Die Schlachtbank Düppel

Ohne den Sieg der Preußen über Dänemark wäre es nicht zum Deutschen Kaiserreich gekommen, behauptet der Autor Tom Buk-Swienty

shz.de von
21. Januar 2012, 03:59 Uhr

Düppel | In Dänemark wurde das Buch sofort zum Bestseller, dagegen vergingen vier Jahre, ehe ein kleiner deutscher Verlag eine Übersetzung wagte. Die Geschichte der Schlacht von Düppel wurde offenbar von vielen als regionales Ereignis eingestuft. Was für ein Fehlurteil. Denn am 18. April 1864 fiel der Startschuss für Bismarcks Blut- und Eisen-Politik, an deren Ende 1871 die Gründung des Deutschen Reichs stand.

Der Journalist und Historiker Tom Buk-Swienty äußert in seinem Buch "Schlachtbank Düppel" die Vermutung, ohne den Sieg der Preußen (und Österreicher) über Dänemark wäre es nicht zu den preußischen Siegen über Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) und damit zum deutschen Kaiserreich gekommen.

Über diese These mag man streiten, sicher ist dagegen, dass sich durch das fürchterliche Blutvergießen an den Düppeler Schanzen und anschließend auf der Insel Alsen das deutsch-dänische Verhältnis über Jahrzehnte nachhaltig verdunkelt hat. Nicht nur wegen der hohen Verluste, vor allem auf dänischer Seite, sondern auch deshalb, weil Dänemark durch die Niederlage von einer einflussreichen Mittelmacht zu einem Kleinstaat wurde und mit dem Abtreten von Schleswig, Holstein und Lauenburg fast ein Drittel seines Territoriums und annähernd die Hälfte seiner Bevölkerung verlor.

In der dänischen Geschichtsschreibung herrscht die Ansicht vor, wie alle anderen folgenden Kriege von 1866 über 1870 bis 1914 und 1939 habe Deutschland auch den Waffengang von 1864 gezielt geplant. Tom Buk-Swienty dagegen sieht die Hauptschuld auf dänischer Seite. Kopenhagen habe "den Krieg geradezu provoziert", stellt er fest, und Bismarck habe die Gelegenheit freudig genutzt.

Ausgelöst wurden die schließlich zum Krieg führenden Spannungen durch die im November 1863 vom neuen dänischen König Christian IX. widerwillig unterzeichnete Verfassung. Sie sah vor, das alte Herzogtum Schleswig dem dänischen Königreich anzugliedern und gleichzeitig Holstein abzustoßen.

In Kopenhagen glaubte man, dafür die Unterstützung der Großmächte Russland, England und Frankreich zu haben, was sich als Irrtum erwies. Beim Krieg der Jahre 1848/51 hatten sie die fast schon siegreichen Schleswig-Holsteiner und Preußen zum Rückzug gezwungen. Diesmal ließen sie die Verbündeten Preußen und Österreich gewähren.

Dazu stellt Buk-Swienty fest: "Man muss sich darüber wundern, wie Dänemark geradezu bewusst in diesen Krieg taumelte, obwohl das militärische Budget erschöpft und das Land keineswegs bereit war für einen größeren bewaffneten Konflikt. Die einzige Antwort liegt vermutlich in der vollkommenen Fehlinterpretation des internationalen Klimas."

Vernichtend fällt auch das Urteil über die in Kopenhagen handelnden Personen aus: Der Ministerpräsident manisch depressiv, der Kriegsminister am Rande des Schwachsinns, der König unpopulär und politisch kraftlos.

Als senil und skurril galt allerdings auch der Oberbefehlshaber der preußisch-österreichischen Armee, der 80-jährige Friedrich von Wrangel. Zu seinen fixen Ideen gehörte, dass im Krieg nicht gelesen und geschrieben werden sollte. Bei Lagebesprechungen mit seinen Offizieren durfte nur aus dem Gedächtnis vorgetragen werden und kein Stück Papier zu sehen sein.

Untere Dienstgrade auf beiden Seiten der Front haben dagegen viel geschrieben. Und auf diese Briefe stützt sich der Autor bei seiner nur mühsam zu ertragenden Schilderung des Kampfes um die Düppeler Festung. Es war ein bestialisches Gemetzel, das am 18. April 1864 nur wenige Stunden dauerte und doch tausende von Toten und Verstümmelten zur Folge hatte.

Und während sich die Kämpfenden die Bajonette in den Leib stießen oder mit den Gewehrkolben die Schädel einschlugen, versuchte eine vom Oberbefehlshaber Prinz Friedrich Karl von Preußen engagierte, 300 Mann starke Militärkapelle mit Marschmusik den Schlachtenlärm und das Klagen der Sterbenden zu übertönen. Als dem Dirigenten Gottfried Piefke, der extra einen Düppeler Marsch komponiert hatte, der Taktstock aus der Hand geschossen wurde, soll er mit dem Degen weiter dirigiert haben.

Nachdem die Verteidiger von Düppel geschlagen und über den Sund nach Alsen geflüchtet waren, kabelte der Oberbefehlshaber Friedrich Karl an König Wilhelm I.: "Ich lege zehn Schanzen Ihrer Majestät zu Füßen". In Berlin begann man anschließend mit dem Bau der berühmt gebliebenen Siegessäule.

Tom Buk-Swienty: Schlachtbank Düppel - Die Geschichte einer Schlacht. Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg, Osburg Verlag, 360 Seiten, 26.90 Euro.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen