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Konzert in Hamburg : Die Toten Hosen: Mitgrölen im Konfettiregen

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Beim Konzert auf der Trabrennbahn in Hamburg verbreiten die Toten Hosen Sommermärchenatmosphäre. Campino springt wie ein aufgekratztes Eichhörnchen über die Bühne.

Hamburg | Die Toten Hosen haben enorm viel Live-Erfahrung – und die wissen sich die Düsseldorfer bei ihrem ausverkauften Konzert auf der Trabrennbahn in Hamburg-Bahrenfeld durchaus zu nutze zu machen. Ganz selbstverständlich ergehen sie sich in Gassenhauern wie „Hier kommt Alex“ oder „Bonnie und Clyde“. Sänger Campino muss bloß die ersten Töne anstimmen, schon verstärkt ihn die johlende Menge. Schließlich sind waschechte Hosen-Fans extrem textsicher. „Zehn kleine Jägermeister“ beherrschen sie natürlich aus dem Effeff. Auch bei den Liedern des jüngsten Albums „Ballast der Republik“ verhaspeln sie sich nie. „Tage wie dieser“, das dank seiner eingängigen Melodie ohne Weiteres im Mainstream-Radio bestehen kann, garantiert nicht zuletzt wegen des Konfettiregens richtige Volksfeststimmung. Vielleicht setzen es SPD und CDU sehr zum Ärger des Quintetts deshalb so gerne bei ihren Wahlveranstaltungen ein. „Unanständig und unkorrekt“ finden die Hosen das.

Aber egal: Heute Abend ist Sommermärchenatmosphäre angesagt. Der bestens gelaunte Campino springt wie ein aufgekratztes Eichhörnchen über die Bühne. Mit 52 hat er nichts an Energie eingebüßt. Er reißt sich sein durchgeschwitztes T-Shirt vom Leib und turnt mit nacktem Oberkörper umher. Immer wieder scherzt er mit dem Publikum. Bei „Paradies“ gibt er das Mikrofon an einen Fan ab, danach stürzt er sich mit ihm in die tobende Masse, um sich von ihr tragen zu lassen. Weiter geht es mit „Schrei nach Liebe“, das die Hosen bei den Ärzten geklaut haben. Dieser Coversong entlockt den Zuschauern zu Campinos großer Freude „Nazis raus!“-Sprechchöre.

Er strahlt, bevor er abermals in die Rolle des Zeremonienmeisters schlüpft. Als er „Steh auf, wenn du am Boden bist“ anstimmt, sollen sich alle setzen. Nicht jeder zeigt sich von dieser Idee begeistert, doch beim Refrain schnellen tatsächlich viele aus der Hocke in die Höhe.

Und dann? Ist es an der Zeit, Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“ aus der Mottenkiste zu holen. Bis die Hosen in der Zugabe mit „Alles aus Liebe“ endlich ein bisschen Romantik heraufbeschwören. Gen Ende geht es mit „Opel-Gang“ zurück in die Vergangenheit. Damit trifft die Band ins Herz von 13000 Besuchern. Selbst diejenigen, die ganz weit hinten stehen, verpassen nichts. Die messerscharfen Bilder auf den Leinwänden erwecken das Gefühl, stets hautnah am Geschehen dran zu sein. Das animiert die Mitgröhler zu Höchstleistungen.

Wer Konzerte als Aggressionsventil zu schätzen weiß, ist bei den Hosen genau richtig. Virtuose Musiker sind diese Herren zwar nicht, aber darauf kommt es im Punkrock eh nicht an. Es reicht völlig, alte Hits wie „Eisgekühlter Bommerlunder“ mit Schrammelgitarren zusammenzubringen. Wenn noch ein bisschen Stagediving und Pogo dazu kommt – wunderbar. Als der letzte Akkord von „You’ll never walk alone“ verklingt, sind sich vom Altpunk über den Rentner und den jungen Familienvater bis zum Teenager alle einig: Nicht die Ärzte sind die beste Band der Welt, sondern die Toten Hosen.

 

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erstellt am 31.Aug.2013 | 12:52 Uhr

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