auseinandernehmen. Dabei hatten die nur Hunger.

Welches der Klischees über Metal hat Sie denn immer am meisten gestört?
Dass alle nur Randale machen, nur trinken wollen und dass es grundsätzlich ganz hart zugeht. Das Gegenteil ist der Fall, Metal-Fans gehen sehr freundschaftlich miteinander um, mit viel Herz und großer Sensibilität. Und ganz ehrlich: Ich habe während meiner 30 Jahre auf der Bühne nicht eine Prügelei im Publikum gesehen.

Das klingt ja schon fast nach heiler Welt …

Auf jeden Fall gelten noch die alten Werte. Man kümmert sich um den anderen, wenn etwas passiert ist. Das habe ich während eines Konzerts in der Dortmunder Westfallenhalle selbst erlebt. Ich stand mit Ozzy Osbourne auf der Bühne und mein Papa bekam im Publikum einen Kreislaufkollaps. Den haben dann zehn Fans raus vor die Tür gebracht. Und die sind alle bei ihm geblieben und nicht wieder ins Konzert zurückgegangen.

Was haben Ihre Eltern vor 30 Jahren gesagt, als Sie ihnen von Ihrem Berufswunsch erzählt haben?
Ach, die haben mich eigentlich immer unterstützt. Obwohl ich in der Zeit nicht viel geschlafen und immer Musik gemacht habe. Mein Vater fand nur, dass die Musik zu laut war.

Und trotzdem war er bei Ihnen und Ozzy Osbourne im Konzert?
Ich habe irgendwann einen Song gemacht, der hieß „Für immer“, der hat meinem Vater ziemlich gut gefallen. Danach hat er alles mitgemacht, hat uns mit seinem Lkw zu den Konzerten gefahren und sogar mit meiner Mutter zusammen das Equipment getragen.

Sehr tolerante Eltern für die damalige Zeit …

Ja, schon. Trotzdem gab es irgendwann Ärger. Denn während meine Eltern die Marshall-Boxen geschleppt haben, waren meine Jungs im Bad, haben sich die Haare gemacht und sich geschminkt. In den 80ern war die Optik noch sehr wichtig, die Haare mussten auf Sturm stehen. Danach ist mein Vater nicht mehr gefahren, das habe ich dann gemacht.

War das nicht anstrengend, gerade nach einem Konzert?

Doch, das war es. Aber ich war schon immer so ein verantwortungsvolles Kerlchen und wollte, dass alle gut nach Hause kommen. Die haben sich dann hinten im Bus schön die Kante gegeben und es sich gut gehen lassen, während ich gefahren bin.

Immerhin, das Klischee vom Alkohol scheint zu stimmen …

Künstler sind grundsätzlich anfälliger, als viele Menschen denken. Die haben ganz tiefe Seelen und so viel Gefühl, dass man das manchmal auch ertränken muss. Und während einer Tour ist es für viele schwer, dem Alkohol immer aus dem Weg zu gehen. Der eine Gitarrist meiner Band, der kann nie ohne Bier schlafen und auch nicht ohne Bier auf die Bühne.

Jetzt spielen Sie wieder in Schleswig-Holstein, dem Land, zu dem Sie, auch wegen des Wacken Open Air, eine enge Verbindung haben.
Ja, ich bin wirklich sehr, sehr gern hier. Für mich ist es immer das Highlight schlechthin, wenn ich in Wacken dabei sein kann. Da geht es mir wie jedem anderen Metal-Fan. Ich war 1993 das erste Mal dort, damals wurde Metal so ein wenig an den Rand gedrängt, auch weil mit dem Grunge eine ganz andere Richtung aufkam. Damals hörten wird dann, dass zwei knallharte Fans ein Metal-Festival machen, das fand ich großartig. Als wir dann angefragt wurden, haben wir sofort gesagt: Das machen wir!

Wie war der erste Eindruck?
Wir sind hingefahren und haben das Gelände erstmal gar nicht gefunden. Damals gab es ja noch keine Navis oder Handys. Irgendwann haben wir dann einen Landwirt gefragt, der ist schließlich mit seinem Trecker vorgefahren. Damals waren da erst 2000 Fans oder so, aber die Atmosphäre war schon unglaublich gut.

Seitdem haben Sie die Entwicklung des Festivals über die Jahrzehnte begleitet …
Ja, wir sind 1998 wieder angefragt worden, da waren auf einmal 30.000 Leute da. Der Wahnsinn, ich bin fast umgefallen. Seitdem war ich alle paar Jahre da und habe verfolgt, wie es gewachsen ist. Und vor zwei Jahren habe ich dann in Wacken mein 30-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert.

30 Jahre auf der Bühne. Mal ehrlich, wächst da nicht die Sehnsucht nach einem bürgerlichen Leben mit Ehe, Kinder und Haus?

Ganz ehrlich: Ich habe keinen Freund, ich möchte nicht heiraten und auch keine Kinder. Ich wollte und will immer nur Musik machen. Das ist für mich das allergrößte. Genau das möchte ich mein Leben lang machen.

Doro spielt am Sonntag um 20 Uhr im Kieler Max Nachttheater. Karten unter 0431/91416

 

Alles zu Wacken 2015 gibt es auf unserer shz.de-Dossierseite.

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erstellt am 25.Apr.2015 | 12:51 Uhr

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