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Hamburg : Die Geschichte packt noch: „Das Boot“ auf der Bühne

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Ausverkaufte Premiere im Ernst-Deutsch-Theater: Das Kriegsdrama „Das Boot“ wird mit Beifallsstürmen gefeiert.

Hamburg | Torpedos bestücken den engen, niedrigen, mit Metallgestänge abgesteckten Raum. Dahinter öffnet eine riesige Videoleinwand den Blick auf die Unendlichkeit des Ozeans. Eindrucksvoll nüchtern und bedrohlich gerät am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater das von Eva Humburg geschaffene Bühnenbild für eine Geschichte, die viele längst auch als unter die Haut gehenden Kino-Welterfolg (1981) kennen: „Das Boot“ in einer Version nach dem Romanbestseller Lothar-Günther Buchheims aus dem Jahr 1973 hat dort am Donnerstagabend Premiere gefeiert.

Im ausverkauften Haus ließ sich das Publikum einmal mehr mitreißen und reagierte mit Beifallsstürmen auf ein intensives, naturalistisch angelegtes Kriegsdrama in der Inszenierung durch Hartmut Uhlemann. Gespielt wird eine 2013 in Stuttgart erstaufgeführte Stückfassung von Manfred Langner nach einer norwegischen Dramatisierung Kjetil Bang-Hansens von 2012.

Ein großes historisches, dabei aktuell engagiertes Projekt für ein Privattheater, das seine Crew hier aus immerhin 13 Mann zusammenstellt – darunter Patrick Abozen („Tatort“) als Kriegsberichterstatter und Erzähler sowie Erik Schäffler („Hamburger Jedermann“) als Kommandant „Der Alte“. Mit spürbarem Herzblut erzählen sie alle Buchheims auf eigenen Erlebnissen beruhenden Bericht eines U-Boot-Einsatzes Ende 1941, bei dem englische Versorgungsschiffe abgeschossen werden sollten.

Die Schauspieler Patrick Abozen (als Leutnant Werner, r-l), Erik Schäffler (als Kaleu), Leenert Schrader (als 1. Wachoffizier) und Oliver Warsitz (als Bootsmann Lamprecht) stehen für das Stück „Das Boot“ gemeinsam auf der Bühne.
Die Schauspieler Patrick Abozen (als Leutnant Werner, r-l), Erik Schäffler (als Kaleu), Leenert Schrader (als 1. Wachoffizier) und Oliver Warsitz (als Bootsmann Lamprecht) stehen für das Stück „Das Boot“ gemeinsam auf der Bühne. Foto: Axel Heimken, dpa

Klaustrophobie, miserabelste Luft, Todesangst, Sehnsucht nach der Familie oder auch nur einem Bordell, unflätige Spaßlust, Nazitum, Schuld, Unschuld, immer wieder Hoffnung verdeutlichen die Akteure. „Milchgesichter, die an die Mutterbrust gehören“, sagt „Der Alte“ über seine Crewmitglieder, die in der Realität oft nur 18 oder 20 Jahre alt waren – von etwa 40.000 U-Bootfahrern sollen am Ende nur 10.000 heimgekehrt sein.

Die Ausdifferenzierungen einzelner Charaktere gehen hier auf der Bühne nicht so weit wie etwa im Film Wolfgang Petersens, der seine ihn dank „Das Boot“ nach Hollywood führende Karriere übrigens in den 60-er Jahren am Ernst-Deutsch-Theater begonnen hat. Dafür aktualisiert und internationalisiert Uhlemann, der sich bei seiner Arbeit von einem Veteranen beraten ließ, den Stoff mit Zahlen zur derzeitigen Rüstungsindustrie und mit der Besetzung auch durch Darsteller mit Migrationshintergrund. So tritt Abozen, in Hamburg geborener Sohn deutsch-äthiopischer Eltern, aus seiner Rolle heraus und erklärt, dass er im Zweiten Weltkrieg auf keinem U-Boot hätte mitfahren dürfen.

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erstellt am 13.Mär.2015 | 11:37 Uhr

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