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Tove Jansson : Der unsterbliche Mumin-Kosmos

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die finnische Schriftstellerin Tove Jansson, Erfinderin der kleinen Fantasiefiguren, wäre am Samstag 100 Jahre alt geworden.

Mumin, der kleine Troll, kann sich der Liebe seiner Muminmutter ganz sicher sein. Gefährliche Reisen und Abenteuer, ein buntes Volk von Hemulen, Homsas, Hatifnatten, Schnupferich, Schnüferl, Filifjonka und dem nicht so ganz zuverlässigen Muminvater – ein so bevölkertes Mumintal wird durch die Lebenskunst der Mutter und die Philosophie des Vaters zum Paradies der Welterfahrung.

Die Schöpferin dieses Kinder-Kosmos ist die vor hundert Jahren geborene Malerin und Schriftstellerin Tove Jansson, Tochter eines Bildhauers und einer Graphikerin. Sie starb 2001 hoch geehrt als Ikone der nordeuropäischen Kinderliteratur. Ihr Künstler-Leben entspricht nicht den landläufigen, kurzsichtigen Vorstellungen von einer Frau, die Bücher für Kinder schreibt. Die auch für erwachsene Leser in schwedischer Sprache publizierende Finnin lebte ein freies Frauenleben in Helsinki, Paris, auf vielen Reisen und in der Abgeschiedenheit nordischer Natur. Sie gehörte zu den ganz wenigen Autorinnen der Kinderliteratur, die nicht verschweigen, lesbisch zu sein – zu einer Zeit, in der sie noch nicht auf die liberale Reaktion von Eltern und Pädagogen hoffen konnte. Über Jahrzehnte lebte sie mit ihrer Partnerin Tuulikki Pietilä, Vorbild für die Tooticki im Mumin-Kosmos, in den Sommermonaten auf der Insel Kloharu, im Winter im Atelier in Helsinki.

Ihre Graphiken und Comics sind untrennbar mit den Texten verbunden. Kleinliche Rücksicht auf Lesealter war ihr fremd. Tove Jansson erhielt alle Literaturpreise der internationalen Förderung der Kinderliteratur. Alle Medien haben sich ihrer genialen Erzählungen und Illustrationen bedient. In Deutschland ist die Bedeutung der Mumin-Welt erst seit 2000 durch die neue Übersetzung von Birgitta Kicherer zugänglich. Doch schon in den Jahren 1959/1960 inszenierte die Augsburger Puppenkiste mit kenntnisreicher Liebe die Mumin-Welt. Wer sie so kennen lernte, hat die aufmüpfige Stimme der kleinen Mü – „Bin ich nun das Rotkäppchen oder nicht?“ – bis heute im Ohr.

Die vermeintlich harmlosen Trolle haben es in sich. Die ersten Mumin-Abenteuer, wie „Pippi Langstrumpf“ 1945 in Schweden erschienen, sind noch ganz von den Kriegserfahrungen der Finnin geprägt, Naturerscheinungen lassen sich leicht als Symbole der Weltbedrohung durch die Atom-Politik des kalten Krieges deuten. Das „unsichtbare Kind“, das erst durch Zuwendung wieder sichtbar wird, die putzwütige Filifjonka, die nach Eintritt der befürchteten Katastrophe frei und froh wird, bieten einprägsame Bilder menschlicher Not, wie sie die Kinderliteratur vorher nicht kannte.

Janssons 100. Geburtstag wird heute weltweit mit Ausstellungen, Publikationen, Mumin-Festen und Symposien gefeiert (www.tove100.com).

Wer wissen will, wie alles anfing, sollte ihre neu aufgelegten poetischen Kindheitserinnerungen „Die Tochter des Bildhauers“ aus dem Jahre 1968 lesen. Im Künstler-Atelier der Eltern, im Sommerhaus auf der Insel finden Leser wieder, was jedes Kind kennen lernen sollte: die wunderbare Welt der Mumins, in der das Leben, wie es ist, durch Kinder- und Künstleraugen gesehen wird.

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erstellt am 09.Aug.2014 | 18:11 Uhr

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