Wiederaufbau : Deutschland will nach Museumsbrand in Rio helfen

Die Seite eines Buches, das zum Bestand des ausgebrannten brasilianischen Nationalmuseums gehörte  /Agencia Brazil
Die Seite eines Buches, das zum Bestand des ausgebrannten brasilianischen Nationalmuseums gehörte  /Agencia Brazil

Millionen wertvoller Artefakte sind in der Feuersbrunst verloren gegangen. Aus der ganzen Welt gehen nun Hilfsangebote in Rio de Janeiro ein. Deutschland verspricht Soforthilfen von bis zu einer Million Euro.

shz.de von
06. September 2018, 16:26 Uhr

Nach dem verheerenden Großbrand im Nationalmuseum in Rio de Janeiro haben zahlreiche Länder und Organisationen ihre Hilfe beim Wiederaufbau angeboten. Das Auswärtige Amt versprach Brasilien eine Soforthilfe von bis zu einer Million Euro.

Die für internationale Kulturpolitik zuständige Staatsministerin Michelle Müntefering (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Berlin, sie habe für die Bewältigung der Katastrophe zudem eine Koordinierungsstelle im Außenamt eingerichtet.

In Kürze werde sie die deutschen Partner aus Bund, Ländern und Zivilgesellschaft zu einem Koordinierungstreffen einladen, sagte die SPD-Politikerin. Der internationalen Kulturorganisation Unesco habe man die Teilnahme deutscher Experten an einer Findungsmission zugesagt, die Entsendung stehe bevor. Auch Frankreich, Ägypten und Peru sowie Organisationen wie die National Geographic Society boten Hilfe an.

Das Feuer im Nationalmuseum war am Sonntagabend ausgebrochen und hatte große Teile des früheren Kaiserpalasts zerstört. Nach einem ersten Rundgang ging die Museumsverwaltung davon aus, dass etwa 90 Prozent der rund 20 Millionen Ausstellungsstücke vernichtet wurden.

Das Museum galt mit seiner geologischen, botanischen, paläontologischen und archäologischen Sammlung als eines der wichtigsten Ausstellungshäuser Südamerikas. Neben Exponaten aus der Region verfügte es auch über ägyptische Mumien, griechische Statuen und etruskische Artefakte.

Das wertvollste archäologische Ausstellungsstück war der Schädel von «Luzia». Mit rund 13.000 Jahren gilt es als eines der ältesten Fossile eines Homo sapiens in Amerika. Noch ist nicht klar, ob «Luzia» den Brand überstanden hat. «Es wäre ein unwiederbringlicher Verlust», sagte der Archäologe Walter Alves Neves, der den Schädel nach seiner Entdeckung untersucht hatte, der Zeitung «Folha de São Paulo».

Auch die Stadt Köln bot ihrer Partnerstadt Rio de Janeiro Unterstützung an. «Nach dem Einsturz des Historischen Archivs in Köln im Jahr 2009 können wir Kölnerinnen und Kölner nachempfinden, was dieser Verlust für die Stadt Rio de Janeiro, das Land Brasilien und das Gedächtnis der ganzen Bevölkerung bedeutet», schrieb die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker an ihren Kollegen Marcelo Crivella. Die Mitarbeiter des Kölner Stadtarchivs seien bereit, «mit Rat und Tat» zu helfen.

Die Brandursache war weiterhin unklar. «Es sind erst 48 Stunden vergangen. Es gibt nichts Neues zu sagen», sagte der Minister für öffentliche Sicherheit, Raúl Jungmann. «Alle Anstrengungen der Bundespolizei sind auf die Klärung der Brandursache gerichtet. Zwei Ermittlerteams arbeiten an der Unglücksstelle.»

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