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Zum 80. Geburtstag : Didi Hallervorden: Mehr als nur „Palim, palim!“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Als blödelnder „Didi“ schrieb Dieter Hallervorden TV-Geschichte – doch der Mann, der morgen 80 wird, ist auch als Charakterdarsteller erfolgreich. „Chuzpe – Klops braucht der Mensch“, ist heute in der ARD zu sehen.

Dessau | Nonsens als „Didi“. Scharfzüngiges als Polit-Kabarettist. Warmherzige Charakterköpfe in Kino-Erfolgen wie „Honig im Kopf“ und „Sein letztes Rennen“. Dieter Hallervorden ist Komiker, Schauspieler, Kabarettist, Theaterleiter – und ein Original.

Der Mann mit dem zerknautschten Gesicht schrieb mit der Slapstick-Serie „Nonstop Nonsens“ bereits in den 70er Jahren Fernsehgeschichte. Zuletzt gelang ihm ein viel beachtetes Comeback auf der Kinoleinwand. Morgen feiert Hallervorden seinen 80. Geburtstag – und am selben Tag in seinem Berliner Schlossparktheater auch die Premiere der neuesten Bühnenproduktion: „Amadeus“ über das Musikgenie Mozart.

Hallervorden selbst wird in dem Stück von Peter Shaffer, das von Milos Forman 1984 verfilmt wurde, allerdings nicht auf der Bühne stehen. Dafür hat der Allrounder für seine Fans einen neuen Song aufgenommen: „Ihr macht mir Mut (in dieser Zeit)“ kann seit gestern im Internet heruntergeladen werden, wie Hallervorden auf seiner Facebook-Seite meldete.

Und in der ARD ist der Entertainer heute, 20.15 Uhr, in der Komödie „Chuzpe – Klops braucht der Mensch“ zu sehen. Darin spielt Hallervorden einen Holocaust-Überlebenden, der nach Jahrzehnten in Australien zu seiner Tochter (Anja Kling) nach Berlin zieht – und dort mit seiner neuen, aus Polen stammenden Freundin ein Klops-Restaurant aufmachen will. Eine Geschichte mit Witz und Tiefgang.

„Ich wusste schon immer, dass ich auch ernste Rollen spielen kann. Mich hat einfach nur keiner gelassen“, kommentiert Hallervorden seine späte Karriere als Charakterdarsteller. „Es war unheimlich schwer, aus der ‚Didi’-Schublade rauszuklettern und zu meinen eigentlichen Wurzeln zurückzukehren. Ich komme ja ursprünglich vom klassischen Theater“, sagte er einmal über sein Image als Spaßmacher. Ob mit seinem legendären „Palim, palim!“ im Gag über die „Flasche Pommes Frites“, dem schwarzhumorigen Butler-Auftritt im Sketch „Die Kuh Elsa“ oder dem mit Helga Feddersen gesungenen Ulksong „Die Wanne ist voll“ – Hallervorden hat einen Platz im kollektiven Witze-Gedächtnis der Deutschen. Aber nicht immer mit Auftritten, die ihm selbst behagten: „Es gibt einige Dinge, die ich im Nachhinein mit Kopfschütteln betrachte. Zum Beispiel dieses Lied mit Helga Feddersen, ‚Die Wanne ist voll‘ – das hätten wir vielleicht doch besser nur für unsere Verwandtschaft aufführen sollen“, sagte er vor zwei Jahren im Interview mit dieser Zeitung.

Bissiger und politischer war Hallervorden schon früh in seinen Kabarettprogrammen und von 1994 bis 2003 in der TV-Reihe „Hallervordens Spott-Light“.

Mit 78 Jahren schaffte Hallervorden dann als Marathonläufer in „Sein letztes Rennen“ ein Comeback als Charakterdarsteller. Eine Rolle, die seiner Lebensphilosophie entsprach: „Mindestens einmal mehr aufstehen als hinfallen“. Mit Til Schweiger drehte Hallervorden 2014 die enorm erfolgreiche Tragikomödie „Honig im Kopf“. Darin spielt er sehr anrührend einen alten Mann mit Alzheimer. Sein schauspielerisches Können hatte Hallervorden auch als eiskalter Killer in Wolfgang Menges spektakulärem TV-Thriller „Das Millionenspiel“ (1970) gezeigt.

Seit mehr als 55 Jahren steht der gebürtige Dessauer, der 1958 in den Westen ging, auf der Bühne. Wie viele seiner Kollegen aus dem komischen Fach ist Hallervorden ein nachdenklicher und sensibler Mann. Er studierte Romanistik und wollte eigentlich Journalist werden. Die Anfänge seiner Karriere liegen im politischen Kabarett der 60er Jahre, als er mit gerade mal 25 Jahren die „Wühlmäuse“ gründete.

Wie Harald Juhnke war Hallervorden eines der bekanntesten Gesichter des alten West-Berlin. Heute leitet er zwei Bühnen in der Hauptstadt: das Schlossparktheater in Steglitz für anspruchsvolle Unterhaltung und die „Wühlmäuse“ am Funkturm, bis heute eine wichtige Adresse für gutes Kabarett.

Manchmal eckt Hallervorden auch an. Als er im Frühjahr 2015 bei der Verleihung des Romy-Filmpreises auf den Nazi-Slogan „Heim ins Reich“ anspielte, löste das Irritationen aus. Es sei eine Satire gewesen, verteidigte er sich.

Hallervordens Motto lautet „Ein Narr gibt niemals auf“. Er habe aus einem Hobby einen Beruf gemacht, sagte er einmal. „Glücklicherweise traf meine Liebe zur Bühne beim Publikum auf Gegenliebe.“

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erstellt am 05.Sep.2015 | 11:04 Uhr

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