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Ausstellung im Landesmuseum : Die Rückkehr der Farben

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Landesmuseum zeigt ab Sonntag in Cismar eine Doppelausstellung mit Keramik von Klaus Fußmann und Malerei von Manfred Besser

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erstellt am 11.Apr.2014 | 17:49 Uhr

Cismar | Jetzt, da der Frühling die Farben wieder ins Land bringt, kehrt auch Klaus Fußmann nach Schleswig-Holstein zurück. Den Winter hat er wie immer in Berlin verbracht, dort hat der Maler in den kalten Monaten am heißen Feuer gestanden und geduldig darauf gewartet, was am Ende, wenn die Flammen erloschen sind, aus dem Ofen herauskommt.

Der Winter ist seit 2006 Fußmanns Keramikzeit, dann bemalt er Vasen und Krüge, Tassen und Teller und lässt sie anschließend bei 1400 Grad brennen. „Diese Übergänge in den Farben, die bekommt man nur in der Keramik hin. Selbst die Aquarellmalerei bleibt dabei zurück“, sagt Fußmann, während er durch die Ausstellung im Kloster Cismar führt, die seine keramischen Arbeiten – und damit einen nahezu unbekannten Fußmann – zeigt. Bekannt ist dagegen die üppige Farbigkeit, die den Betrachter geradezu anspringt, wenn er vor den Glasvitrinen voller Objekte steht.

Und diese Farbigkeit stellt auch die Verbindung zu dem Hamburger Maler Manfred Besser her, mit dem sich Fußmann die Räume des Klosters in den nächsten sechs Monaten teilen wird: „Kraftvoll ist das Wort, das für beide Ausstellungen gilt“, sagt Kirsten Baumann, Direktorin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte.

Kraftvoll sind sie in der Tat, die Farben, die Manfred Besser auf seinen großformatigen Ansichten aus dem Hamburger Hafen zeigt. Kraftvoll und soweit abstrahiert, dass immer nur Fragmente von typischen Gebäuden oder Silhouetten sichtbar werden. „Ich setze einzelne Eindrücke und Versatzstücke zusammen, die zwar der Realität entstammen, so aber nirgendwo zu sehen sind“, sagt Besser. So schafft der Maler, der während des Studiums im Hafen arbeitete, nostalgische Einblicke in längst vergangene Hafenzeiten – rein ästhetisch, ohne dem Pathos zu verfallen.

Aber auch die Natur spielt in Bessers Kunst eine große Rolle, denn er hat wie Fußmann – noch eine Parallele – einen Wohnsitz auf dem Land; in der Lüneburger Heide entstehen seine Landschaften, die innerhalb der Cismarer Klostermauern eine Lust auf Farbe wecken, wie sie die Natur vor der Tür noch nicht erfüllen kann.

So ist es auch ein Stockwerk höher, bei den Keramiken von Klaus Fußmann. Farbstrotzende Blumen drängen sich auf seinen Vasen und Krügen, aber auch allerhand Fantasiewesen: Zwerge, Zauberer, Nymphen und mystische Frauen mit üppigen Blütenfrisuren, dazu ein buntes Rudel an Fabeltieren – Hirsch, Hase, Wolf und Rabe etwa. Man kann sich anhand dieser Exponate gut vorstellen, wie Fußmann dem winterlichen Berliner Stadt-Grau die Farben und Gestalten seiner Fantasie entgegenstellt – Farben und Gestalten, die er erst nach dem Brennvorgang wirklich erkennen kann.

„Es ist, als male man im Dunkeln: Die Farben auf der Keramik werden erst im Ofen sichtbar. Umso größer ist am Ende die Überraschung“, sagt Fußmann, für den die Form der Gefäße, die er in Berlin herstellen lässt, nur eine untergeordnete Rolle spielt: „Darin habe ich keinen Ehrgeiz“.

Aber die Zeit der Keramik und der Öfen ist ja ohnehin erst einmal wieder vorbei. Rund um Cismar erblüht der erste Raps, die Bäume werden grün, das Wasser der Ostsee schimmert blau am Horizont. Es beginnt die Zeit, in der Fußmann wieder zu Leinwand und Papier zurückkehrt. Jetzt, da der Frühling die Farben wieder ins Land bringt.


13. April bis 26. Oktober, Kloster Cismar, Bäderstraße 42, Grömitz, Di. bis So., jeweils 10 - 17 Uhr

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