Positive Gefühle schenken : DJ BoBo träumt von Nummer-eins-Hit in Deutschland

DJ Bobo wird 50.
DJ Bobo wird 50.

Stapelt der Schweizer Dancefloor-Spezialist tief oder hoch, oder ist er ein erfrischender Realist? Er nennt sich auf jeden Fall in einem Atemzug mit Madonna, aber mit einem überraschenden Dreh.

shz.de von
05. Januar 2018, 00:01 Uhr

Herr Baumann weiß, was er kann. «Madonna und ich, wir sind ganz nah beieinander», sagt er. Peter René Baumann, Künstlername: DJ BoBo. «Was das Singen angeht, sind wir beide nicht in der Champions League, aber wir können andere Dinge: gute Lieder, eingängige Songs, eine gute Show liefern.»

Der Gute-Laune-Bringer aus Kölliken zwischen Basel und Zürich ist in seinem Element. Zirkus, Traumwelten, Zeitreisen, Video-, Licht- und Knalleffekte, damit zieht er Zuschauer in Hallen und Stadien. Mit größtem Spaß, wie er der Deutschen Presse-Agentur vor kurzem erzählte. Heute wird er 50. 

Musik mit tiefschürfenden Ansprüchen, gesellschaftlichem Auftrag? «Meine Musik hat den Auftrag, den Menschen ein positives Gefühl zu schenken», sagt er. «Glaub an das Gute, an dich, und nach dem Konzert gehst du mit einem positiven Gefühl im Bauch nach Hause.»

Diesem Motto ist DJ BoBo in 25 Jahren auf der Bühne treu geblieben, gleichwohl er sich mit Haarstil und Musik ständig neu erfunden hat. «Auch wenn der Zuschauer sagt: «Ja, der DJ BoBo, der ist immer bunt, fröhlich und machte große Shows.» Dass ständig etwas Neues kommt, ist für den Zuschauer eben schon das Normale.

Der gelernte Bäcker ist in Hiphop- und Breakdance-Tagen als Musiker groß geworden. Sein Durchbruch kam 1992 mit «Somebody Dance With Me». Warum singt er nicht Hochdeutsch angesichts seiner großen Fangemeinde in Deutschland oder vielleicht Schweizerdeutsch? «Wir machen Musik für den Weltmarkt, für die Tanzflächen, da war immer klar, dass es Englisch sein wird», sagt DJ BoBo. «Es wäre unglaubwürdig, wenn ich jetzt auf Deutsch singen würde. Dann sagen die Leute womöglich: Hallo, geht’s nicht mehr mit dem Englischen?»

Mit Heimatgefühlen habe das nichts zu tun. DJ BoBo lebt in Luzern, seine Kinder gehen dort zur Schule. Er selbst sieht sich aber als Weltbürger. «Wer so viel herumkommt, lernt viele Dinge zu akzeptieren und respektieren, die er zu Hause gar nicht mitbekommen würde», sagt er. DJ BoBo hat 1996 im Vorprogramm von Michael Jacksons Welttournee «HIStory World Tour» gespielt. Toll, sagt er bis heute, auch wenn er den King of Pop nur einmal in Moskau vor einem Hotellift traf und über ein «Hello, how are you?» nicht hinauskam.

2007 vertrat DJ BoBo die Schweiz beim Eurovision Song Contest mit «Vampires are Alive». Zwar zählt der Sänger zu den bekanntesten Schweizern, von denen viele mächtig stolz auf ihren erfolgreichen Landsmann sind. Die konservativen Kirchgänger gehören nicht dazu. Sie zettelten wegen des Vampir-Sujets eine Protestkampagne an, sahen die Jugend in Gefahr. DJ Bobo sang sein Lied trotzdem, schied aber im Halbfinale aus. «Eurovision, das ist nur ein Spiel, man darf es nicht so ernst nehmen», sagt er heute.

Die Shows gehen deutlich besser: Bei der jüngsten Tour zum Bühnenjubiläum gab DJ BoBo 21 Konzerte in Deutschland, 150 000 Fans kamen, die Hallen waren ausverkauft. In der RTL-Tanzshow «Dance, Dance, Dance» wirkt er in der Jury mit. Was kommt als nächstes? «Es gibt noch einige Länder, die fehlen», sagt der Musiker. «Der Iran zum Beispiel, da haben wir viele Fans. Aber Tanzen in der Öffentlichkeit, das geht dort nicht. Ein DJ-BoBo-Konzert auf den Barhocker zu verfolgen, geht auch nicht. Vielleicht klappt es ja eines Tages.

Die Zahl 50 schreckt ihn nach eigenen Angaben nicht. «Eine Midlife Crisis ist nicht in Sicht, aber wenn man mich mit der 25-jährigen Sekretärin auf einer Harley Davidson durchbrennen sieht, dann ist es soweit», scherzt er. «Die 50 schreckt mich nur, weil es nie wieder so eine spannende Zahl am Geburtstag geben wird. Mit 25 hatte man noch nichts zu erzählen, mit 75 kennt einen wahrscheinlich kaum noch jemand.»

Ein großes Ziel hat er mit 50 noch: «Ich hatte noch nie einen Nummer-eins-Hit in Deutschland», sagt DJ BoBo, der keinen Alkohol trinkt, weil er ihm nicht schmeckt. «Ich habe seit über 20 Jahren mit allen hier im Büro eine Wette laufen: Wenn ich jemals einen Nummer-eins-Hit in Deutschland habe, werde ich mich betrinken.» Die Show-Premiere zum neuen Album ist 2019 im Europapark in Rust. Ob der Nummer-eins-Hit dabei ist? Wer weiß, sagt Herr Baumann.

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