Ben Becker : Der Trunkenbold und die Bibel

Ben Becker bei seinem Auftritt auf dem Katholikentag in Osnabrück am 22. Mai. Im September tritt er in Kiel auf. Foto: dpa
Ben Becker bei seinem Auftritt auf dem Katholikentag in Osnabrück am 22. Mai. Im September tritt er in Kiel auf. Foto: dpa

Ben Becker ist gewiss nicht für Religiosität bekannt. Doch die Wortgewalt der Bibel fasziniert ihn so sehr, dass er eine Lesung konzipierte. Ein Interview.

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29. Mai 2008, 11:05 Uhr

Was haben Sie empfunden, als Sie mit Ihrem Bibelprojekt zum Katholikentag eingeladen wurden?
Das hat mich gefreut. Schließlich kennen sich die Katholiken ja wirklich mit dem Buch der Bücher aus. Und: Sie sind weniger konservativ als man denkt. Ich habe sie als weltoffene Menschen kennen gelernt, mit denen man reden kann.
Wie bibelfest sind Sie selbst?
Ich habe nicht das gesamte Werk von vorne bis hinten durchgeackert. Es war so, dass ich vorab einige Geschichten ganz grob kannte. Zum Beispiel die Episode von Jona im Bauch des Wales. Damit habe ich mich dann mal näher beschäftigt.
Woher kam diese Idee?
Ich wollte schon immer Dolly Partons Auferstehungssong "Hes alive" singen. Wo könnte der wohl reinpassen, fragte ich mich. Und stieß auf das Alte Testament. Diese Idee hab ich weitergestrickt und mir schließlich Passagen aus dem Alten und Neuen Testament zusammengebastelt.
Eine zentrale Stelle ist ja die Kreuzigung.
Wenn ich die vortrage, dann spüre ich im Publikum die Betroffenheit. Die Soldaten quälen Jesus derart, da ist man gedanklich ganz schnell bei Guantánamo.
Wie gewalttätig sind die Bibelgeschichten in Ihren Augen?
Dass es da richtig zur Sache geht - klar. Allein als das Meer über den Ägyptern zusammenschlägt, sterben mal eben Tausende Menschen.
Wollen Sie dem Publikum das wie ein amerikanischer Wanderprediger nahe bringen?
Ich will auf der Bühne nichts predigen, das wäre ja geradezu blasphemisch. Keinesfalls bin ich angetreten, um zu bekehren. Weder mich noch andere.
Trotzdem soll sich Ihr Verhältnis zu Gott durch Ihr Bibelprojekt gewandelt haben.
Auf jeden Fall. Ich habe ihn etwas näher kennen gelernt. Wäre ja traurig, wenn das nichts mit mir gemacht hätte.
Hätten Sie Lust, Ihre Lesung um einige Bibelkapitel zu erweitern?
Bei einem Auftritt sind 80 Leute wie ein riesiges Puzzle miteinander verzahnt, das kann ich nicht mal eben aufbrechen. Allerdings würde mich die Offenbarung durchaus reizen, aber dafür müsste ich wohl einen neuen Abend konzipieren.
Ben Becker gastiert Di., 30. Sept., 20 Uhr, in der Kieler Ostseehalle. Fr., 17. Okt., 20 Uhr, tritt er in der Hamburger Color Line Arena auf. Karten unter Tel. 01805/9690000

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