Medizingeschichte : «Der Horror der frühen Medizin» und sein Ende

«Die schlachtende Kunst» hat Lindsey Fitzharris die Chirurgie im 19. Jahrhundert genannt. Sie beschreibt, unter welch heute unvorstellbaren hygienischen Umständen damals operiert wurde. Viele patienten starben.

shz.de von
14. August 2018, 13:21 Uhr

Knapp 200 Jahre ist es jetzt her, dass Doktor Frankenstein im Roman glaubhaft einen Menschen aus Leichenteilen zusammenbauen konnte.

Die Chirurgie war damals und bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ein gefährliches Unterfangen, bei dem viele Patienten die Operation nicht überlebten, weil sie an scheinbar unvermeidlichen Infektionen erkrankten. Die britische Medizinhistorikerin Lindsey Fitzharris nennt die Chirurgie der damaligen Zeit «Die schlachtende Kunst».

Etwas zurückhaltender, wenn auch nicht weniger deutlich, ist der deutsche Titel ihres Buches: «Der Horror der frühen Medizin». Fitzharris beschreibt in oft grausigen Details, unter welch heute unvorstellbaren hygienischen Umständen Operationen ausgeführt wurden und unter welch kläglichen Bedingungen die Patienten starben. Erst ein junger, neuen Erkenntnissen gegenüber aufgeschlossener Arzt schaffte es, mit wissenschaftlicher Begründung für Abhilfe zu sorgen.

Ebenso wie der Österreicher Ignaz Semmelweis propagierte auch der Schotte Joseph Lister Sauberkeit und Desinfektion als Grundvoraussetzungen für Gesundung in einer Welt, die, wie Louis Pasteur nachgewiesen hatte, von mit dem Auge nicht sichtbaren, aber sehr gefährlichen Bakterien bewohnt wird. Lister wird in Fitzharris' Buch zum überraschenden Helden. Anhand seiner Biografie gelingt es ihr, ein spannendes Kapitel Medizingeschichte zu schreiben und zugleich ein lebendiges Porträt der Lebensbedingungen in Großbritannien vor 150 Jahren zu verfassen.

- Lindsay Fitzharris: Der Horror der frühen Medizin. Suhrkamp Verlag, Berlin, 276 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3-518-46886-9.

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