Rekord im Aktionshaus Christie's : „Die Frauen von Algier“ von Picasso: So sieht ein 180-Millionen-Dollar-Bild aus

Jussi Pylkkaenen versteigert das Picasso-Werk „Die Frauen von Algier“.
Jussi Pylkkaenen versteigert das Picasso-Werk „Die Frauen von Algier“.

Schwindelerregender Auftakt der Frühjahrsauktionen in New York: Ein Picasso wird mit knapp 180 Millionen Dollar zum teuersten Bild aller Zeiten, ein Giacometti mit rund 140 Millionen zur teuersten Skulptur.

shz.de von
12. Mai 2015, 08:40 Uhr

New York | Kurz vor dem entscheidenden Moment trinkt Jussi Pylkkanen noch schnell einen Schluck Wasser. Hinter dem Auktionator und Chef des Auktionshauses Christie's wird währenddessen Programmposten 8A hereingetragen, Pablo Picassos „Les femmes d'Alger“. „Ein wunderbares Gemälde“, sagt der weißhaarige Mann in schwarzem Anzug, lilafarbener Krawatte und weißem Einstecktuch. „Wir beginnen bei 100 Millionen Dollar.“ Viele Zuschauer im Auktionssaal in New York halten die Luft an und umklammern ihre Programmhefte ein wenig fester. Knapp zwölf Minuten und einen spektakulären Bieter-Wettstreit später lässt Pylkkanen den Hammer fallen: 160 Millionen plus Kaufprämie macht insgesamt 179,4 Millionen Dollar. Weltrekord.

Picassos „Les femmes d'Alger“ ist etwa ein mal anderthalb Meter groß, knallbunt, in einer Mischung aus abstrakt und realistisch gemalt und zeigt mindestens vier barbusige Frauen. Das Bild verdrängte das Gemälde „Three Studies of Lucian Freud“ von Francis Bacon auf Platz zwei der teuersten Bilder. „Les femmes d'Alger“ war ursprünglich im Besitz des inzwischen gestorbenen US-Sammlerehepaars Victor und Sally Ganz, die es 1956 direkt von Picassos Galerist Daniel Kahnweiler kauften. Von dem Werk gibt es 15 Versionen. Das Ehepaar Ganz kaufte alle für damals insgesamt 212.500 Dollar, verkaufte sie jedoch später nach und nach wieder. Bei dem Werk, das nun versteigert wurde, handelt es sich um die Version „O“. Sie war zuletzt 1997 bei einer Auktion aufgetaucht und damals für rund 32 Millionen Dollar verkauft worden. Zuletzt gehörte die Hommage an Picassos kurz zuvor gestorbenen Freund und Künstlerrivalen Henri Matisse nach Angaben von Christie's einem „sehr privaten Sammler aus New York“.

Mehr als 30 Gebote sind für das 1955 erstellte Ölgemälde des spanischen Malergenies Picasso (1881-1973) abgegeben worden. Den Zuschlag bekommt in der Nacht zum Dienstag schließlich ein Telefonbieter, für den Christie's-Manager Brett Gorvy im Saal am Hörer die Hand gehoben hatte. Wer da gerade unvorstellbare knapp 180 Millionen Dollar (etwa 160 Millionen Euro) für ein etwa ein mal anderthalb Meter großes knallbuntes Bild mit mindestens vier barbusigen Frauen darauf ausgegeben hat, bleibt zunächst unklar. Sicher ist nur: Wer auch immer es war, er besitzt jetzt das bislang teuerste je bei einer Auktion versteigerte Bild.

Das Publikum klatscht, aber Auktionator Pylkkanen macht scheinbar unbeeindruckt weiter. 27 Werke sind bei der Auftaktversteigerung der New Yorker Frühjahrsauktionen noch übrig und es stehen noch weitere Highlights auf dem Programm. Als Pylkkanen nach einer guten Stunde die Veranstaltung mit einem „Danke, meine Damen und Herren“ beendet, liegt eine wahrhaft historische Auktion hinter ihm: Neben dem Rekord für das teuerste Bild der Welt ist auch noch der für die teuerste Skulptur gefallen. Alberto Giacomettis „Zeigender Mann“ erzielte inklusive Kaufprämie rund 141,3 Millionen Dollar - und damit rund 35 Millionen Dollar mehr als die bislang teuerste Plastik, Giacomettis „Schreitender Mann“. Auch für weitere acht Künstler sind Auktionsrekorde aufgestellt worden.

Alberto Giacomettis „Zeigender Mann“
Alberto Giacomettis „Zeigender Mann“

Auf der Straße vor dem Auktionssaal direkt gegenüber vom Rockefeller Center parken zahlreiche Luxusautos, aber nur wenige Werke werden von Auktionsteilnehmern im Saal gekauft. Die meisten gehen an Telefonbieter, deren Identität nicht verraten wird. Aber Beobachter zeigen sich von den schwindelerregenden Preise unbeeindruckt. „Der Wert ist einfach da“, hatte Christie's-Experte Loic Gouzer schon vor der von ihm organisierten Auktion gesagt. „Es gibt so viele Sammler da draußen, die nach dem Besten vom Besten suchen. Und es gibt viel weniger Werke von solcher Qualität noch im Privatbesitz, als es Sammler gibt.“ Die diesjährigen New Yorker Frühjahrsauktionen jedenfalls haben gerade erst begonnen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen