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Schriftsteller Frank Schulz : Die letzte Reise des Antihelden Onno Viets

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwischen Schreiben und Scheitern: Der Hamburger Schriftsteller Frank Schulz hat den wohl ungewöhnlichsten deutschen Privatdetektiv erschaffen.

Humor ist ein schwieriges Geschäft. Je feiner der Witz, desto geringer die Trefferquote, wer die Massen einfangen will, der muss schon kalauern. Daraus ist in Deutschland ein ganzer Wirtschaftszweig erwachsen: Die Comedy-Welle, die vor Jahren über das Land geschwappt ist, hat den deutschen Humor gänzlich verwässert – er klingt überall ziemlich gleich und – leider – häufig eher schlicht.

Wie gut, dass es Ausnahmen gibt: Loriot, der Helmut Schmidt des deutschen Humors, zu recht hochverehrt, auch Dieter Hildebrandt. Dazu noch einige lebende Exemplare: Dieter Nuhr, Anke Engelke, Oliver Welke mit seiner „heute-show“ und, ein relativ unbekanntes Hamburger Exemplar, Frank Schulz. Der Schriftsteller ist einer der wenigen Autoren, die es schaffen, einen besonderen Ton in ihre Geschichten zu tragen, einen Ton, der über die reine Beschreibung der Figuren und ihrer reichlich bizarren Handlungen unterhält. Schulz ist witzig, ein kluger Humorist, der immer noch als literarischer Geheimtipp gilt.

Gerade arbeitet er am dritten und letzten Band seiner Onno-Viets-Trilogie, ein Krimi-Zyklus, der eigentlich gar kein Krimi ist. Onno Viets, Hauptfigur und Privatdetektiv, ist die Karikatur eines Ermittlers, mit dem Talent von Inspektor Closeau und dem Klamottengeschmack von Matula. Hartz-IV-Empfänger aus Hamburg-Wilhelmsburg, ein Überlebenskünstler, gescheitert mit zahllosen Ausbildungen, Studiengängen und Geschäftsmodellen, ausgehalten von seinem gutherzigen Umfeld, außerdem Tischtennis-Maschine und talentierter Zuhörer. „Und ein Mensch, der von seinen Ideen überzeugt ist“, sagt Frank Schulz.

Kurz: Ein Kerl, den man gern haben muss. Und eine Figur, die im Prinzip schon einen Großteil der Handlung ausmacht. In diesem Jahr ist der zweite Band „Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen erschienen“. Onno muss seinen Vetter Donald, der panische Angst vor Kreuzfahrten hat, auf – man ahnt es – eine Kreuzfahrt begleiten. Es ist die Liebe, die den Phobiker, der in Sachen Kauzigkeit sogar Onno übertrifft, auf den Pott treibt – und die Sache läuft natürlich aus dem Ruder. Nicht so gut wie der erste Teil „Onno Viets und der Irre vom Kiez“, der immerhin 20. 000 mal verkauft wurde, aber immer noch ein sehr lustiger Roman über der Deutschen liebste Art zu reisen.

Bis Februar nun muss der letzte Onno-Teil fertig werden, im Herbst soll er erscheinen. In Schulz’ Wohnung in Hamburg-Winterhude hängt die Karte eines fiktiven Ortes an der Wand: Finkloch heißt das Dorf, das aus ein paar Straßen und einem Wald besteht. 311 Einwohner tummeln sich dort. Und wo liegt dieses Roman-Kaff?

„Anderthalb Stunden nördlich von Hamburg“, sagt der Autor. Onno Viets erlebt sein finales Abenteuer also in Schleswig-Holstein, auch wenn Schulz sagt: „So konkret wird das nicht.“ Aber, das verrät er, es wird auch Plattdeutsch gesprochen. Zentrales Thema des Romans ist der Konflikt zwischen Onnos Schwiegervater, einem Förster, und einer Alt-Kommunardin, der Katzen-Zenzi. „Konservatismus trifft Esoterik-Milieu“, sagt Schulz. Man ahnt, was dem guten Onno droht. „Das wird finster, ein Schauerroman“, sagt Schulz und bleibt ganz ernst dabei.

Ohnehin ist der Autor, der schon mit seiner „Hagener Trilogie“ Kultstatus erlangt hat, ernsthafter, als man es annehmen würde, wenn man seine Bücher gelesen hat. Trotzdem ist er ein angenehmer Gesprächspartner, ruhig und zurückhaltend, aber, das scheint immer wieder durch, auch desillusioniert. Das Scheitern, das seinen Romanhelden Onno Viets begleitet, ist auch Schulz nicht fremd. „Ich habe die Hoffnung aufgegeben, eines Tages einigermaßen vom Schreiben meiner Romane leben zu können.“

Frank Schulz ist ein gutes Beispiel für eine durchschnittliche deutsche Autoren-Existenz. Obwohl seine Verkäufe meist zweistellig sind, obwohl er im deutschen Feuilleton gefeiert wird und eine große Fan-Gemeinde hat, reicht das Geld nicht. Vorschüsse, die etablierte Autoren wie Schulz erhalten, werden mit den Buchverkäufen verrechnet. „Die Diskrepanz zwischen dem ökonomischen Erfolg und dem Erfolg bei Kritikern ist groß“, sagt Schulz. Vielen Schriftstellern geht es so wie ihm, aber nur wenige reden so offen über ihre Situation.

Schulz hat die Konsequenzen gezogen. Im kommenden Jahr will er für das Theater und den Hörfunk arbeiten. Das wird besser bezahlt. „Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich kurzatmig werde, dass ich beim langen Erzählen an Grenzen stoße.“

Im Herbst wird er dann mit Onno Viets, dem sympathischen Antihelden, auf Lesetour gehen. Die Zutaten für das Finale in Finkloch klingen vielversprechend. Und war es dann wirklich mit Onno? „Eigentlich schon, nach drei Büchern habe ich die Nase voll von ihm“, sagt Schulz. Auch wenn er noch zwei, drei vage Ideen für weitere Onno-Fälle habe.

Die Akte Viets ist also noch nicht endgültig geschlossen. Auch wenn der Humor ein schwieriges Geschäft bleibt.


Frank Schulz: Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen, Galiani Verlag, 336 Seiten, 19,99 Euro.

ISBN: 978-3-86971-106-5

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erstellt am 22.Dez.2015 | 09:14 Uhr

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